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Sticken war wichtiger als Schule

Ab nächster Woche führt die Bühne Thurtal in Münchwilen «Die Stickerin» auf. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass noch vor gut 100 Jahren das Sticken mindestens so wichtig war wie die Landwirtschaft. Kinderarbeit gehörte dazu.
Simon Dudle
An der Fädelmaschine: Bruno Hollenstein in seiner Stickerei in Wiezikon, wo er während der Wintermonate fast täglich Zeit verbringt. (Bild: Simon Dudle)

An der Fädelmaschine: Bruno Hollenstein in seiner Stickerei in Wiezikon, wo er während der Wintermonate fast täglich Zeit verbringt. (Bild: Simon Dudle)

REGION. Sie waren und sind weltberühmt, die St. Galler Stickereien. Begibt man sich auf Spurensuche, so stellt man schnell fest, dass nicht nur in der heutigen Kantonshauptstadt gestrickt wurde, sondern auch in der Region Wil. Gähwil zum Beispiel war ein eigentliches Stickerdorf, Sirnach und Balterswil ebenfalls. Die Hochblüte erlebte die Stickerei um das Jahr 1880. Zu jener Zeit war die Tüllstickerei aufgekommen, und Handstickmaschinen lösten die eigentliche Handstickerei immer mehr ab. Eine solche Maschine bestand aus 312 Nadeln, womit deutlich schneller produziert werden konnte. Im Jahr 1884 gab es in der Ostschweiz über 18 000 solcher Handstickmaschinen.

Einfädeln wird überflüssig

Bruno Hollenstein hat bis heute eine intakte Handstickmaschine bei sich zu Hause in Wiezikon. Sein Vater war als Sticker tätig gewesen. Im Winter sitzt Bruno Hollenstein fast täglich an der eigenen Handstickmaschine und frönt seinem Hobby. Dass sich kaum mehr einer dafür interessiert, stört ihn nicht. «Ich verspüre keine Wehmut, dass es die Stickerei nicht mehr gibt. Es war ein schöner Beruf, eine Art Kunst», sagt Hollenstein.

Ein Meilenstein in der Geschichte der Stickerei war Mitte der 1860er-Jahre, als die erste Schifflistickmaschine erfunden wurde – vom Uzwiler Isaak Gröbli. Statt 100 Stiche pro Stunde waren nun über 100 Stiche pro Minute möglich. Die Nadelführung erfolgte durch einen Pantographen. Das Einfädeln, für das es eine eigene Maschine gegeben hatte, wurde überflüssig.

Im Jahr 1911 war die Hälfte der Industriearbeiter im Kanton St. Gallen in der Stickerei beschäftigt. «In Gähwil gab es in jener Zeit nur zwei Berufsgattungen. Landwirtschaft und Stickerei. Auch Bauern stickten», sagt Willy Schönenberger. Er ist bei der Bühne Thurtal für die Kommunikation verantwortlich und stammt aus einer Gähwiler Stickereifamilie. Kinderarbeit gehörte damals dazu, und Sticken war oft war wichtiger als Schule.

Tot im Weiher

Nach 1911 folgten die Jahre des Ersten Weltkrieges, welche eine Krise in der Stickerei mit sich brachten. Nach dem Kriegsende gab es zwar einen kurzen Aufschwung, ehe 1921 der unwiderrufliche Zusammenbruch der Stickereiindustrie einsetzte. Gründe waren die wirtschaftliche Depression nach dem Weltkrieg und auch Änderungen in der Mode.

In jener schwierigen Phase spielt das Stück «Die Stickerin – ein Schicksal aus dem Thurtal». 1912 herrscht der graue Alltag in einem typischen Ostschweizer Stickerdorf. Jakob Roth und seine Frau Lydia machen sich selbständig. Sie ersteigern eine heruntergekommene Stickerei, die dazugehörende Handstickmaschine schnappt ihnen aber ein Fergger mit einem überrissenen Angebot weg. Dieser Fergger nutzt die Situation schamlos aus, verpachtet ihnen die Maschine und treibt die Familie so in eine aussichtslose Abhängigkeit. Der Lohn reicht kaum zum Leben, die Not wird unerträglich. Schliesslich wird Roth in einem Weiher tot aufgefunden. Wurde er ermordet? Die Folge ist ein Spiel von Intrigen, welche das Dorf aufwühlen. Es kommt zum Aufstand der Sticker, bis Licht in die Mordgeschichte kommt.

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