STEIN: Von Wäsche zu Pullovern

Das Appenzeller Volkskunde-Museum thematisiert ab April anhand alter Inserate Berufe der Textilindustrie. Eine besondere Geschichte ist die der Walter Knoepfel Tricotage.

Mirjam Bächtold
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Mirjam Bächtold

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Der Stoff der zwei Unterhemden ist vergilbt, doch man kann erahnen, dass er einmal weiss war. Es sind die ersten zwei Unterhemden, die 1888 in der Walter Knoepfel Tricotage in Teufen maschinell gestrickt wurden. Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Strickmaschinen auf und Jean Knoepfel-Zürcher war einer der ersten in der Schweiz, der mit solchen Maschinen produzierte.

Die Unterhemden werden als Ausstellungsstücke ab April im Appenzeller Volkskunde-Museum in Stein zu sehen sein. Die Sonderausstellung widmet sich Berufen in der Textilindustrie. «Die Firma Walter Knoepfel Tricotage ist dafür ein gutes Beispiel», sagt Ursula Karbacher, Kuratorin der Ausstellung.

Skipullover für ein Bond-Girl

Heute gibt es die Strickerei nicht mehr. Walter Knoepfel-Reifler, der Enkel des Firmengründers, ist selbst 99 Jahre alt. Er hat die Firma 1985 an Samuel Eugster übergeben, der bis zuletzt Geschäftsführer war. Samuel Eugster hatte nach einer kaufmännischen Ausbildung die Textilfachschule in Wattwil absolviert und trat 1974 als Textiltechniker in die Strickerei ein. Damals kamen die ersten elektronisch gesteuerten Flachstrickmaschinen auf den Markt und die Firma war bekannt für modische Strickpullover. Angefangen hatte Jean Knoepfel-Zürcher Ende des 19. Jahrhunderts aber mit Tricot-Unterwäsche, die damals die Frauen vom Korsett befreite. 1918 übernahm Walter Knoepfel-Bruderer den Betrieb und erweiterte das Sortiment durch Trainingsanzüge und später auch Pullover. 1946 übernahm Walter Knoepfel-Reifler das Geschäft als Enkel des Firmengründers. In den 1950er-Jahren waren die Skipullover aus der Walter Knoepfel Tricotage sehr populär. Die Schweizer Ski-Nationalmannschaft trug 1956 zu den Olympischen Winterspielen in Italien Skipullover von Walter Knoepfel. Auch ein Bond-Girl hat einen Pullover aus der Strickerei getragen. In welchem Film, ist nicht überliefert. Nach Recherchen lässt sich aber annehmen, dass es Diana Rigg in «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» war.

Konkurrenz aus dem Osten

Ab 1970 wurden die Skipullover nach und nach von wattierten Skianzügen verdrängt. Die Strickerei spezialisierte sich auf modische Pullover und gründete 1980 das Label «arco verde», eine Strickkollektion aus naturbelassenen, ungefärbten Garnen. Eine negative Wende erlebte das Unternehmen, als 1989 die Grenze zum Ostblock fiel. Die Arbeitsplätze in der Schweiz waren bedroht durch Importe aus den ­Billiglohnländern. Damals war bereits Samuel Eugster Geschäftsführer der Walter Knoepfel AG. «Ich erinnere mich, dass plötzlich viele Strickunternehmer aus Polen, Ungarn und der damaligen Tschechoslowakei zu mir kamen und mich um Muster baten. Sie boten mir an, in ihren Firmen dieselbe Arbeit für eine Deutsche Mark in der Stunde zu erledigen.» Die Strickerei lebte damals zu 70 Prozent vom Export, die Preise waren im Ausland plötzlich viel zu hoch. «Ich musste mir etwas überlegen», sagt Eugster. «Es hiess, entweder zu schliessen oder mit einer neuen Idee aufzuwarten.» Seine neue Idee führte Samuel Eugster nach China. 1994 baute er in Suzhou eine Produktionsstätte auf. Dort wurden zunächst Seiden- und Cashmerepullover produziert, später auch Wollpullover.

Die Produktion in China lief immer besser, was zur Folge hatte, dass jene in Teufen 1997 eingestellt wurde. Das Firmengebäude diente noch als Lager und Logistikzentrum, das Design wurde hier entwickelt und der Verkauf von hier aus gesteuert. Aus der Walter Knoepfel AG wurde die Tutto Maglia AG. 1999 verkaufte Samuel Eugster die Firma an die Akris AG in St. Gallen, zu der sie heute noch gehört. In Teufen befindet sich noch der Fabrikladen der Tutto Maglia AG. Heute erinnern vor allem Geschichtsbücher und Museen an die einst florierende Textilindustrie der Ostschweiz. Ab April zeigen acht Museen in der Ostschweiz die gemeinsame Sonderausstellung «iigfädlet». Die Ausstellung im Appenzeller Volkskunde-Museum in Stein ist ein Teil davon.