Vorderland
Unvergessenes Fasnachtsoriginal Klara Bischof: Sterben war ihre Lieblingsbeschäftigung

Coronabedingt finden heuer keine närrischen Anlässe statt. Anders in früheren Zeiten. Unvergessen bleibt dabei die Gruberin Klara Bischof, die als leidenschaftliche Fasnächtlerin und mit ihrem Spruch «Sterben ist meine Lieblingsbeschäftigung» Berühmtheit erlangte.

Peter Eggenberger
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Klara Bischof alias «Deckers Klara» wurde ihrem Ruf als Original jeweils während der Fasnachtszeit vollends gerecht.

Klara Bischof alias «Deckers Klara» wurde ihrem Ruf als Original jeweils während der Fasnachtszeit vollends gerecht.

Bildreproduktion: PE

Deckers Klara war ein weit über die Region hinaus bekanntes Original. Richtig hiess das 1859 geborene Jüngferchen mit dem bogennasigen Chasperligesicht und den pfiffigen Äuglein Klara Bischof. Weil Klaras Vater das ehrsame Dachdeckerhandwerk ausübte, wurde seine Tochter «Deckers Klara» genannt. Ganz besonders blühte die ledig gebliebene Frau jeweils in der Fasnachtszeit auf. Dann sprengten ihre Scherze oft den Rahmen des Üblichen und sorgten während Wochen für Gesprächsstoff.

Stifterin der Fünfländerblick-Kapelle

In ihrer Jugendzeit war Klara ein kränkliches Kind. Es wird erzählt, dass sie anlässlich einer Pilgerreise nach Lourdes gesund geworden sei. Nach diesem Heilwunder gelobte die junge Frau, in ihrer Heimat eine Kapelle zu stiften. Auf dem Fünfländerblick konnte sie ein Plätzchen erwerben, wo schliesslich im Jahre 1892 die noch heute an «Deckers Klara» erinnernde Lourdeskapelle feierlich eingeweiht wurde.

Den Lebensunterhalt verdiente Klara Bischof mit Einrahmungen, Handarbeiten und der Anfertigung schöner Papierblumen für Viehprämierungen und andere Feste. Ihre Freude aber galt den Anlässen im Dorf. Überall war sie dabei, schwang mit Feuereifer das Tanzbein und liess fast im Minutentakt ihre Jauchzer erschallen. In der Fasnachtszeit wurde sie ihrem Ruf als Original vollends gerecht. Es war an einem der Tage um den Schmutzigen Donnerstag herum, als es an der Türe des Schulzimmers der Oberschüler vernehmlich klopfte. Als der Lehrer nachschaute, stand der ultimativ Einlass begehrende Herr Schulinspektor in schwarzem Frack, weisser Weste und glänzendem Zylinder vor der Türe. Zur Freude der Schüler entpuppte sich der hohe Besuch als «Deckers Klara», die augenblicklich und mit Nachdruck einen schulfreien Nachmittag anordnete.

Am eigenen Totenmahl dabei

Die von ihr inszenierten Belustigungen waren aber oft auch makaber, und immer wieder erklärte die humorvolle Frau, dass das Sterben ihre Lieblingsbeschäftigung sei. An ihrem 90. Geburtstag lud sie zwölf nahe Verwandte zu ihrem eigenen Leichenmahl in die Wirtschaft Vaterland ein mit der Begründung, sie wolle schliesslich vom feinen Essen mitprofitieren. Der Schreck fuhr den zum gedeckten Tisch tretenden Trauergästen tüchtig in die Glieder, als ihnen auf einer mächtigen Torte ein fürchterlicher Totenkopf aus Marzipan entgegengrinste. Und als der Deckel des auf zwei Stühlen lagernden Sarges zu Boden polterte und Klara herauskletterte, verschlug es allen vollends die Sprache. Es war dann der reichlich genossene Trauerwein, der die ausgesprochen frostige Atmosphäre einer überaus heiteren Stimmung weichen liess. Zu Handorgelklängen walzerte Klara Bischof lachend durch das Säli, und mehrmals wurde ihr von Jauchzern begleitetes Lieblingslied «O du lieber Augustin» gesungen.

Der von allen geliebten Frau waren noch weitere Lebensjahre voller Ulk und Fröhlichkeit vergönnt, und auf den Tod angesprochen erklärte sie regelmässig: «Ich warte mit Sterben, bis in unserem Dorf endlich ein schöner Mann als Totengräber seines Amtes waltet.» Im Jahre 1953 aber erkrankte Klara ernsthaft, und nach kurzer Leidenszeit verstarb die originelle Fasnächtlerin im hohen Alter von fast 95 Jahren.