Sprache und Kultur kennenlernen

Kinder mit Migrationshintergrund haben im Kanton St. Gallen Anspruch auf Förderung in der Unterrichtssprache. Gespräche mit Verantwortlichen aus dem Toggenburg zeigen, dass damit Sprache und die einheimische Kultur vermittelt werden.

Adi Lippuner
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Förderkurse in Deutsch ergänzend zum Unterricht sollen die Integration von fremdsprachigen Kindern in der Schule erleichtern. (Bild: Reto Martin)

Förderkurse in Deutsch ergänzend zum Unterricht sollen die Integration von fremdsprachigen Kindern in der Schule erleichtern. (Bild: Reto Martin)

REGION. Wer in ein fremdes Land kommt, kennt in der Regel weder Sprache noch Kultur. Dies geht auch vielen Kindern und Erwachsenen so, die ins Toggenburg kommen. Ein Blick auf die Homepage der Schweizerischen Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) zeigt, dass die Förderung Fremdsprachiger im nationalen Kontext betrachtet wurde. Dabei zeigte sich, dass ein rechtlicher Anspruch auf Förderung in der Unterrichtssprache in fast allen Kantonen existiert. «Meistens handelt es sich dabei um einen Anspruch auf Förderkurse ergänzend zum Unterricht in der Regelklasse. Ein Anspruch auf Förderung in speziellen Klassen für Fremdsprachige, sogenannten Integrationsklassen, ist weniger stark verbreitet», ist zu lesen.

Im Kanton St. Gallen gilt die Regel, dass während dreier Jahre ein Anspruch auf Förderkurse, ergänzend zum Unterricht in den Regelklassen besteht. Die Anzahl der Lektionen ist dabei nicht festgelegt.

Durchwegs gute Erfahrungen

Eine Umfrage bei Schulleitern und Schulratspräsidenten aus der Region zeigt, dass mit dem vom Kanton vorgegebenen System durchwegs gute Erfahrungen gemacht wurden. Bei der Feinabstimmung gibt es zwischen den einzelnen Gemeinden aber Unterschiede. So verweist beispielsweise Stefan Gubler, Schulleiter Wildhaus-Alt St. Johann, darauf, dass Kinder in der Regel die neue Sprache sehr schnell lernen. «Diese Erfahrungen durften wir mit Kindern aus Tibet machen. Diese kamen ohne jegliche Deutschkenntnisse zu uns und wurden intensiv, das heisst mit vier bis fünf Wochenlektionen Deutsch, gefördert.» Daneben sei es möglich gewesen, dass sie in den nichtsprachlichen Fächern von Anfang an dem Unterricht folgten. «Wenn keine anderen Defizite bestehen, ist es möglich, dass Kinder bereits nach einem halben Jahr gut integriert sind», so der Schulleiter aus Wildhaus-Alt St. Johann.

Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Fördermassnahmen auch für Kinder aus Deutschland oder Österreich sinnvoll sein können. «Dabei geht es vor allem um das Vermitteln der einheimischen Kultur. Denn diese Kinder haben keine Ahnung, was es heisst, wenn vom <Öberefahre> oder von einer Viehschau gesprochen wird.» Dabei gehe es dann nicht um das Lernen der Sprache, sondern um den einheimischen Dialekt und die Traditionen.

Eltern einbeziehen

Auch in Nesslau sind die Erfahrungen positiv, wie Schulratspräsident Hansjörg Huser auf Anfrage mitteilte: «Die Schule Nesslau hat Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund ab dem ersten Kindergarten bis Ende der dritten Klasse.»

In der Mittel- und Oberstufe werde in der Regel kein zusätzlicher Deutschunterricht angeboten. Sofern aber ein Schüler noch Deutschunterricht benötige, könne dies im Rahmen der integrativen Stütz- und Fördermassnahmen oder in Kleingruppen angeboten werden. Zudem weist Hansjörg Huser darauf hin, dass die Schule Nesslau auch Deutschkurse für fremdsprachige Eltern anbiete. Auch in Wattwil wurden die Eltern mit einbezogen. Unter dem Motto «Mein Kind lernt Deutsch, ich auch» habe es am Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg (BWZT) dieses Angebot gegeben. Schulratspräsident Norbert Stieger sagte, dass gegenwärtig zu wenig Nachfrage bestehe, Eltern aber darauf aufmerksam gemacht werden, dass es am BWZT einen Sonntagskurs für fremdsprachige Erwachsene gebe.

«Wir führen in Wattwil eine Intergrationsklasse, wobei fremdsprachige Kinder in eine Regelklasse eingeteilt werden und daneben während 14 Lektionen die Integrationsklasse besuchen.» Später können sie vollumfänglich die Regelklasse besuchen, erhalten aber Förderunterricht in Deutsch.

Unterricht während vier Jahren

Noch einen Schritt weiter geht die Schulgemeinde Ebnat-Kappel. Wie Schulleiterin Katrin Zürcher erklärte, können fremdsprachige Kinder während vier Jahren für zwei Wochenlektionen den Förderunterricht Deutsch als Zweitsprache (DaZ) besuchen. «Unser Ziel ist eine gute Integration, und dies wird auf diesem Weg erreicht», so die Schulleiterin.

Das Angebot gelte auch für Kinder, welche während der Schulzeit zuziehen. Als Beispiel erwähnte sie einen Schüler aus Syrien, der erst in der fünften Klasse in die Gemeinde kommt. «Dieser hat selbstverständlich Anspruch auf vier Jahre Deutschunterricht.» Wenn diese Fördermassnahme bei einem Kind nicht ausreiche, liege es in der Regel nicht an der Sprachkompetenz, dann brauche es andere Massnahmen.