Städtli-Bibliothek Lichtensteig

LESETIPS «Ich heisse Channah, so wie die jüngste Schwester meiner Oma – so stellt sich Channah Trzebiner auf der ersten Seite ihres Buches vor. Und breitet ein Füllhorn von Geschichten aus, Momentaufnahmen ihres jungen Lebens.

Merken
Drucken
Teilen

LESETIPS

«Ich heisse Channah, so wie die jüngste Schwester meiner Oma – so stellt sich Channah Trzebiner auf der ersten Seite ihres Buches vor. Und breitet ein Füllhorn von Geschichten aus, Momentaufnahmen ihres jungen Lebens. Nichts ist erfunden; radikal subjektiv beschreibt die Autorin ihr Leben zwischen den Identitäten so, wie es ist. Zerrissen und aufregend zugleich. Sie erzählt von sich, von ihren Grosseltern, den Eltern, von Freundinnen und Freunden – von jenen, die fehlen, und denen, die geblieben sind. Mit ihr als einer Vertreterin der dritten Generation des Holocaust tritt eine neue Stimme auf – eine so humorvolle wie provokative neue Stimme. Ob sie vom Malheur an einem Pessach-Abend in New York erzählt oder davon, wie sie mit ihrem Opa durch den Supermarkt streunt – immer gibt das Verwurzeltsein im Vergangenen die Grundmelodie vor.

Channah Trzebiner: Die Enkelin oder wie ich zu Pessach die vier Fragen nicht wusste, (Weissbooks), 242 Seiten (L)

Bibliothek Wattwil

So was! Ein solch herber Empfang in der schönsten Stadt Umbriens: Schon am Tag ihrer Ankunft wird Matilda, Römerin, Single, Anfang vierzig, von einem fiesen Wespenschwarm überfallen. Hoffentlich kein schlechtes Omen, denn eigentlich hatte sie vorgehabt, ihr Leben umzukrempeln und sich hier im beschaulichen Orvieto niederzulassen. Zum Glück wird sie dann von der ebenso skurrilen wie entspannten Nachbarschaft mit offenen Armen aufgenommen. Und dank ihrer Bekanntschaft mit Professor Paolini erfüllt sich sogar ihr Traum: Sie bekommt einen Job in der schönsten Buchhandlung am Platz und kann sich mit einem echten Kenner über ihre literarischen Leidenschaften austauschen. Aber Orvieto und vor allem die darum liegenden Pinienwälder bergen ein Geheimnis, und das harmonische Miteinander ist plötzlich in Frage gestellt.

Valentina Pattavina :Die Buchhändlerin von Orvieto, (Graf), 255 Seiten (W)

Bibliothek Bütschwil

Kurz vor seinem Tod im Jahre 1609 bring John Dee seine wissenschaftlichen Aufzeichnungen in Sicherheit. Der anerkannte Mathematiker und Astrologe bezweifelt zutiefst, dass die Men-schen schon bereit sind für seine Erkenntnisse, die die Welt für immer verändern würden. 400 Jahr bewahren die weiblichen Nachfahren das geheime Erbe John Dees, doch niemand kennt die Bedeutung der kryptischen Schriften. Auch Lucy King steht vor einem Rätsel, als ihr Freund Alex ihr ein Vermächtnis zeigt, das schon seit 17 Generationen im Besitz seiner Familie ist. Was hat es auf sich mit dem silbernen Schlüssel und dem alten Pergament? Noch ahnt Lucy nicht, dass nur sie die schicksalhafte Bedeutung des Erbes entschlüsseln kann. Verfolgt von den Anhängern einer Verschwörung, begibt sie sich in grösste Gefahr…

Titania Hardie: Das Labyrinth der Rosen, historischer Roman, Diana- Verlag, 525 Seiten

Bibliothek Büelen Nesslau

Hélène ist klein, zart, acht Jahre alt, nennt sich Joe und behauptet, zehn zu sein, damit sie den Job als Zeitungsausträgerin bekommt.

Umgeben von drei Schwestern, einem Vater, der das Leben nur als melancholischer Trinker erträgt, und einer Mutter, die sich mit drakonischer Strenge panzert, ist Joe manchmal etwas einsam, ganz wie Roger, der plötzlich im Garten des Nachbarhauses steht und flucht. Roger ist achtzig, ein begnadeter Grantler, dessen Flüche mit jeder Flasche Bier phantastischer werden. Wie Joe den lebensmüden Roger ins Leben zurückholt und er zum Schutzpatron dieses empfindsamen Mädchens wird, beschreibt Marie-Renée Lavoie aus Kanada mit viel Witz und Poesie.

Marie-Renée Lavoie: Ich und Monsieur Roger, Hanser, 256 Seiten

Bibliothek Mosnang

Drei Frauen aus drei Generationen sind auf der Suche nach ihrer Identität und ihren Wurzeln: Da ist die Künstlerin Sam, die nach der Geburt ihrer abgöttisch geliebten Tochter sich selbst entfremdet und antriebslos in eine vorübergehende Krise stürzt; da ist ihre Mutter, die krebskranke Iris, die jahrelang in einer mittel-prächtigen Vorstadtehe gelebt hat, bis sie nach ihrer Scheidung endlich die Unabhängigkeit und das Alleinsein geniesst; und da ist Grossmutter Violet, die, weil ihre leichtlebige Mutter nicht für sie sorgen kann, als 11jähriges Mädchen von einem christlichen Hilfswerk aus den Slums von New York in den Mittleren Westen verschickt wird, wo sie sich später als zupackende, patente Farmersfrau ein eigenes Leben aufbaut. In kurzen Momentaufnahmen porträtiert Meadows drei Mütter bzw. Töchter, deren Verhältnis zueinander geprägt ist von der Unfähigkeit, ihre Liebe rückhaltlos und offen zu zeigen und die, obwohl sie sich nahestehen, viel zu wenig voneinander wissen.

Rae Meadows: Violets Vermächtnis, Knaur, 333 Seiten

Dorfbibliothek Brunnadern

Die Adoptivmutter, eine Pfingstlerin, hatte Jeanette Winterson zur Missionarin bestimmt. Doch mit 16 verliebt sie sich. In eine Frau. Als Jeanette auszieht, um mit ihrer Geliebten glücklich zu werden, stellt die Mutter ihr die Frage: «Warum glücklich statt einfach nur normal?» Viele Jahre später trifft Jeanette Winterson auf ihre leibliche Mutter und fragt sich, was aus ihr geworden wäre ohne die hungrigen Stunden im Kohlenkeller, ohne die stets dräuende Apokalypse, vor allem aber ohne das allgegenwärtige Wort der King-James-Bibel.

Jeanette Winterson: Warum glücklich statt einfach nur normal?, Hanser, 250 Seiten

Bibliothek Ebnat-Kappel

In einer norwegischen Küstenstadt findet in einer nebligen Julinacht eine grosse Party statt. Jenny Brodal wird 75, und ihre Tochter Siri hat gegen den Willen ihrer Mutter ein Fest organisiert. Die weisse Holzvilla auf einer Anhöhe leuchtet in die Nacht, während die Gäste eintreffen und Jenny in ihrem Zimmer sitzt und nach zwanzigjähriger Abstinenz wieder zu trinken beginnt. Wie jedes Jahr verbringen Siri, die in Oslo und an der Küste ein Restaurant führt, und ihr Mann Jon den Sommer hier, nur haben sie diesmal ein Kindermädchen für ihre beiden Töchter engagiert, weil Jon keine Zeit hat, sich um Liv und Alma zu kümmern: Er ist Schriftsteller und muss endlich sein überfälliges neues Buch abschliessen.

Mille, das Kindermädchen, ist 19 Jahre alt und hat vor, in diesem Sommer eine andere zu werden. Doch dann verschwindet Mille spurlos in dieser Nacht. Jeder aus der Familie hatte eine eigene Beziehung zu Mille, die er vor den anderen verbirgt. Ihr rätselhaftes Verschwinden rührt aber auch andere Gefühle auf, nie vergessene Verletzungen und Unsicherheiten.

Linn Ullmann: Das Verschwiegene, Luchterhand, 352 Seiten