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SPRACHE: Der Computer lernt Mundart

Anstatt mühsam das Reiseziel einzutippen, kann direkt ins Smartphone gesprochen werden: Die Testversion der neuen Fahrplan-App der SBB sollte nun auch Mundart verstehen – sogar den Appenzeller Dialekt.
Jonas Manser
«Ich höre zu!», sagt der digitale Assistent. (Bild: Karin Erni)

«Ich höre zu!», sagt der digitale Assistent. (Bild: Karin Erni)

Jonas Manser

jonas.manser@appenzellerzeitung.ch

«Vo Gääs zom Chrobeg» – was Nichtappenzellern schon Probleme bereitet, soll nun die App der SBB können? Spracherkennung an sich ist nichts Neues. Bereits das Navigationssystem in unserem Auto versteht gesprochene Anweisungen – solange wir bei Hochdeutsch bleiben. Start-up-Unternehmen wie die Recapp IT AG aus dem Wallis oder die Spitch AG aus Zürich bringen den Computern bei, Mundart zu verstehen, um uns den Alltag zu erleichtern. So entwickelt die Spitch in einem Pilotprojekt für die SBB-Fahrplan-App eine Spracherkennungssoftware: Man teilt seinem Handy den Abfahrt- sowie Zielort mit und die App sucht dann automatisch die nächsten Verbindungen.

Dem Computer Mundart beibringen

Doch Mundart ist nicht gleich Mundart. Der St. Galler Dialekt ist für die Erkennungssoftware wegen der relativen Ähnlichkeit zum Hochdeutschen wohl leichter zu bewältigen als andere. Wie sieht es mit dem Appenzeller Dialekt aus? Die Softwareentwickler haben es nicht einfach. Ungleich zu Englisch oder Hochdeutsch, wo die Computerlinguisten auf massive Datenmengen zurückgreifen können, gibt es nur wenig Material in Mundart. Dies scheint die Entwickler nicht abzuschrecken: «Unsere App ist sehr robust», sagt Stephan Fehlmann, Business Development Manager der Spitch AG. Damit meint er, dass die Software Variationen eines Wortes selber erkennen kann, obwohl es nicht direkt in der Datenbank abgespeichert ist. Der Appenzeller Dialekt wird innerhalb der Software von Spitch dem linguistischen Grundstamm «Ostschweiz» zugeordnet. Obwohl der Appenzeller Dialekt noch nicht spezifisch eingespeist wurde, versteht das Gerät in vielen Fällen trotzdem, was der Benutzer meint. Falls das Programm ein Wort nicht verstehen sollte, meldet es dies den Entwicklern automatisch. Danach heisst es, der Software das Wort manuell beizubringen.

In der Spracherkennungssoftware der Recapp AG laufen die Prozesse gleich ab. Dem Programm werden die Dialekte nicht spezifisch beigebracht. «Es muss bedacht werden, dass die Dialekte nur nach unserem Empfinden sehr verschieden sind. Für den Computer ist dies nicht der Fall», erklärt David Imseng, CEO der Recapp AG. Jeder Dialekt weise eine Ähnlichkeit mit dem Hochdeutschen auf. Und die Software kann auf diese Datenbanken zurückgreifen. Gesamtschweizerisch gesehen würde die Software von Spitch eine Treffersicherheit von über 90 Prozent aufweisen, so Fehlmann. Da das Programm auf eine einzige «Domäne» – in diesem Fall das Erkennen von Abfahrts- und Zielort – beschränkt sei, könne die Genauigkeit gezielt verbessert werden.

Der erste Schritt in Richtung Zukunft

Es stellt sich hierbei die Frage nach der Notwendigkeit. Ganz abgesehen davon, dass nur die wenigsten Handy-Nutzer mit ihren Geräten in der Öffentlichkeit kommunizieren, ist es den Schweizerinnen und Schweizern wirklich so schwer zumutbar, einen Satz auf Hochdeutsch ins Gerät zu sprechen? Es ist kaum vorstellbar, dass die hier vorherrschende Sprachbarriere die Nutzung der neuen Technologie verhindern sollte. Stephan Fehlmann relativiert diese Aussagen. Die Fahrplan-App sei nur der Anfang. Die SBB wie auch andere Firmen würden vor allem zukünftige Verwendungsmöglichkeiten ins Auge fassen. So könnte die Technologie zum Beispiel eine grosse Hilfe für Sehbehinderte darstellen.

Mit der Testversion der App werde vor allem beobachtet, ob und wie sie genutzt werde. Bisher sehen die Zahlen vielversprechend aus: 250000 Personen hätten die Testversion heruntergeladen. Es sei auch nicht zu unterschätzen, welchen Einfluss das Hochdeutsch auf das Benutzerverhalten habe, so Fehlmann. «Es ist einfach sympathischer, wenn man in seiner eigenen Sprache reden kann.» In anderen Ländern werden die Sprachfunktionen bereits rege genutzt. Sei es die Bedienung des Gerätes mit Sprachbefehlen oder das Versenden von Sprach- anstatt Textnachrichten: «Der Trend wird auch irgendwann in der Schweiz ankommen.»

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