Starke Mobilisierung neuer Wähler

TOGGENBURG. Nach der Wahl ist vor der Wahl. In diesem Fall in rund einem halben Jahr, denn im Frühling 2016 wählt der Kanton St. Gallen sein Parlament. Wenn man von den Ergebnissen der Nationalratswahl im Toggenburg ausgeht, gibt es einige Veränderungen.

Martin Knoepfel
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Nach der Wahl ist vor der Wahl, besonders für den Kanton St. Gallen, wo im Frühling 2016 der Kantonsrat neugewählt wird. Da stellt sich die Frage, wie die Ergebnisse im Wahlkreis Toggenburg aussähen, wenn man ihnen die Stimmen, die die Parteien bei den Nationalratswahlen vom 18. Oktober erzielt haben, zugrunde legt.

2012 wenig Listenverbindungen

Für die Berechnung wurden die Stimmenanteile der BDP, CVP, EDU, EVP, FDP, GLP, SP und SVP sowie der Grünen berücksichtigt, jeweils ohne die Jungparteien. Ferner geht die Berechnung davon aus, dass es keine Listenverbindungen im Wahlkreis gibt. Bei den Kantonsratswahlen 2012 haben sich im Toggenburg nur die Listen von FDP und Junger FDP sowie von SVP und JSVP verbunden. Die übrigen Parteien kämpften allein.

Wenn sich nun die Wähler im nächsten Frühling gleich verhalten wie am 18. Oktober, werden die Vertreter von CVP und FDP lange Gesichter machen. Diese beiden Parteien verlieren gemäss dieser Berechnung je ein Mandat. Dafür stellt die SVP neu ein halbes Dutzend Kantonsräte. Bisher sind es deren vier. Die SP verteidigt ihr einziges Mandat sicher.

Die GP, die GLP, die EVP, die EDU und die BDP sind erwartungsgemäss zu schwach, um im Toggenburg aus eigener Kraft ein Mandat zu erringen. Drei Mandate sind in dieser Rechnung Restmandate. Sie gehen an die FDP (eines) und die SVP (zwei).

Anders sieht die Sitzverteilung aus, wenn man sowohl von den Stimmenzahlen als auch von den Listenverbindungen bei der Nationalratswahl vom 18. Oktober ausgeht. Die SP und die Grünen spannten für den Nationalrat zusammen, ebenso die SVP und die EDU. Ferner gingen die BDP, die CVP und die EVP eine Listenverbindung ein. Die Jungparteien werden weggelassen, ebenso Listen wie die Umweltfreisinnigen oder die Piraten, die im Toggenburg bei den Kantonsratswahlen wohl nicht antreten werden.

Bei diesem Szenario entfallen fünf Sitze auf die Listengruppe bestehend aus SVP und EDU. Alle fünf kommen der SVP zugute. Die Listengruppe mit der BDP, der CVP und der EVP erhält drei Kantonsratssitze, davon ein Restmandat. Die drei Sitze gehen alle an die CVP. Die Listengruppe Grüne-SP gewinnt in diesem Szenario zwei Sitze (plus ein Mandat). Der zweite Sitz – zugleich das zweite Restmandat – geht innerhalb der Listengruppe ganz knapp an die Grünen. Die FDP verliert in diesem Szenario zwei ihrer bisher drei Mandate. Einschränkend ist anzufügen, dass die Beteiligung bei der Kantonsratswahl 2012 knapp 40 Prozent erreichte. Damit war sie klar tiefer als bei der Nationalratswahl 2015, als mehr als die Hälfte der Toggenburger Stimmbürger zur Urne ging respektive das Stimmcouvert abschickte.

SVP profitierte stark

Das bestätigen die Zahlen im Toggenburg weitgehend. Bei der Kantonsratswahl 2012 wurden im Wahlkreis Toggenburg elf Mandate vergeben und total 130 856 Stimmen abgegeben. Bei den Nationalratswahlen vom 18. Oktober waren es im Toggenburg 184 042 Stimmen für zwölf Mandate.

Wenn man die unterschiedliche Mandatszahl berücksichtigt, wurden für den Nationalrat rund 38 000 Stimmen mehr als für den Kantonsrat abgegeben. In absoluten Zahlen profitierte die SVP am meisten von der zusätzlichen Mobilisierung. Auch die BDP, die EDU und die GLP konnten ihre Stimmenzahl steigern. Die höhere Stimmenzahl lässt sich nicht durch das Bevölkerungswachstum erklären.

Ferner stellt sich die Frage, was die GLP tut. Im Alleingang kann sie nicht mit einem Mandat im Toggenburg rechnen. Die Listengruppe FDP-GLP erhielte, basierend auf den Stimmenzahlen vom 18. Oktober, zwei Kantonsratssitze. Sie würden aber an die FDP gehen. Die Grünen gewinnen in dieser Konstellation im Toggenburg kein Mandat mehr.

Die Parteien, die bei den Nationalratswahlen vom 18. Oktober Stimmen verloren haben, stehen im Frühling unter Druck. Sie müssen dem Negativtrend Einhalt gebieten, um zu zeigen, dass das Ergebnis vom Oktober nur ein Ausrutscher war.