SRF setzt Appenzell in Szene

APPENZELL. Poppige Musik, Applaus und ein Landammann, der in den Zuschauerreihen sitzt. Für einmal präsentierte sich am Samstagabend das Bild auf dem Landsgemeindeplatz anders als gewohnt. Das Fernsehen ist zu Gast.

Roger Fuchs
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Frau Hauptmann Lydia Hörler muss ein Zäuerli singen. Sie wird von Anina Manser unterstützt. Rechts Moderator Nik Hartmann. (Bild: Roger Fuchs)

Frau Hauptmann Lydia Hörler muss ein Zäuerli singen. Sie wird von Anina Manser unterstützt. Rechts Moderator Nik Hartmann. (Bild: Roger Fuchs)

«Ihr seid bestimmt ein glückliches Völkli. Euch kann man auch gar nicht böse sein.» Diesen Eindruck von den Appenzellern formulierte Moderator Nik Hartmann am Samstagabend in der Sendung «SRF bi de Lüt – live» gegenüber Appenzells Frau Hauptmann Lydia Hörler. Die Aufgabe, die ihre Landsleute an diesem Abend erfüllen sollten, scheiterte knapp. 30 Paare – gemischt in Ausserrhoder und Innerrhoder Tracht – hätten am Schluss auf die Bühne marschieren sollen. Doch es waren nur deren 19. Zur Strafe musste Frau Hauptmann ein Zäuerli singen und es gab kein typisch innerrhodisches Rugguseli.

Zusage nicht bereut

Abseits der zu erfüllenden Aufgabe war die Sendung geprägt durch den Auftritt eines Ad-hoc-Chors und jener vier Gäste, die auch in Einspieler-Porträts vorgestellt wurden: Komiker Simon Enzler, Goba-Chefin Gabriela Manser, Sennenhandwerker Hampi Fässler und Schwester Mirjam, Frau Mutter im Kloster Leiden Christi. Für Gabriela Manser wäre ein Eintritt in ein Kloster nie in Frage gekommen, wie sie auf dem Gästesofa gegenüber Nik Harmann bestätigte. Sie erwähnte schlechte Erfahrungen mit einem früheren Pfarrer aus Gonten, welche sie geprägt hätten.

Schwester Mirjam war angesichts der aussergewöhnlichen Fernsehsituation durchaus eine gewisse Nervosität anzumerken. Ihre Mitschwestern, die sich schon zwei Stunden vor der Sendung auf dem Platz eingefunden hatten, hielten aber fest, dass sie als Klostergemeinschaft die Zusage nicht bereuen würden. «Wir sind ein sehr offenes Kloster», sagt Schwester Chiara. Mit dieser Offenheit lauschten sie dann auch den musikalischen Gästen der Sendung, dem Sänger Baschi und der Band «Hecht».

Vorzüge unterstrichen

Letztlich war die Sendung vor allem eines: ein grosser Werbespot für den Kanton. Immer wieder wurden die Vorzüge der Menschen und des Landes hervorgehoben. «Appenzell bedeutet für mich Heimat», so Simon Enzler. Hampi Fässler sprach von Menschen mit eigensinnigem Charakter und weichem Kern. Der einmalige Dialekt und die Kleinheit, die zusammenschweisse, wurden von Gabriela Manser erwähnt. Bei all dem durften aber natürlich auch die feinen Sticheleien zwischen Ausserrhoden und Innerrhoden nicht fehlen. «Wir wohnen in Innerrhoden, weil es hier viel schöner ist», sagte ein mit einer Ausserrhoderin verheirateter Trachtenträger in die Kamera.

Nach zwei Stunden schalteten sich die Scheinwerfer wieder aus. Bei der nächsten grossen Menschenansammlung auf dem Landsgemeindeplatz wird es wohl wieder heissen: «Wir stimmen ab. Wer dafür ist, erhebe die Hand.»

«Bring en hei»: Baschi holt sich eine Frau aus dem Publikum.

«Bring en hei»: Baschi holt sich eine Frau aus dem Publikum.