Steuern sparen durch Geld ausgeben

Wer 2011 eine politische Partei finanziell unterstützt hat, kann dieses Geld vom Einkommen abziehen. Das ist nur eine Möglichkeit, wie sich in letzter Sekunde vor Jahresende noch Steuern sparen lassen. Treuhänder Rolf Fischer aus Herisau hat weitere Vorschläge parat.

Roger Fuchs
Merken
Drucken
Teilen
Steuern sparen ist keine Glückssache – will man alle Abzüge geltend machen, braucht es jedoch viel Detailwissen. (Bild: Archiv)

Steuern sparen ist keine Glückssache – will man alle Abzüge geltend machen, braucht es jedoch viel Detailwissen. (Bild: Archiv)

HERISAU. Der Gedanke an die nächste Steuerrechnung steht während der Weihnachtszeit bei den meisten wohl nicht zuvorderst. Und dennoch: Sich jetzt mit Möglichkeiten zur Optimierung der Steuern zu befassen, könnte spätestens bei der nächsten Steuerrechnung weihnachtlich-freudige Gefühle aufkommen lassen. Alle Möglichkeiten, wenige Tage vor Jahresende steuerlich für 2011 noch etwas zu bewegen, stehen einem jedoch nicht mehr offen. «Für viele Optionen, die man jetzt noch ausschöpfen kann, muss man Geld ausgeben», sagt Rolf Fischer, Inhaber der Treuhandfirma FMS Consulting GmbH in Herisau.

Was Fischer damit konkret meint, verdeutlichen Beispiele: Eine Möglichkeit, das steuerbare Einkommen zu reduzieren, bieten Einzahlungen in die Säule 3a. «Diese Einzahlungen können später in der Steuererklärung 1:1 als Abzug geltend gemacht werden», sagt Fischer. Alle, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen und in eine zweite Säule einzahlen, dürfen 2011 maximal 6682 Franken in eine Säule 3a einzahlen. Bei Selbständigerwerbenden liegt diese Obergrenze bei 33 408 Franken oder bei maximal zwanzig Prozent vom AHV-pflichtigen Einkommen. Die Einzahlungen müssen aber spätestens bis am 31. Dezember bei der Bank oder Versicherung gutgeschrieben sein. Zu beachten gilt gemäss dem Treuhänder auch die Tatsache, dass seit 2008 auch Pensionierte, die weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgehen, abzugsfähige Einzahlungen in die Säule 3a leisten dürfen – Frauen bis zum 69. Altersjahr, Männer bis zum 70.

Abzugsfähige Spenden

Geld ausgeben und dadurch Steuern sparen: Dies kann man auch mittels Spenden. «Diese müssen jedoch an eine gemeinnützige Organisation fliessen und nicht einfach an irgendeinen Sportverein», so Rolf Fischer. Eine Liste aller gemeinnützigen Institutionen mit Sitz im Kanton Appenzell Ausserrhoden (es sind nahezu 100) findet sich im Internet auf der Website der kantonalen Steuerverwaltung. Abzugsfähig sind Spenden bei einer Grössenordnung von mindestens 100 Franken und maximal 10 Prozent vom Nettoeinkommen.

Ebenfalls wissenswert und angesichts des Wahljahres 2011 wohl vermehrt geflossen sind heuer Spendengelder zugunsten einer politischen Partei oder eines Kandidaten. Waren Zuwendungen an politische Parteien gemäss Fischer früher nicht abzugsfähig, so sieht dies heute anders aus. «Diese Gelder kann man ab 2011 vom Einkommen abziehen», sagt er. Bei der Bundessteuer liegt die Obergrenze bei 10 000 Franken, die Kantone legen diese individuell fest.

Eine ebenfalls noch kurzfristig einzufädelnde Steuerspar-Option steht jenen mit einer Vorsorgelücke offen – sei es, weil man einmal auf Weltreise war oder sich einem Studium gewidmet hatte. Wie gross die Vorsorgelücke ist, kann jede und jeder bei der Pensionskasse abklären lassen , hält Rolf Fischer fest. Um diese Lücke zu schliessen, seien freiwillige Zahlungen möglich. Fischer empfiehlt allerdings, höhere Beträge auf mehrere Jahre aufzuteilen und so mehrfach hintereinander von einer niedrigeren Progression zu profitieren.

Tips für 2012

So stark einem für 2011 steuerlich in den letzten Tagen die Hände gebunden sind, 2012 ist ein neues Jahr. Und da lohnt es sich, Tips des Fachmanns zu beherzigen. Beispielsweise sollte der Beginn einer länger andauernden Zahnsanierung gleich auf Januar gelegt werden, so dass bis Ende Jahr alle Teilrechnungen eingetroffen sind. Bei Krankheitskosten gilt gemäss Rolf Fischer ein Selbstbehalt von fünf Prozent vom Nettoeinkommen. «Teilt man einen Eingriff auf zwei Jahre auf, werden diese 5 Prozent eventuell nicht überschritten.»

Nebst den reinen Renovationsarbeiten an einer Liegenschaft sind auch Investitionen in Energiesparen und Umweltschutz (Wärmedämmung, Photovoltaik) interessant, die, obwohl ein Mehrwert entsteht, abzugsfähig sind.

Und für alle die einen Umzug auf ein Jahresende hin planen: Stichtag für die Berechnung der Steuern ist in der Regel der 31. Dezember. Ein Vergleich der Steuersätze in der alten und neuen Wohngemeinde und folglich die Schriften noch im alten, beziehungsweise erst im neuen Jahr zu verschieben, zahlt sich schnell einmal aus.

Beratung lohnt sich

Als Quintessenz resultiert, dass Gedanken an steuerliche Optimierungen in der Weihnachtszeit sicher keine verschwendete Zeit sind, gleich im Januar damit zu beginnen, könnte hingegen um einiges effektiver sein. Ob Weiterbildungen, Hausrenovationen, Betreuungsabzüge – die Liste an Beachtenswertem ist lang. Treuhänder wie Rolf Fischer informieren gerne.