STEIN: Direktverbindung droht das Ende

Die Postautolinie zwischen Herisau und St.Gallen soll verkürzt werden. Demnach müssten die Fahrgäste in der Lustmühle auf die Appenzeller Bahn umsteigen. Gegen die Pläne macht sich Unmut breit.

Jesko Calderara
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In der Lustmühle könnte ein Wendeplatz für Postautos entstehen. Die Passagiere müssten dann auf die Bahn umsteigen. (Bild: Alessia Pagani)

In der Lustmühle könnte ein Wendeplatz für Postautos entstehen. Die Passagiere müssten dann auf die Bahn umsteigen. (Bild: Alessia Pagani)

STEIN. In ihrem Internetauftritt betont Stein die Bedeutung direkter ÖV-Verbindungen nach St.Gallen. Diesen Standortvorteil könnte die Hinterländer Gemeinde jedoch mittelfristig verlieren. Im Rahmen des Agglomerationsprogramms St.Gallen-Bodensee haben die Verantwortlichen eine Linienführung geprüft, wonach die Postautos von Herisau über Stein nur noch bis zur Lustmühle und nicht mehr wie heute nach St.Gallen fahren würden. Die Fahrgäste müssten dann auf die Appenzeller Bahn umsteigen. «Dadurch dürfen aber keine unnötigen Wartezeiten entstehen», sagte Oliver Engler, Leiter der Fachstelle Verkehr AR, am Dienstagabend den rund 80 Anwesenden am «Steintreff» im Aktivraum der Schule Stein.

Oliver Engler, Leiter Fachstelle ÖV AR. (Bild: Jesko Calderara)

Oliver Engler, Leiter Fachstelle ÖV AR. (Bild: Jesko Calderara)

Durch die Verkürzung der Postautostrecke sinkt die Fahrzeit auf unter 30 Minuten. Damit könne die Linie mit einem Fahrzeug und weniger Personal bedient werden, sagte Engler. Handlungsbedarf gibt es noch aus anderen Gründen. So sind heute die Anschlüsse in St.Gallen und Herisau nicht optimal. Zudem könne mit der Umsteigelösung der Fahrplan besser eingehalten werden, weil das Stau-Nadelöhr Riethüsli wegfallen würde, gab Engler zu bedenken.

Entscheidung bis spätestens 2019

Im ÖV-Konzept 2018 bis 2022, das demnächst in die Vernehmlassung geht, ändert sich an der Postautoverbindung zwischen Herisau und St.Gallen nichts. Wann und ob die angedachten Neuerungen kommen, ist noch offen. Eine Entscheidung dürfte bis spätestens 2019 fallen. Noch fehlen laut Oliver Engler die Voraussetzungen für einen effizienten Betrieb. «Die geplante Kreuzungsstelle im Güterbahnhof wird erst Ende 2021 fertig sein.» Die Anbindung der Postautolinie Herisau–St.Gallen an die Appenzeller Bahn sei somit frühestens 2022 möglich, sagte der Leiter der Fachstelle öffentlicher Verkehr AR. Eine weitere Voraussetzung ist der Bau eines Wendeplatzes für Postautos in der Lustmühle. Das entsprechende Projekt ist im Agglomerationsprogramm St.Gallen-Bodensee der 2. Generation enthalten.

In Stein regt sich Widerstand gegen eine Änderung der Linienführung. Dies zeigte sich in der anschliessenden Diskussionsrunde. Mehrere der Anwesenden kritisierten die angestrebten Veränderungen. Sie bezeichneten die Lösung als «massiven Rückschritt» und «Abbau». Der öffentliche Verkehr verliere so an Attraktivität, sagte ein Redner. Das Umsteigen in der Lustmühle beispielsweise mit Gepäck wäre mühsam, bemängelte ein anderer Einwohner.

Gemeinderat Stein für Direktverbindungen

Ungefähr 75 Prozent der Postautonutzer aus Stein fahren nach St.Gallen. Aus diesem Grund will sich die Gemeinde weiterhin für Direktverbindungen in die Stadt einsetzen. «Alles andere ist ein Attraktivitätsverlust», sagte Gemeindepräsident Siegfried Dörig. Er weist auf die Folgen eines Umstiegs in der Lustmühle hin. Speziell für behinderte Menschen oder in der Nacht wäre dieser Schritt ein Nachteil. Auch mit den geplanten Pförtneranlagen auf dem Stadtgebiet gebe es etwa mit separaten Busspuren Möglichkeiten, dass die Postautos ohne grosse Verzögerungen verkehren könnten, so Dörig.

Der Gemeinderat Stein beabsichtigt, bei der Regio Appenzell AR – St.Gallen – Bodensee und beim Kanton vorstellig zu werden, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen.

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