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Spreitenbach: Mehr als Hochhäuser

Blutwurst, so nennen die Einheimischen das mit dunkelroten Platten eingekleidete Hochhaus inmitten von Spreitenbach im Limmattal im Kanton Aargau. Beinahe 50 Jahre ist es alt, dieses markante Gebäude, in dem rund 400 Menschen zu Hause sind.
Anina Rütsche
Vom Heitersberg aus ist in der Ferne die Stadt Zürich zu erkennen.

Vom Heitersberg aus ist in der Ferne die Stadt Zürich zu erkennen.

Blutwurst, so nennen die Einheimischen das mit dunkelroten Platten eingekleidete Hochhaus inmitten von Spreitenbach im Limmattal im Kanton Aargau. Beinahe 50 Jahre ist es alt, dieses markante Gebäude, in dem rund 400 Menschen zu Hause sind. Gleich nebenan befindet sich sein Pendant in helleren Farben, von den Leuten mit einem Schmunzeln als Leberwurst bezeichnet. Die Leber- und die Blutwurst befinden sich in unmittelbarer Nähe des Shoppi Tivoli, eines riesigen Einkaufszentrums, das bei seiner Eröffnung 1970 das erste seiner Art im ländlichen Raum war. «Dies galt damals als Sensation», erinnert sich Rudolf Kalt, der von 1988 bis 2008 als Gemeindeammann von Spreitenbach amtete. «Die Leute kamen in Scharen, um sich das anzusehen. Und sogar die Tagesschau berichtete über diese Neuheit – dies gleich fünfmal in einer Woche!»

Ort, der viel zu bieten hat

Rudolf Kalt kennt sich mit der Geschichte von Spreitenbach bestens aus. Er sei «fast ein Ureinwohner», sagt der Pensionär, der im ebenfalls aargauischen Leuggern aufgewachsen ist und seit 1980 in Spreitenbach lebt und wirkt. Seit seinem Rücktritt leitet Rudolf Kalt regelmässig Führungen durch die Gemeinde im Limmattal, seine Gemeinde, die bei Auswärtigen vor allem der vielen Läden, der Industrie, der Autobahn A1, der etwas lieblos wirkenden Flachdachüberbauungen und der Pommes Chips von der Firma Zweifel wegen bekannt ist. «Leider», wie Rudolf Kalt betont. Denn Spreitenbach habe noch viel mehr zu bieten «als all diese Klischees». Zum Beispiel viel Wald und ein weitläufiges Wanderwegnetz. Oder den 669 Meter hohen Heitersberg, von dem aus man bei schönem Wetter bis nach Zürich hinunterschauen kann. Oder den Franzosenweiher, einen kleinen See in einer Naturschutzzone direkt an der Grenze zum Kanton Zürich. Oder die Insel inmitten der Limmat, wo man sich zu allen Jahreszeiten wie in den Ferien fühlen könne.

Schmucker alter Dorfkern

Besonders angetan hat es Rudolf Kalt der alte Dorfkern, der am Fusse des Heitersbergs liegt. «Im Jahr 1124 wurde Spreitenbach erstmals urkundlich erwähnt», erzählt der Pensionär auf dem Rundgang. Tatsächlich sieht man hier, nur wenige hundert Meter von Blutwurst, Leberwurst und Shoppi Tivoli entfernt, dass der Ort auch ein historisches Gesicht hat. Man trifft auf Bauernhöfe, Riegelbauten und trutzige Steinhäuser mit winzigen Fenstern. Das älteste noch erhaltene Haus in Spreitenbach stammt aus dem Jahr 1587 und beherbergt heute ein Museum, das nur auf Anfrage zugänglich ist.

«Bis etwa 1955 war es im ländlich geprägten Spreitenbach ruhig», berichtet Rudolf Kalt. «Dann ging es los mit den ersten modernen Überbauungen, und der Ort wuchs rasant.» So sei ein neues Quartier nach dem anderen entstanden. «Verdichtung war hier schon damals ein Thema, was aus heutiger Sicht sehr fortschrittlich ist», hebt der ehemalige Gemeindeammann hervor.

Woher der Name kommt

Durch den alten Dorfkern plätschert übrigens nicht der Spreitenbach, sondern der Dorfbach. «Einen Spreitenbach gibt es nicht», verrät Rudolf Kalt. Immerhin ist der Dorfbach mitverantwortlich für die Namensgebung des Ortes. Früher sei das Wasser an manchen Stellen nämlich frei über die Felder geflossen, sagt Rudolf Kalt – «ein gespreizter Bach eben».

Eine Stadt, die keine sein will

Auch im Gemeindehaus steht beim Besuch der Journalistin aus dem Toggenburg ein Gewässer im Mittelpunkt. Obwohl er noch nie im sanktgallischen Pendant gewesen ist, hat der aktuelle Spreitenbacher Gemeindepräsident Valentin Schmid eine Gemeinsamkeit der beiden Orte entdeckt. «Das Flussknie!», sagt er und deutet auf seinen Computerbildschirm, wo Ausschnitte aus Landkarten zu sehen sind. «Bei uns ist es die Limmat, bei euch der Necker!» Und tatsächlich, auf der Karte erkennt man bei beiden Gewässern einen Bogen.

Er wohne und arbeite sehr gerne in Spreitenbach, berichtet Valentin Schmid, der seit 2012 im Amt und im Ort aufgewachsen ist. «Hier hat man alles, was man braucht, die Gemeinde ist gut erschlossen, man ist schnell im Grünen», findet er. Als Nachteil bezeichnet er den «manchmal relativ hohen Geräuschpegel aufgrund von Autobahn und Güterbahnhof».

Obwohl Spreitenbach rund 11 000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt, bezeichnet Valentin Schmid den Ort nicht gerne als Stadt. «Wir definieren uns als Gemeinde. Städtische Strukturen fehlen in Spreitenbach, die gibt es ja schon drüben in Zürich.»

Bei dieser kleinen Insel in der Limmat kann man baden und bräteln.

Bei dieser kleinen Insel in der Limmat kann man baden und bräteln.

Im ältesten Haus (1587) ist ein kleines Ortsmuseum untergebracht.

Im ältesten Haus (1587) ist ein kleines Ortsmuseum untergebracht.

Land und Stadt – im Hintergrund die «Leberwurst» und die «Blutwurst».

Land und Stadt – im Hintergrund die «Leberwurst» und die «Blutwurst».

In Spreitenbach gibt es neben den vielen Hochhäusern, Einkaufszentren und Industriebauten auch Wohn- und Naherholungszonen. (Bilder: Anina Rütsche/pd)

In Spreitenbach gibt es neben den vielen Hochhäusern, Einkaufszentren und Industriebauten auch Wohn- und Naherholungszonen. (Bilder: Anina Rütsche/pd)

Ein buntes Werk von Bruno Weber (1931–2011) – der Skulpturenkünstler stammte aus der Gegend.

Ein buntes Werk von Bruno Weber (1931–2011) – der Skulpturenkünstler stammte aus der Gegend.

Valentin Schmid, Spreitenbach. © bildraus.ch, Rolf Jenni, Fotograf BR, Neuenhoferstrasse 101, 5400 Baden. Handy: 079-715 65 50 E-Mail: info@bildraus.ch Web: www.bildraus.ch (Bild: Rolf Jenni bildrausch (Rolf Jenni))

Valentin Schmid, Spreitenbach. © bildraus.ch, Rolf Jenni, Fotograf BR, Neuenhoferstrasse 101, 5400 Baden. Handy: 079-715 65 50 E-Mail: info@bildraus.ch Web: www.bildraus.ch (Bild: Rolf Jenni bildrausch (Rolf Jenni))

Bild: Anina Rütsche

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