Spukstrecke Teufen-Bühler-Appenzell

Wände zittern, ein Bild fällt von der Wand: Spukt es? Während einer kleinen Umfrage in Bühler, Teufen und Appenzell sagt jemand: «Stimmt, das Bild fiel ohne erkennbaren Grund auf den Boden, und die Wände zittern immer wieder. Es ist ein Phänomen. Wir beobachten das schon seit einigen Monaten.»

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Die Rückmeldungen von Betroffenen waren immerhin so zahlreich, dass die Appenzeller Bahnen jetzt Experten kommen lassen. (Bild: pd)

Die Rückmeldungen von Betroffenen waren immerhin so zahlreich, dass die Appenzeller Bahnen jetzt Experten kommen lassen. (Bild: pd)

Jemand anders bestätigt das Beben der Wände, es sollen aber noch alle Bilder hängen. Das geisterhafte Treiben tritt immer dann auf, wenn ein Zug der Appenzeller Bahnen diese Dörfer quert. Niemand weiss genau, ob es stets beim gleichen Zug oder zur selben Zeit passiert, ob eine ganze Komposition oder nur ein einzelner, womöglich verfluchter Wagen seine paranormalen Kräfte entfaltet. Aber unheimlich sei es…

Das kann böse enden

Einschlägige Kreise unterscheiden zwischen personen- und ortsgebundenem Spuk. Ein typischer personenbezogener Spuk ist der Poltergeist, der üblicherweise nur über eine kurze Zeitspanne wirkt. Beim ortsgebundenen Spuk hingegen erscheint zum Beispiel ein kopfloser Reiter, der an immer der gleichen Stelle über die nebelverhangene Wiese galoppiert. Oder es zeigt sich die weisse Frau, die nur bei Vollmond in ungeraden Monaten über den Totenacker huscht. Da die Appenzeller Bahnen an immer den gleichen Orten die seltsamen Vorkommnisse auslösen, könnte es sich um einen ortsgebundenen Spuk handeln. Und da ist eine Warnung angebracht: Ortsgebundener Spuk kann sich über Jahrzehnte oder gar über Jahrhunderte hinziehen, wie die Parapsychologie herausgefunden hat und wie zahlreiche Beispiele von Spukhäusern belegen. Fällt ein Bild von der Wand, ist dies oftmals erst der Anfang eines Poltergeist-Treibens, denn ortsgebundener kann personengebundenen Spuk auslösen. Den Betroffenen sei gesagt: Nicht selten endet es damit, dass Möbel durch die Luft fliegen, Türen von alleine aufgehen, Glühbirnen zerplatzen und die Bewohner von unsichtbaren kalten Händen angefasst werden.

Die Massnahmen der AB

Das Wort «Spuk» nehmen die Appenzeller Bahnen nicht in den Mund, bestätigen aber, «dass wir auf der Strecke St.Gallen–Appenzell seit einigen Monaten stärkere Vibrationen feststellen». Man sei aktiv daran, die Ursache zu ermitteln. Immerhin: Die Rückmeldungen aus Bühler, Teufen, Meistersrüte und Steinegg müssen so zahlreich gewesen sein, dass die Appenzeller Bahnen einen Mitarbeiter auf die betroffene Strecke geschickt haben. «Er durfte bei Personen, welche sich bei uns gemeldet haben, vorbeigehen und sich vor Ort ein Bild der Situation machen. Dabei hat er die Beobachtungen der betroffenen Personen festgehalten», sagt Sabrina Huber vom Marketing. Nach ersten Erkenntnissen kämen für die Vibrationen zwei Ursachen in Frage. So könne einerseits das Rollmaterial Auslöser sein, denn die Vibrationen seien bei gewissen Kompositionen stärker als bei anderen. Anderseits könne es auch an den Trassees liegen, denn Schienen, Schwellen und Schotter können aufgrund von Alter, Material und Wetter einen Einfluss auf die Vibrationen haben. So seien «eingefahrene» Schotterbetten dämpfender als neu geschotterte Streckenabschnitte. Nach diesem ersten Bericht lassen die Appenzeller Bahnen entlang der Strecke repräsentative Messungen von Experten vornehmen, analysieren die Zugskompositionen und werden je nach Resultat weitere Massnahmen ergreifen.

Wie einst im Belchentunnel

Die Erklärungen der Appenzeller Bahnen lassen weiterhin offen, ob alles mit rechten Dingen zu und her geht. Was nicht abgeklärt, aber möglich wäre: Dass die «Vibrationen» erst nach dem Nein zum Tunnel in Teufen aufgetreten sind. Vielleicht gibt es, wie in den 80er-Jahren beim Belchentunnel, einen Geist, der sich darauf gefreut hat, in einem neuen Tunnel zu hausen. Um das Gespenst vom Belchentunnel wurde es zwar ruhig. Die Begegnung der beiden jungen Frauen mit der Autostopperin, die eine Warnung aussprach und dann aus dem fahrenden Auto verschwand, machte 1981 – wie noch weitere ähnliche Begegnungen am selbigen Ort – grosse Schlagzeilen.

Das Gespenst von Teufen, das sich nun nicht so entfalten kann, wie es gerne möchte, hat vielleicht beschlossen, sein Unwesen statt im Berg jetzt auf offener Strecke zu treiben.

Monika Egli

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