Sprach-Los

«Bier braucht Heimat» lautet ein bekannter (und in meinen Ohren sehr treffender) Werbespruch für ein regionales Produkt. Und eines dieser heimatlichen Getränke heisst (in meinen Ohren ebenso schön und treffend) «Quöllfrisch».

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«Bier braucht Heimat» lautet ein bekannter (und in meinen Ohren sehr treffender) Werbespruch für ein regionales Produkt. Und eines dieser heimatlichen Getränke heisst (in meinen Ohren ebenso schön und treffend) «Quöllfrisch». Ich meine: Was für das Bier gilt, das ist auch von der Sprache zu sagen. Auch Sprache braucht Heimat – damit wir uns in ihr zu Hause fühlen können. Denn die Sprache ist «das Haus des Menschen» (Martin Heidegger, Philosoph). Darum halte ich es für eine sehr bedauerliche Entwicklung, dass immer mehr Schlagwörter aus der angloamerikanischen Welt unser Sprachhaus bewohnen: Da macht eine ehemals so typisch schweizerische Institution wie die SBB Werbung für «Snow'n'Rail» (man fragt sich, ob das ein Mensch, dessen Muttersprache nicht Englisch ist, überhaupt aussprechen kann). Also mir persönlich gefällt «Ski(s)pass» wesentlich besser. Da können wir auf der Post unsere Weihnachtspäckli «Priority» oder «Economy» abschicken, versehen mit einer ganz persönlichen Briefmarke – was dann «WebStamp easy» heisst. Und neulich stand in dieser Zeitung zu lesen (Ausgabe vom 22. November), dass bei uns Primarschulkinder sich in der «Just Community» einüben. Zuerst dachte ich, dass die Just-Vertreter wirklich sehr erfolgreich geschäftet haben müssen, wenn bereits Sechsjährige ihre Produkte vermarkten. So weit ist es dann aber doch noch nicht: Es geht in unseren Schulstuben nicht um ein neues Vertriebsnetz für Schönheitsmittel – sondern um die «Gerechte Gemeinschaft». Gutes Stichwort, «Gemeinschaft». Eine Gemeinschaftsstifterin ersten Ranges ist (oder wäre) doch eine gemeinsame Sprache. Aber wie gesagt: Sprache braucht Heimat, damit wir uns in ihr zu Hause fühlen. Sonst kommen wir uns mehr und mehr wie Fremde im eigenen Haus vor. Denn dass uns die ganze Welt zur Heimat wird, wenn alle überall die gleichen Schlagwörter brauchen, kann ich nicht glauben. Weil dann ja niemand mehr eine eigene Sprache hätte. Die Welt als eine einzige riesige Monokultur – nichts als Mais, oder eben «Corn», so weit das Auge reicht. Langweilig! Die Sprache ist Ausdruck unseres Denkens. Und das wiederum ist Ausdruck unseres Wesens. Die Sprache macht den Menschen zum Menschen. Und wenn er sie vernachlässigt, dann geht er eigentlich mit sich selber schlecht um, vernachlässigt sein eigenes Wesen, entfremdet sich von sich selbst, verarmt geistig. Ist nirgends mehr zu Hause.

Und das fände ich sündhaft schade!

Hans Konrad Bruderer, Heiden

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