In der Reformierten Kirchgemeinde in Herisau ist eine Steuererhöhung wohl unumgänglich

Die Mitglieder der Reformierten Kirchgemeinde Herisau entscheiden Ende November über Budget und Pfarrwahl. Sorgen bereiten die finanziellen Aussichten: Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben öffne sich immer mehr, so die Verantwortlichen.

Lukas Pfiffner
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Die Reformierte Kirche Herisau: Auch die Finanzen müssen aufgefrischt werden.

Die Reformierte Kirche Herisau: Auch die Finanzen müssen aufgefrischt werden.

Bild: PF

Der Voranschlag 2021 der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Herisau rechnet mit einem Verlust von rund 122000 Franken. Der Finanzplan für die folgenden drei Jahre sieht noch grössere Ausgabenüberschüsse vor: ungefähr 215000 Franken, 232000 Franken und 245000 Franken. Im Edikt zur Budgetabstimmung von Ende November ist zu lesen: «Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben öffnet sich immer mehr.»

Die Kirchenvorsteherschaft (Kivo) empfiehlt den Mitgliedern die Annahme des Budgets. Die Negativentwicklung habe sich wegen geringer werdender Steuereinnahmen abgezeichnet, sagt Uschi Hofmänner, Präsidentin der Kivo. «Wir haben uns intensiv mit diesem Thema beschäftigt, verfügen aber noch über genug flüssige Mittel. Allerdings müssen wir die Einnahmen in absehbarer Zeit vergrössern.» Eine Steuererhöhung in einem Jahr hält sie deshalb für alternativlos. «Wir haben seit 30 Jahren den gleichen Steuerfuss und mit 0,5 Einheiten den zweittiefsten Wert im Kanton.»

Mehr als die Hälfte des Gesamtaufwands für das kommende Jahr (rund 2,17 Millionen Franken) betrifft die Personalkosten. «Wir wollen eine lebendige, attraktive Kirchgemeinde sein. Dies geht nicht ohne aktive und fähige Mitarbeitende mit entsprechenden Kosten.»

«Wir brauchen diese Zeit»

Nebst dem Budget muss auch über die Wahl der Pfarrerin Johanna Spittler befunden werden. Die Kivo möchte sie mit einem Pensum von 80 Prozent und befristet auf drei Jahre beschäftigen. Kann sich die Gemeinde diese Anstellung angesichts der finanziellen Situation leisten? Natürlich sei die Frage legitim, sagt Uschi Hofmänner. «Aber wir brauchen diese Zeit, wollen einen Schnellschluss verhindern.» Nach der Kündigung von Pfarrer Frank Wessler habe man sich überlegt, ob eine Pensenreduktion angebracht und sinnvoll sei. «Allerdings lässt sich das Defizit dadurch nicht auffangen.» Zudem müsse die Kirchenvorsteherschaft respektive eine Arbeitsgruppe die zukünftigen pastoralen Dienste grundsätzlich überprüfen – immer vor dem Hintergrund, dass parallel die Verhandlungen mit drei umliegenden Kirchgemeinden geführt werden: Das Projekt «Kirchenpark Appenzeller Hinterland» sieht eine Zusammenarbeit zwischen Herisau, Schönengrund, Schwellbrunn und Waldstatt vor.

«Spätberufene» zur Wahl

Stellt sich zur Wahl: Pfarrerin Johanna Spittler.

Stellt sich zur Wahl: Pfarrerin Johanna Spittler.

Bild: PD

Rund 5200 Mitglieder hat die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Herisau, mit 330 Stellenprozenten für die Pfarrpersonen liege Herisau aktuell «in der Mitte der Empfehlungen der Landeskirche, weder deutlich darunter noch deutlich darüber», erklärt die Kivo-Präsidentin. Johanna Spittler, die sich Ende November zur Wahl stellt, ist 61 Jahre alt, stammt aus Süddeutschland und bezeichnet sich als «Spätberufene» mit dem Beginn des Theologiestudiums im Alter von 42 Jahren. Sie war zuletzt Pfarrerin in der Region Bern respektive im Kanton Aargau. «Das Stellenprofil mit den Schwerpunkten Diakonie, Seelsorge und Unterricht sowie die vielseitigen Aktivitäten der Gemeinde haben mich angesprochen», teilt sie im Abstimmungsedikt mit. Die Informationsveranstaltung vom 12. November ist wegen Corona abgesagt worden. Auskünfte zum Voranschlag und zum Wahlvorschlag der Kirchenvorsteherschaft können telefonisch und schriftlich im Sekretariat eingeholt werden. Zudem ist als Premiere auf der Website ein Link eingerichtet. «Über diesen können unsere Mitglieder Kommentare und Fragen einreichen», sagt Uschi Hofmänner.

Die Abstimmungsurne beim Kirchgemeindehaus ist am Samstag, 28. November, von 10.30 Uhr bis 11.30 Uhr und am Sonntag, 29. November, von 8.15 Uhr bis 11 Uhr aufgestellt. Zudem ist es möglich, brieflich abzustimmen.

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