SPORTSCHIESSEN: Polizei-EM im Visier

Stefan Fuchs will hoch hinaus: Der Pistolenschütze wird sich demnächst mit den Besten Europas messen. Dafür muss er sich intensiv vorbereiten, denn Schiessen erfordert weit mehr als nur eine ruhige Hand.

Elias Eggenberger
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Stefan Fuchs trainiert in der Schiesssportanlage Teufen seit 2012. (Bild: Elias Eggenberger)

Stefan Fuchs trainiert in der Schiesssportanlage Teufen seit 2012. (Bild: Elias Eggenberger)

Elias Eggenberger

elias.eggenberger@ appenzellerzeitung.ch

17 Uhr am Montag in der Schiesssportanlage Teufen: Hier verbringt der Polizist Stefan Fuchs einen beträchtlichen Teil seiner Freizeit. Der 41-Jährige trainiert 15 bis 25 Stunden pro Woche für sein grosses Ziel. Im Juli geht er an die Polizei-Europameisterschaften nach Kasan, Russland. Dort will er einen Diplomrang erreichen. Angefangen hat Fuchs 2012, als er in den Pistolen-Sportschützenverein Teufen eintrat. «Ich wollte einen Sport machen, der mich nicht nur körperlich fordert», sagt er. Beim Pistolenschiessen stünden Konzentration und mentale Stärke im Zentrum. Zu seinem Alltag als Verkehrspolizist sei das eine gute Abwechslung. Ein Jahr nach seinem Eintritt in den Schützenverein bekam Fuchs ein Telefon eines befreundeten Polizisten, der in der Polizeinationalmannschaft ist. Dieser habe seine Resultate gesehen und fand, dass Fuchs ein gutes Mitglied für die Nationalmannschaft wäre. Seit Februar 2013 ist Fuchs Mitglied der Polizeinationalmannschaft. «Anfangs war ich natürlich ein Frischling, doch dann trainierte ich immer intensiver», erinnert er sich. 2015 hätte die Polizei-EM in der Türkei stattfinden sollen, doch aufgrund der dort herrschenden Unruhen wurde sie ins Jahr 2017 verschoben. Stefan Fuchs witterte seine Chance: «2015 wäre zu früh gewesen für mich. Dadurch, dass die EM um zwei Jahre verschoben wurde, hatte ich genügend Zeit, mich vorzubereiten.» Seither hat der Teufner sein Training intensiviert und angefangen konkret auf sein Ziel hinzuarbeiten. Dabei kam ihm auch sein Trainingsstandort, die Schiesssportanlage Teufen, zugute. Er traf dort die Nationaltrainerin des Schweizerischen Schiesssportverbands, die ihn seither betreut. Dank erfolgreicher Vorbereitung gelang es ihm, sich für die EM zu qualifizieren. Dafür musste er dreimal eine Punktelimite überschiessen. Diese Limite sei ungefähr die Punktzahl, die es brauche, um sich an der EM unter den besten Zehn zu klassieren. Fuchs überschoss sie mittlerweile achtmal. Einige in der Nationalmannschaft hätten Mühe diese Limite zu überschiessen, da die Zeit fürs Training fehle.

Fuchs schiesst mit einer Zentralfeuerpistole. Eine Patrone dafür kostet knapp einen Franken. Das führt zu hohen Auslagen: Der Polizist rechnet für die gesamte Vorbereitung mit rund 5000 Franken Munitionskosten. Dazu kommt der Rest der Ausrüstung sowie Kost und Logis in Russland. Die Teilnahmegebühren, die Reise und der Aufenthalt in Russland werden je zu einem Drittel von der Polizeisportkommission und der Kantonspolizei Ausserrhoden übernommen. Den Rest bezahlt Fuchs aus der eigenen Tasche. Damit das Loch im Portemonnaie nicht zu gross wird, macht er Crowdfunding auf der Webplattform «I believe in you». Die Aktion dauert noch 14 Tage. Wer ihn unterstützt, bekommt eine Gegenleistung. «Ich will etwas zurückgeben und damit vor allem auch den Schiesssport fördern», sagt er. So bietet er beispielsweise ein gemeinsames Training an. «Schiessen ist nämlich vielmehr, als man denkt», verrät er. Bis er bei einem Training mit dem Schiessen beginne, daure es über eine halbe Stunde. In dieser Zeit müsse er sich mental vorbereiten sowie Muskeln und Augen einwärmen. «Beim Schiessen muss man kein Kraftpaket sein, das Muskeltraining ist aber trotzdem nicht wegzudenken», sagt der 41-Jährige. Dabei gehe es vor allem um deren Zusammenspiel. Wann welcher Muskel was macht, sei entscheidend. Auch Gedankengänge würden eine Rolle spielen. Wenn die Gedanken abschweifen, habe das einen Einfluss auf das Resultat. «Verschiedene Faktoren müssen zusammenspielen. Diese muss man einzeln trainieren und am Ende das Puzzle zusammensetzen», so Fuchs.

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ibiy.net/StefanFuchs