STEIN: Als Autodidakt zum Gärtner

Markus Wagner ist selbstständiger Landschaftsgärtner und beschäftigt sieben Mitarbeiter. Zu seinem Traumberuf kam er über Umwege. Ein grosses Anliegen ist ihm das Lehrlingswesen.

Jesko Calderara
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Andrea Ehrbar schreckt vor körperlicher Arbeit auf dem Bau nicht zurück.

Andrea Ehrbar schreckt vor körperlicher Arbeit auf dem Bau nicht zurück.

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch

Der gepflegte Naturgarten vor seinem renovierten Bauernhaus in Stein lässt es unschwer erahnen. Markus Wagner arbeitet seit 35 Jahren als selbständiger Landschaftsgärtner. Heute beschäftigt er sieben Mitarbeitende, wovon zwei Lernende sind. «Ich bin ein naturverbundener Mensch», sagt er. Es bereite ihm Freude, eine schöne Umgebung zu gestalten.

Wagner blickt auf einen aussergewöhnlichen beruflichen Werdegang zurück. Ursprünglich machte er eine Lehre als Mechaniker. Bei seinem späteren Arbeitgeber, der Stiftung Columban in Urnäsch, kümmerte er sich aber vor allem um den Garten. Er habe sich dann im Selbststudium viel Wissen über das Gärtnern angeeignet, sagt Wagner. Als sein Sohn ebenfalls diesen Beruf lernen wollte, holte er nach einer eineinhalbjährigen Berufsschulzeit den Lehrabschluss nach. Später absolvierte Wagner Weiterbildungen zum Obergärtner und Gärtnermeister.

Schwierige Suche nach Lernenden

Das Steiner Gartenbauunternehmen bietet verschiedene Dienstleistungen an. Dazu gehört die Gestaltung von Trockenmauern, Biotopen und Naturgärten. Auch werden Spielplätze und Mauern realisiert. Der Arbeitsaufwand hängt von der Jahreszeit ab und richtet sich nach dem Zyklus der Natur. Während der Wintermonate, wenn die Gärten ruhen, fällt Wagner mit seinem Team unter anderem Bäume. «Diese Zeit nutze ich auch zur Ausbildung der Lernenden.» Zudem würden sie Servicearbeiten am Maschinenpark durchführen. Pro Jahr will Wagner einen Lernenden einstellen. Allerdings sei es nicht einfach, geeignete Kandidaten zu finden. Obschon ausgebildete Landschaftsgärtner gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Bei Schulabgängern achtet Wagner weniger auf die Noten im Zeugnis. Seiner Ansicht nach sind vor allem der Wille zum Lernen, soziale Kompetenzen und die Freude an Pflanzen wichtige Voraussetzungen. Ferner sollten die Berufseinsteiger körperlich robust sein, denn draussen gearbeitet wird bei jedem Wetter.

Markus Wagner setzt sich noch anderweitig für den Berufsnachwuchs ein. So unterrichtet er bei den angehenden Obergärtnern am Berufs- und Weiterbildungszentrum Rorschach-Rheintal Gartenpflege. Ferner engagiert er sich im Vorstand von Jardin Suisse Ostschweiz, der Regionalsektion des Branchenverbandes. Dort betreut er das Ressort Lehrlingswesen. «Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie die Lehre attraktiver gemacht werden kann.» Der Hebel angesetzt werden soll bei den Berufsbildnern, welche Schulabgänger beraten. Auch will der Verband direkt mit Oberstufenschülern in Kontakt kommen, um für die verschiedenen Berufe im Bereich Garten zu werben. Wagner gehört zudem dem Expertenteam an, das die Lehrabschlussprüfung der Landschaftsgärtner plant. Teil dieser Tätigkeit ist die Aufgabenstellung. Dadurch habe er immer aktuelle Einblicke, welche Leistungen von Lernenden gefordert werden, sagt Wagner. «Das wirkt sich positiv auf die Ausbildung in meinem Betrieb aus.»