Standing Ovations für Solist und Orchester

Das Kammerorchester St. Gallen und der Ostschweizer Saxophonsolist Peter Lenzin gestalteten mit Werken englischer und amerikanischer Provenienz den Auftakt der «Konzerte in Rehetobel 2015/16» begeisternd.

Ferdinand Ortner
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Grosser Erfolg von Peter Lenzin (Saxophon) und des Kammerorchesters St. Gallen in Rehetobel. (Bild: Ferdinand Ortner)

Grosser Erfolg von Peter Lenzin (Saxophon) und des Kammerorchesters St. Gallen in Rehetobel. (Bild: Ferdinand Ortner)

REHETOBEL. Ein zündendes Programm, ambitionierte und kompetente Interpreten sowie ein begeisterungsfähiges Publikum waren Erfolgsgaranten für das Auftaktkonzert am Sonntag in der fast vollbesetzten reformierten Kirche in Rehetobel. Es war ein exklusives Musikevent, das der Saxophonsolist Peter Lenzin und das St. Galler Kammerorchester – von Mathias Kleiböhmer souverän geleitet – unter dem Titel «Westen» mit exklusiven Werken von Komponisten aus den USA, England und Argentinien so bravourös gestalteten, dass die Zuhörer wiederholt spontan applaudierten und dass das Konzert mit Standing Ovations endete.

Gespielt wurde typische Musik des 20. Jahrhunderts mit angloamerikanischem Einschlag, beeinflusst von den Einwanderern und basierend auf unbeschwerter Lebensfreude und dem neuen Lebensgefühl des «Westens».

Verschiedene Stilrichtungen

Die Programmfolge umfasste ein lebendig-buntes Kaleidoskop verschiedenster musikalischer Stilrichtungen. Die ambitionierte Leistung des jungen spielfreudigen Streichorchesters wurde überstrahlt von den effektvollen Soli des Saxophonisten Peter Lenzin, der durch sein überragendes Können – gepaart mit sympathischer persönlicher Ausstrahlung – faszinierte.

Beeindruckend seine gefühlvolle Tongebung, die perfekte Beherrschung des Instruments und seine Phrasierungskunst! Überzeugend auch seine Fähigkeiten beim Improvisieren und als Komponist.

Klassisches Saxophonkonzert

Das Konzert begann ungewohnt wie noch nie – und für die Zuhörer etwas verblüffend – mit dem Weltklassiker der modernen Minimal-Musik, der Komposition «In C» von Terry Riley (geb. 1935). Die Orchestermitglieder waren im Kirchenraum und auf der Empore verteilt und bewegten sich musizierend bis zum kurzen Finale des Stückes in die Apsis. Die Komposition entwickelte sich auf dem permanenten C-Ton eines Glöckchens mit kurzen melodischen Bausteinen. Daraus entstand eine Polyrhythmik, die den Raum neu wahrnehmen liess. Beim dreisätzigen klassischen Saxophonkonzert des Engländers Sir Malcolm Arnold (1921–2006) konnte Peter Lenzin seine Qualitäten voll ausspielen und dabei auch die vielen spieltechnischen Möglichkeiten des Saxophons demonstrieren.

Wunderschön die weit ausschwingenden Kantilenen, die virtuosen jazzigen Passagen und die lebendigen Dialoge mit dem flexiblen Orchester. Dieses brachte im träumerischen Streicherstück «Lullaby» von George Gershwin (1898–1937) die schillernden und gefühlsbetonten Klangfarben zum Leuchten und wusste auch mit dem für Streicher und Schlagzeug arrangierten C-Jam Blues von Duke Ellington (1899–1974) zu gefallen. Eine Glanznummer war der Konzert-Tango Nuevo des Argentiniers Astor Piazzolla (1921–1992), wo der Solist mit tragendem Ton und kreativen Improvisationen brillierte. Publikumserfolge waren auch die beiden Kompositionen von Peter Lenzin, die seiner kleinen Tochter Nica gewidmete Romanze und das rhythmisch bewegte «New Max». Hier zogen Saxophonist und Orchester zum Schluss noch einmal alle Register und versetzten das Publikum in helle Begeisterung. Standing Ovations und Zugaben waren die Folge.