STEUERKRAFT: Bütschwil-Ganterschwil holt auf

Auch 2016 verzeichnet die Gemeinde Lichtensteig im Toggenburger Vergleich die grösste Steuerkraft pro Einwohner. Aber Bütschwil-Ganterschwil hat den Rückstand gegenüber dem Städtli halbiert und landet auf dem zweiten Platz.

Ruben Schönenberger
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Leben hier bald die steuerkräftigsten Einwohnerinnen und Einwohner des Toggenburgs? Die Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil holt gegenüber Lichtensteig auf. (Bild: Anina Rütsche (7. September 2016))

Leben hier bald die steuerkräftigsten Einwohnerinnen und Einwohner des Toggenburgs? Die Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil holt gegenüber Lichtensteig auf. (Bild: Anina Rütsche (7. September 2016))

Die wohlhabendsten Steuerpflichtigen des Toggenburgs wohnen nach wie vor in Lichtensteig. Wie schon 2015 zeigen auch die Steuerdaten 2016, dass die Steuerkraft einer natürlichen Person im Städtli am höchsten ist. Die 1862 Franken bedeuten aber dennoch eine Einbusse. Vor Jahresfrist lag die Steuerkraft noch bei 1906 Franken. Betrachtet wird dabei die einfache Steuer, die von einem fiktiven Steuerfuss von 100 Prozent ausgeht, was einen Vergleich zwischen den Gemeinden ermöglicht.

Die Steuerkraft 2016 der Toggenburger Gemeinden im Vergleich.

Die Steuerkraft 2016 der Toggenburger Gemeinden im Vergleich.

Während Lichtensteig also ein wenig an Steuerkraft eingebüsst hat, konnte die Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil bedeutend zulegen. Der Anstieg von 1692 auf 1759 Franken bedeuten ein Plus von beinahe vier Prozent. Dank diesem Anstieg konnte die Gemeinde den zweiten Platz übernehmen. Auf diesem war vor Jahresfrist noch Wildhaus-Alt St. Johann zu finden. Die Obertoggenburger Gemeinde musste jedoch einen Rückgang von 1783 auf 1743 Franken hinnehmen und liegt neu auf dem dritten Platz.


Neckertal gibt letzten Platz wieder ab

Auch am Ende der Rangliste hat sich etwas getan. Die Gemeinde Neckertal, die sich per Ende 2015 von der Gemeinde Hemberg überholen lassen musste, konnte nun wieder an der kleinsten ­Gemeinde des Thur- und Neckertals vorbeiziehen. Dies schaffte sie einerseits mit einem Anstieg der Steuerkraft um rund drei Prozent. Andererseits trug auch der erhebliche Verlust Hembergs dazu bei – die Gemeinde verlor rund zwölf Prozent. Damit ist Hemberg nach einem Zwischenhoch wieder auf dem Niveau angelangt, das die Gemeinde ­bereits 2013 erreicht hatte.

Im kantonsweiten Vergleich müssen jedoch alle Gemeinden des Thur- und Neckertals Federn lassen. Selbst Lichtensteig liegt bloss auf Rang 36 der 77 Gemeinden und unter dem kantonalen Durchschnitt von 2047 Franken. Das war in der Vergangenheit auch schon anders, insbesondere in den Neunzigerjahren (siehe Zweittext). Heute ist das Städtli die einzige Gemeinde, die in der oberen Hälfte der Kantonsrangliste liegt. Mit Mosnang (1484 Franken), Neckertal (1403 Franken) und Hemberg (1199 Franken) besetzen Toggenburger Gemeinden drei der letzten fünf Plätze.

1996 war Lichtensteig die steuerstärkste Gemeinde des Kantons

Die Auswertung vieler Daten kann verwirrend sein. Insbesondere auf den ersten Blick zeigt sich nicht immer das relevante Bild. Das Problem verschärft sich, sobald ganze Zeitreihen zu analysieren sind. Bei der Betrachtung der Steuerdaten für den obigen Artikel zeigte sich dies exemplarisch. Für jedes der letzten 30 Jahre und für jede der zwölf Gemeinden lag ein Wert vor.

In solchen Fällen hilft oft eine grafische Darstellung. In diesem Fall zeigt sie nämlich, dass die Steuerkraft seit Ende der Achtziger Jahre in allen Gemeinden eine ähnliche Entwicklung an den Tag legt. In allen Gemeinden ausser in Lichtensteig. Der stetige Anstieg in den anderen Gemeinden – unterbrochen zwar von einzelnen kleineren Rückschlägen, aber dennoch konstant – ist in Lichtensteig nicht zu beobachten. Viel eher startet die Gemeinde bereits auf einem höheren Niveau und legt dann auch noch überdurchschnittlich zu. Insbesondere 1996 scheint ein interessantes Jahr zu sein. Die Steuerkraft steigt noch einmal bedeutend. Sie beträgt in diesem Jahr 3277 Franken. Schon im Jahr darauf ist der Wert aber wieder unter 2000 Franken. Über die kommenden Jahre gleicht sich das Städtli nach und nach den anderen Toggenburger Gemeinden an, ohne aber die Spitzenposition je abgeben zu müssen. Wie sich dieser Ausreisser erklären lässt, ist nicht zweifelsfrei festzustellen.

Fakt ist: In den Jahren bis 1996 und insbesondere in ebendiesem sind die Einwohner Lichtensteigs im Durchschnitt wohlhabender. Vermutlich liegt auch genau darin die Erklärung, im Durchschnitt. Je kleiner die Gesamtmenge, desto eher führen einzelne Ausreisser zu einem merklich anderen Resultat. Oder in diesem Fall: Wenn unter den rund 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern Lichtensteigs damals nur wenige sehr vermögende waren, kann das den Ausschlag schon erklären. Natürlich müssen diese insbesondere 1996 ein aussergewöhnliches hohes Einkommen gehabt haben. Möglich wäre beispielsweise ein einträglicher Firmenverkauf. 1996 verkauften die Gebrüder Kägi ihre Firma an die Valora Holding AG. Dass das der Grund für den statistischen Ausschlag sein dürfte, zeigt die Lichtensteiger Gemeindeversammlung vom 14. April 1997. Im «Toggenburger» wurde dazu zwei Tage später vermerkt: «Die Einkommens- und Vermögenssteuern ergaben gegenüber dem Budget einen Mehrertrag von 187300 Franken und die Steuereinzugs-Provision für die Bundesverwaltung hat ebenfalls einen Mehrertrag gebracht. Dieser ist auf den Bezug von einmaligen Liquidations-Gewinnsteuern aus dem Verkauf der Firma Kägi zurückzuführen.»

Das Jahr 1996 war für Lichtensteig aber nicht nur im Toggenburger Vergleich aussergewöhnlich. Der «Toggenburger» titelte am 24. Juli 1997 Bezug nehmend auf den ganzen Kanton St. Gallen gar: «Lichtensteig steuerstärkste Gemeinde».