«St. Gallen kann es – Lütisburg auch»

Lütisburg. Er ist sportlich, der Geschäftsbericht der Gemeinde Lütisburg. Und zwar aus mindestens zwei Gründen. Erstens: Voltige Lütisburg ziert das Titelbild.

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Lütisburg. Er ist sportlich, der Geschäftsbericht der Gemeinde Lütisburg. Und zwar aus mindestens zwei Gründen. Erstens: Voltige Lütisburg ziert das Titelbild. Zweitens: Will man den Geschäftsbericht der Politischen Gemeinde und der Primarschulgemeinde lesen, muss man die Publikation umdrehen, sonst liegen die Buchstaben auf dem Kopf. Einheitsgemeinde Nein, zusammen bei den Druckkosten sparen Ja.

Nicht geklaut, adaptiert

Der Bericht zählt 52 numerierte Seiten (inklusive zwei Seiten für Notizen). Zwei Drittel beansprucht die Politische Gemeinde für sich. Auf Seite 1 resümiert Gemeindepräsidentin Imelda Stadler, gewählt im vergangenen Jahr, ihre ersten Monate im Amt. Ihr Vorwort stellt sie unter das Motto: «St. Gallen kann es – Lütisburg auch». Dabei erweiterte sie den Slogan des Kantons, um ihn dann am Schluss zu imitieren: «Lütisburg kann es!». Sie nimmt den Föderalismus demnach mit Augenzwinkern.

Auf den folgenden Seiten erfährt der Leser viel. Etwa, dass der Gemeinderat 20 Sitzungen abgehalten hatte – das seien vier weniger als im Vorjahr. Auch die Wahlen von Imelda Stadler und den zwei neuen Gemeinderäten, Cécile Zehnder und Werner Grob, werden thematisiert. Die Informationen sind gut portioniert, die Titel aussagekräftig. Dass es dem Gemeinderat nicht drin lag, eine Zukunftskonferenz durchzuführen, steht auf Seite 3. Das Gute daran: Die Zukunft läuft auch in Lütisburg nicht davon. Oder eben: «Geduld bringt Rosen und Erfolg!», schreibt der Gemeinderat dazu, legt den Urheber jedoch nicht offen (und sollte die Publikation daher nicht als Dissertation einreichen).

Mehr Männer als Frauen

Auch mächtig Zahlen beinhaltet der Geschäftsbericht: 1382 Einwohner per Ende 2010 zählte die Thur-Necker-Gemeinde. Diese Zahl hat über die vergangenen Jahre zugenommen. Es waren 705 Männer und 677 Frauen. Die Arbeitslosenquote in Lütisburg betrug per Ende 2010 1,0 Prozent (Schweizer Durchschnitt 3,8 Prozent). Als kultureller Höhepunkt wird «Top of Lütisburg» beschrieben, der Anlass – organisiert von Verkehrsverein und Gemeinde – wurde erstmals durchgeführt.

Rechnung und Budget nehmen einige Seiten ein – Tabellen gliedern die Zahlen. Einzelne Posten werden erläutert. Unter «Polizei» steht: «Die Aufwendungen der Polizei werden ab dem Jahr 2010 vollumfänglich durch den Kanton übernommen.» Schön! Ob das auch so bleibt, wenn man sich des Kanton-Slogans bedient? Er wird es auch mit einem Augenzwinkern nehmen.

57,25 Franken Bares

Im Vorwort zum Geschäftsbericht der Primarschulgemeinde sagt Schulpräsident Felix Tschirky: «Auf Wiedersehen!» Sein Nachfolger (voraussichtlich Josef Rütsche, da einziger Kandidat) wird im Frühling gewählt.

Auf den folgenden Seiten werden Projekte und Anlässe – in einer kleineren Schriftgrösse als im Teil der «Politischen» – zusammengefasst. Derzeit wird ein Leitbild für die Schule ausgearbeitet, ist zu lesen. Dieses soll in diesem Jahr vorgestellt werden. Und auch hier fehlen die Zahlen nicht. So verfügte die Primarschulgemeinde per Ende 2010 über 57,25 Franken Bargeld. Bares braucht sie wohl nicht viel, über 180 000 Franken an flüssigen Mitteln sind auf dem Bankkonto deponiert. Und das ist gut so. Jedes Kind weiss: Ein Zehnernötli unter dem Kopfkissen gibt keine Zinsen (Urheber unbekannt). Sebastian Keller