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SPITZENKOCH: Anton Mosimanns trauriges Geheimnis

Diese Woche hat Gastrolegende Anton Mosimann seine Autobiografie veröffentlicht. Darin macht er publik, dass er als Kind missbraucht wurde. Co-Autor ist der Schwellbrunner Willi Näf.
Patrik Kobler
Spitzenkoch Anton Mosimann (rechts) mit Autor Willi Näf in London. (Bild: PD)

Spitzenkoch Anton Mosimann (rechts) mit Autor Willi Näf in London. (Bild: PD)

Es war nicht vorgezeichnet, dass sich die Wege von Anton Mosimann und Willi Näf eines Tages kreuzen würden. Der eine ist berühmt als «Koch der Queen». Seit bald 30 Jahren betreibt der Schweizer in London ein Clubrestaurant für die Schönen und Reichen. Der andere ist ein Bauernsohn aus Schwellbrunn, der nach der Kochlehre die Schürze an den Nagel hängte und sich ab 1990 seiner eigentlichen Passion widmete: dem Schreiben. Nach Jahren als Redaktor beim Lokalradio und bei Magazinen arbeitet er seit 1999 als freier Autor, Satiriker, Ghostwriter und Texter.

Vor zwei Jahren erhielt der Heimwehappenzeller und Wahlbaselbieter einen Anruf. «Ein Herr Mosimann war dran. Er wolle seine Autobiografie schreiben, sagte er, und ich sei ihm als Autor empfohlen worden», erinnert sich der 48-Jährige. Anfangs sei ihm gar nicht bewusst gewesen, wer am andern Ende der Leitung war, erst als dieser «Mosimann, London» sagte, sei der Groschen gefallen. Nach einem ersten Treffen in der Schweiz reiste Willi Näf nach England in die Welt des Spitzenkochs. Normalerweise verkehren dort die Königsfamilie, US-Präsidenten, Hollywoodstars oder Sportidole. Das Gästebuch liest sich wie das Verzeichnis der oberen Zehntausend des Planeten: Annan, Arafat, Blair, Bush, Carter, Connery... Federer schrieb: «We had an absolute wonderful time here.»

«Ich habe das noch nie einem Menschen erzählt»

Anton Mosimanns Welt ist die Sonnenseite. Doch je näher sich die beiden bei der Arbeit kamen, desto mehr offenbarte der 70-Jährige seinem Autoren auch die Schattenseiten seines Lebens. Kurz bevor Willi Näf in die Schweiz zurückreisen wollte, nahm ihn der Schnauzträger zur Seite und sagte ihm: «Was ich dir jetzt erzähle, habe ich noch nie einem Menschen erzählt, nicht einmal meiner Frau. Ich bin als Bub sexuell missbraucht worden.» Ein jüngerer Mann aus der Nachbarschaft hatte den Siebenjährigen auf eine Lambretta gesetzt und war mit ihm in den Wald gefahren. Mindestens zweimal. «Er hat mir gedroht, dass er mich zusammenschlagen oder umbringen würde, wenn ich es jemandem sage. Da bin ich heim, habe mich verkrochen und habe geschwiegen», erinnert sich Mosimann. Viele Jahre später habe er sich gefragt, ob es nicht einfach bloss ein böser Traum gewesen sei. Dafür habe er aber zu viele detaillierte Erinnerungen im Kopf. Ausserdem hätten Nachforschungen die Geschichte bestätigt. Anton Mosimanns Geständnis habe ihn sehr berührt, sagt Willi Näf.

«Mir sass wirklich der kleine Bub von damals gegenüber.» Sie hätten sich lange darüber unterhalten, ob sie die Geschichte ins Buch aufnehmen sollen oder nicht. Da diese Geschichte eben auch zu Mosimanns Leben gehört, haben sie sich dafür entschieden.

Leseabende in der OstschweizDer Spitzenkoch hadert nicht mit der Vergangenheit: «Das Leben hat es wahnsinnig gut gemeint mit mir», bilanziert er am Ende der Autobiografie, die diese Woche unter dem Titel «Life Is a Circus» erschienen ist. Näf freut sich über das gut drei Kilo schwere Werk. «Ich wollte nicht Anton Mosimanns Heldentaten aneinanderreihen, sondern auch die Regentage schildern, unbekannte Episoden erzählen und überraschende Facetten seines Lebens abbilden», sagt er. Platz eingeräumt hat er auch Mosimanns Frau Kathrin, die in Oberuzwil aufgewachsen ist.

Erzähl- und Leseabende in der Ostschweiz

Näf bietet auch in der Ostschweiz Erzähl- und Leseabende an, in denen er nicht zuletzt von dem berichtet, was zwischen den Zeilen steht. Und bereits im Oktober steht die Vernissage eines Projekts an, das er bereits vor Mosimanns Anruf abgeschlossen hatte – seinen ersten Roman.

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