ST. PETERZELL: Collagen und Reliquien im Kontrast

Die Lichtensteigerin Gabrielle Gern stellt zurzeit ihre Collagen und Reliquien in der Goldschmiede St. Peterzell aus. Am Freitag war Vernissage.

Michael Hug
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Gabrielle Gern am Freitag an ihrer Vernissage in der St. Peterzeller Goldschmiede von Paul Brent. (Bild: Michael Hug)

Gabrielle Gern am Freitag an ihrer Vernissage in der St. Peterzeller Goldschmiede von Paul Brent. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

redaktion@toggenburgmedien.ch

Zwei Mal im Jahr lädt der St. Peterzeller Goldschmied Paul Brent Kunstschaffende für eine Ausstellung ihrer Werke in sein Atelier ein. Bis zum Beginn der Sommerferien hängen zurzeit die Collagen der Lichtensteiger Papierkünstlerin Gabrielle Gern an den Wänden der kleinen, aber feinen und einzigen Goldschmiede der Region. «Wenn ich verschiedene Elemente zu einer Collage oder einem Objekt zusammenfüge, weiss ich oft nicht, wohin die Reise führt», sagt die Künstlerin. «Es sind Bilder aus Illustrierten oder Zeitungen, die mich anspringen und inspirieren», erzählt sie weiter, «ich reisse die Seiten aus dem Heft und manchmal beginnt so eine neue Collage, manchmal lege ich sie aber auch nur zur Seite, vielleicht ergibt sich später etwas daraus.»

Wenn die Idee im Kopf ist, das Bild in Gedanken fast klar vor ihr, dann «läuft es von selbst», dann kann sie in ihre Arbeit versinken und die Zeit vergessen: «Dann kann es schon morgens um drei werden und ich, weil todmüde, die Arbeit weglege.» Aber es kann auch vorkommen, dass ein Werk Monate brauche, bis es fertig ist, bis es so ist, dass es für sie stimmt. Man darf natürlich die Arbeit zwischen den Ideen nicht übersehen, die ist viel langwieriger als die Entwicklung der Idee. Oft aber läuft beides ineinander, ein Bild entsteht, wenn sich die Idee entwickelt.

Dinge fügen sich von selbst

Gabrielle Gern arbeitet mit Collagen. Sie schneidet mit Skalpell und Schere Motive aus gedruckten Bildern und setzt sie zu neuen Bildern zusammen. Bilder mit viel Symbolik und Geheimnissen, oft unergründlich für den Betrachtenden, aber klar für sie, die sie geschaffen hat: «Was mich während der Arbeit immer wieder begeistert, ist das Zusammenspiel von Zufall und Absicht. Da ergeben sich für mich spezielle Fügungen.» Man könnte auch sagen: Geschichten. Gerns Collagen erzählen Geschichten, entstanden in einer Idee, überlassen dem Zufall, endend in einem Geheimnis. «Oft ergibt sich daraus etwas, worauf ich alleine nicht gekommen wäre», sagt Gern. Fügungen eben, die Dinge fügen sich von selbst.

Keine Hühnerknochen

Daselbst schafft Gabrielle Gern, die hauptberuflich als Körpertherapeutin tätig ist, auch Reliquien: «Ich war schon immer von Reliquien fasziniert – am liebsten hätte ich selber welche hergestellt.» Doch wie schafft man Reliquien ohne die sterblichen Überreste von Heiligen? Man könne doch nicht Hühnerknochen dafür verwenden, lacht Gern. «Die rettende Idee waren Heilige, die es nicht wirklich gibt, jedoch im Volksmund immer wieder auftauchen.» Zum Beispiel der heilige Strohsack, der Sankt Nimmerlein, das «heilige Verdiene». Aus den Volksmundheiligen hat sie dann ihre Reliquien ebendieser Heiligen geschaffen: Kleine Bildchen, dreidimensionale Collagen aus Papier, Holz, Metall – Fundstücke wie die Bilder aus den Zeitschriften für die zweidimensionalen Collagen. «Leider sind die Ausdrücke für diese Art Heilgen begrenzt, da habe ich neue Heilige erfunden. Schutzheilige, die es gar nicht gibt, aber vielleicht doch geben sollte.»

Hinweis Die Ausstellung «Collagen & Objekte» in den Räumen der Goldschmiede St. Peterzell läuft noch bis Ende Juli und kann zu den Ladenöffnungszeiten besucht werden.