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STEIN: «Da schleckt ä kei Geiss weg»

Die Toggenburger Alpgenossenschaften haben das Denken des Reformators Ulrich Zwingli geprägt. Zu diesem Schluss kommt «Reformationsbotschafter» Christoph Sigrist.
Die Zithergruppe Wattwil, (von links) Rösli Forrer, Fridi Forrer, Rösli Wälle und Anni Raschle, sorgte für den musikalischen Rahmen. (Bild: PD)

Die Zithergruppe Wattwil, (von links) Rösli Forrer, Fridi Forrer, Rösli Wälle und Anni Raschle, sorgte für den musikalischen Rahmen. (Bild: PD)

Am vergangenen Freitag fand in Stein ein Erwachsenenbildungsabend statt. Er wurde von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Nesslau organisiert. Pfarrer Christoph Sigrist widmete sich der Frage: Was haben Toggenburger Alpgenossenschaften und Reformation in Zürich miteinander zu tun?

Der Abend hatte beinahe etwas Familiäres. Das lag nicht nur an der musikalischen Gestaltung des Abends durch Steiner Sonntagsschüler und der Zithergruppe. Auch der feine Ziehler-Apéro war dafür nicht allein verantwortlich. Es hatte vielmehr mit der Beziehung des geladenen Referenten zu Stein zu tun. Es schien, als besuche da einer seine Familie. Dies rührt daher, dass Grossmünsterpfarrer und «Reformationsbotschafter» Christoph Sigrist vor bald 30 Jahren in Stein seine erste Pfarrstelle angetreten hatte. Zur familiären Atmosphäre trug zudem seine lebendige und anekdotenreiche Erzählkunst bei.

Verbindung von Reformation und Alpleben

Für Christoph Sigrist steht fest, dass die Toggenburger Alpwirtschaft das Denken des Reformators Ulrich Zwingli entscheidend prägte. So wurzelt der genossenschaftliche Zug des Reformationswerks Zwinglis im Wesen der Toggenburger Alpwirtschaft. Der Reformator wuchs in einer Gemeinschaft auf, die sich nach dem Genossenschaftsmodell organisierte. Im Wesentlichen bedeutete dies, dass die einzelnen Glieder das Zusammenleben miteinander ausknobelten. Dadurch entstand eine Solidargemeinschaft. Aus dieser verfolgte Christoph Sigrist drei Linien: 1. Partizipation: Jeder Mann, der eine Geiss hatte, konnte mitreden. Daher die Redewendung: «Da schleckt ä kei Geiss weg», 2. Präsenz vor Ort: Der Hauptbahnhof Zürich sei zwar der Treffpunkt der Massen, doch Begegnungen kämen kaum zustande. Die meisten Menschen starrten in ihre Smartphones, und 3. Grenze offen oder geschlossen: Eindeutigkeit und Verlässlichkeit war und ist in einer kleinteiligen und miteinander verwobenen Gemeinschaft überlebenswichtig. Die Verbindung von Alpleben und Reformation wurde Christoph Sigrist besonders in Zwinglis Brauch des Nachtmahls bewusst. In seinem schlichten Gebrauch von hölzernen Bechern und Tellern statt teurem Gold- und Silbergeschirr fühlt sich der «Reformationsbotschafter» an ein Erlebnis auf der Alp im Jahr 1989 erinnert. Die Löffel waren noch aus Holz, die alten Holzteller noch in Gebrauch, und als es draussen stürmte und wetterte, fand man zusammen und wartete gemeinsam ab. In Zwinglis Gebrauch des Nachtmahls stehe dasselbe im Zentrum: Zusammenstehen; Lebensgrundlagen teilen, gerade wenn es stürmt und wettert; und sich daraufhin wieder frisch ans Werk setzen.

Gedanken an Versöhnung

Christoph Sigrist erzählte ausserdem vom Verlauf der Zürcher Reformation und räumte mit verschiedenen Vorurteilen auf. So etwa mit der Meinung Zwingli sei ein Verächter der Musik gewesen oder ein Lüstling oder ein Treiber der Täufer-Verfolgung. Schliesslich führte der «Reformationsbotschafter» an, dass Zwingli zwar auf dem Schlachtfeld gefallen sei, dass der Kern seines Reformationswerks allerdings auf dem Gedanken der Versöhnung beruhe. Was sich gerade am genossenschaftlichen Denken zeige, das auf Offenheit, Präsenz und Aufrichtigkeit fusst.

Im Anschluss an seinen Vortrag bedankte sich Pfarrer Christoph Sigrist bei den rund hundert Beteiligten, den Hörern und Hörerinnen. Der Abend schloss in trauter Runde und in manchem angeregten Gespräch. (pd)

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