Sternekoch kämpft mit Lieferservice gegen die Coronakrise an

Tobias Funke vom Gasthaus zur Fernsicht in Heiden bietet neu einen Take-away und Lieferdienst. Ein Teil seiner Mitarbeiter hilft derweil im Spital und in der Landwirtschaft aus.

Karin Erni
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Tobias Funke liefert neu auch Essen nach Hause.

Tobias Funke liefert neu auch Essen nach Hause.

Bild: PD

Freud und Leid liegen manchmal nah beisammen. Vor einigen Wochen hat Spitzenkoch Tobias Funke vom Gourmetrestaurant Incantare in Heiden den zweiten Michelin-Stern verliehen bekommen. Doch schon bald darauf musste das Restaurant und auch die anderen beiden Betriebe der «Fernsicht» wegen der Coronavorschriften geschlossen bleiben.

Funke und seine Crew liegen deswegen aber nicht auf der faulen Haut. Ein Teil der fast 40 Mitarbeiter stellt sich in nächster Zeit für das Spital Heiden als Helfer in Küche und Service zur Verfügung oder hilft bei denjenigen Produzenten aus, die derzeit zu wenige Erntehelfer haben. Der Chef hat derweil einen Take-away der besonderen Art aufgezogen. «Ich möchte, dass sich die Leute auch in der Krise mit einem feinen Essen verwöhnen können», erklärt er seine Motivation. «Wir kochen wie gewohnt mit Produkten bester Herkunft.» Auch die Hygiene nimmt einen wichtigen Stellenwert ein.

«Hygiene ist immer sehr wichtig, aber in der aktuellen Zeit muss jegliches Ansteckungsrisiko vermeiden werden. Die Abläufe in der Küche und bei der Verpackung wurden entsprechend optimiert.»

Umweltfreundliche Lieferungen

Bis jetzt hätten vor allem Stammgäste bestellt, so Funke. «Doch die Bestellungen sind stark steigend, das Angebot spricht sich also bereits herum.» Die Gerichte können online bestellt, bezahlt und am nächsten Tag abgeholt werden. Dafür wurde der Eingangsbereich des Restaurants entsprechend den Vorschriften umgerüstet und bei der Essensausgabe eine Plexiglaswand angebracht. Das Team liefert die Gerichte aber auch in einem Umkreis von 25 Fahrminuten aus. «Meine Mitarbeiter wohnen an verschiedenen Orten im Appenzellerland oder in der Stadt St.Gallen und übernehmen dort persönlich die Auslieferung. Das schont die Umwelt», so der Koch.

Erhältlich sind einige beliebte Klassiker aus dem «Swiss Alpine Restaurant» sowie diverse Vorspeisen und Desserts. Zusätzlich bietet Tobias Funke ein Thai-Curry an, das normal nicht auf der Karte steht. «Meine Mitarbeiter waren begeistert davon, die Gäste werden es auch sein», ist er überzeugt. Für Abwechslung ist gesorgt, die Karte wechselt jede Woche. Den passenden Wein oder einen hausgemachten Cocktail gibt’s zu günstigen Preisen dazu.

Gourmetmenus wären zu komplex

Das Angebot habe er so zusammengestellt, dass die Qualität auch beim Aufwärmen zu Hause erhalten bleibt. In maximal fünf Minuten können die Speisen auf den Tisch gebracht werden. Bei jedem Menu liegt eine genaue Anleitung bei. Bis die Gäste die Sterneküche von Tobias Funke wieder geniessen können, werden sie indes noch etwas warten müssen. «Solche Gerichte sind zu komplex für einen Take-away. Dafür braucht es Profis, die seit Jahren auf einem solchen Level kochen.»