Sport verbindet 23 Nationen

In der Kampfkunstschule Xing Wu Guan Wattwil trainieren Schweizer und Ausländer miteinander. Multikulti-Probleme wegen der verschiedenen Nationalitäten gibt es keine.

Urs Huwyler
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In der Kampfkunstschule von Peer Steinkellner (links) trainieren während der Woche insgesamt Schülerinnen und Schüler aus 23 Nationen. (Bild: Urs Huwyler)

In der Kampfkunstschule von Peer Steinkellner (links) trainieren während der Woche insgesamt Schülerinnen und Schüler aus 23 Nationen. (Bild: Urs Huwyler)

WATTWIL. Indonesien, Österreich, China, Brasilien, Serbien, Kosovo, Costa Rica, Ägypten, Thailand, Italien, Schweiz, Frankreich, Deutschland, Rumänien, Türkei, Sri Lanka oder beispielsweise Tschechien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus insgesamt 23 Nationen trainieren in der Kampfkunstschule Xing Wu Guan Wattwil. In den einzelnen Kampfstilgruppen kümmert es niemanden, ob es sich beim Partner um einen Mitteleuropäer oder Asiaten handelt, die Angriffe eines Südamerikaners oder Kämpfers aus dem Osten gekontert werden müssen.

«Herkunft spielt keine Rolle»

Schulleiter Peer Steinkellner, deutsch-schweizerischer Doppelbürger mit dem sportlichen Hang zu China, fragte sich bei der Flüchtlingsproblematik, den schockierenden Bildern und Diskussionen zu Asylanten und Ausländern, aus wie vielen Ländern bei ihm Schülerinnen und Schüler trainieren. «Über die Anzahl bin ich selbst erstaunt», sagt Peer Steinkellner. «Aber bei uns fällt dies nicht auf und interessiert niemanden, weil es keine Rolle spielt.» So wundern sich auch die Kampfkunstschüler, als ihre Nationalitäten bekannt werden. «Was? Du bist…», ist sinngemäss mehrmals zu hören.

Unterschiedliche Mentalitäten

Vor dem Training spielen Kinder mit thailändischen, italienischen und französischen Wurzeln in der richtigen Sportbekleidung mit einem Chihuahua eines erwachsenen Schulkollegen. Der kleine Hund interessiert vorübergehend mehr als das, was in den beiden Mattenhallen und im Kraftraum läuft. Roland aus dem Vorarlbergischen beobachtet das Treiben lächelnd. Sport bleibe im Gegensatz zur Politik völkerverbindend, stellt er fest. Er besucht den Sanda-Unterricht, weil die Beweglichkeit und Körperbeherrschung ganzheitlich geschult werde. In einer Gruppe zu üben mache zudem mehr Spass, fordere ihn stärker, als wenn er alleine für sich trainiere, fügt er an.

Peer Steinkellner ist gleichentags Vater einer Tochter namens Mia geworden. Auch die Gratulationen der Eltern wirken völkerverbindend. Dass nicht alle aus dem Toggenburg oder Emmental stammen, ist erkenn- und deutschsprachig hörbar. Wer etwas nicht versteht, fragt nach. Alles kein Problem. «Ob irgendwann weitere Nationen dazukommen, ändert nichts. Wir trainieren zusammen und es passt», sagt Peer Steinkellner. Einen Unterschied hat er allerdings erkannt: Vom persönlichen Einsatz, vom Ehrgeiz, vom Willen, vom Temperament her gebe es im Training geographische Unterschiede. Der Schweizer wolle eher in kürzester Zeit möglichst viel Neues kennenlernen, nehme in Kauf, dass er nicht alles perfekt beherrsche. Kampfkunstschüler aus dem Osten gingen dagegen Schritt für Schritt weiter. Erst wenn ein Wurf klappe, komme der nächste dazu. «Die Mentalitäten machen die Sache zusätzlich spannend», fügt der geschulte Leiter an.