Spitex-Vereinbarung unter Dach

WATTWIL/LICHTENSTEIG/KRINAU. Der Spitex-Verein Wattwil-Lichtensteig-Krinau hat mit den Vertragsgemeinden eine neue Leistungsvereinbarung abgeschlossen. Darin ist vor allem die Defizitdeckung anders geregelt. Die Auswirkungen der Akut- und Übergangspflege sind für die stetig wachsende Spitex noch nicht abschätzbar.

Hansruedi Kugler
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Die Spitex-Dienstleistungen sind immer gefragter und nehmen jedes Jahr über fünf Prozent zu. (Bild: Sabine Schmid)

Die Spitex-Dienstleistungen sind immer gefragter und nehmen jedes Jahr über fünf Prozent zu. (Bild: Sabine Schmid)

WATTWIL/LICHTENSTEIG/KRINAU. Letzte Woche hat der Gemeinderat Lichtensteig in seinem Mitteilungsblatt die Unterzeichnung der Leistungsvereinbarung mit dem Spitex-Verein Wattwil-Lichtensteig-Krinau bekanntgegeben. Vor Jahresfrist noch drohte Lichtensteig mit dem Austritt. Spitex-Präsidentin Hélène Spielhofer räumt zwar ein, dass der angedrohte Austritt den Druck zu einer Reform erhöht habe. Aber auch die anderen beiden Vertragsgemeinden hätten Kostentransparenz gefordert. «Die unter Spardruck geratenen Toggenburger Gemeinden wollten vor allem wegen der regelmässigen und teils hohen Defizite der Spitex eine neue Regelung», sagt Hélène Spielhofer. Damit habe sie überhaupt kein Problem und sieht in der von ihr vorgeschlagenen Lösung eine gute Grundlage. Damit hat ihr Spitex-Verein eine Vorreiter-Position.

Deckung statt Giesskanne

Schon an der Hauptversammlung im April diesen Jahres hat Hélène Spielhofer, die seit Frühling 2010 Spitex-Präsidentin ist, darum in Grundzügen die neue Leistungsvereinbarung vorgestellt: Hauptpunkt ist dabei die Deckung des Defizits. Ein Defizit entsteht bei der Spitex fast zwangsläufig, da die effektiven Vollkosten höher sind als die von den Krankenkassen übernommenen Beträge und den Beiträgen der Spitex-Kkunden, unter anderem wegen der von der Krankenkasse nicht übernommenen Fahrtkosten bei Spitex-Einsätzen. Eine Überwälzung dieser Mehrkosten auf die Kunden will man aber vermeiden, um so ein zahlbares Angebot bei der Hauspflege und bei der Hauswirtschaft zu ermöglichen. Bisher teilten sich der Spitex-Verein und die Vertragsgemeinden Wattwil, Lichtensteig und Krinau das entstandene Defizit untereinander auf. Der Gemeindeanteil berechnete sich aus der Einwohnerzahl, aber unabhängig von den tatsächlich bezogenen Leistungen. Mit der neuen Leistungsvereinbarung zahlen nun die Gemeinden die Differenz zwischen den vom Krankenversicherungsgesetz abgedeckten Leistungen und Patienten-Beteiligungen einerseits und den Vollkosten anderseits. Und zwar nur noch für die in ihren jeweiligen Gemeinden bezogenen Leistungen.

Lichtensteig ist zufrieden

Lichtensteigs Stadtpräsident Roger Hochreutener, der noch vor Jahresfrist mit der Kündigung gedroht hatte, ist mit der neuen Leistungsvereinbarung zufrieden: «Wir kaufen nun Dienstleistungen zu definierten Qualitätsstandards ein und garantieren die Differenz zwischen den Krankenkassen-Tarifen und den Vollkosten», fasst Roger Hochreutener zusammen. «Aber die finanzielle Verantwortung für die optimale Organisation der Spitex-Unternehmung und der Einsätze obliegt neu dem Spitex-Verein. Allfällige Unternehmens-Defizite tragen also nicht mehr die Gemeinden, sondern der Spitex-Verein. Das ist eine saubere Lösung.»

Für die Gemeinden biete die neue Leistungsvereinbarung eine detaillierte Kostenrechnung, für die Spitex eine kontinuierliche Finanzierung und ebenfalls Kostentransparenz, erklärt Hélène Spielhofer. Diese Transparenz sei möglich, weil die Spitex Wattwil-Lichtensteig-Krinau «seit 2009 eine saubere Kostenrechnung führt, die uns auch einen Vergleich mit anderen Spitex-Vereinen erlaubt», erklärt Hélène Spielhofer. Aufgrund dieser Kostenrechnung sieht man, wie viele Stunden die Mitarbeiterinnen in welcher Gemeinde für die Pflege und die Hauswirtschaft im Einsatz sind.

Akut- und Übergangspflege

An der Hauptversammlung im April kündigte Hélène Spielhofer an, dass im Verlauf des 2011 Nachverhandlungen mit den Gemeinden stattfinden werden. Im Grundsatz hat sich an der damals vorgestellten Leistungsvereinbarung nichts mehr verändert. Diskutiert hat man aber die Tarife bei den hauswirtschaftlichen Leistungen. Man hat zudem entschieden, dass auch im Bereich Hauswirtschaft die Defizitdeckung geändert wird und man wollte sich Zeit geben, die voraussichtlichen Auswirkungen der Akut- und Übergangspflege besser einzuschätzen. Diese werde den Gemeinden ab 2012 Mehrkosten bescheren. Wie gross diese sind, vermag Hélène Spielhofer noch nicht vorauszusehen: «Bisher spüren wir noch nicht viel davon. Das kann sich aber ändern und hängt in erster Linie vom Verhalten der Spitäler ab. Finanziell ist die Akut- und Übergangspflege für die Gemeinden eine schwer voraussehbare zusätzliche Belastung. Für die Spitex stellt sich eher die Frage, ob wir zur richtigen Zeit die passenden Personalressourcen haben, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig.» Denn wie gross die Nachfrage werde, sei «derzeit das grosse Rätsel». Hélène Spielhofer sieht aber gelassen auf das kommende Jahr: «Wir haben mit Trudi Fischer eine hervorragende Stützpunktleiterin, die das Personalmanagement und die Einteilung der Einsätze gerade in unserem weiträumigen Gebiet im Griff hat.»

Keine Änderung für Kunden

Für die Spitex-Kunden ändert sich durch die Vereinbarung nichts, da der Leistungskatalog unverändert bleibt und weil die Tarife durch die Krankenkassen bestimmt werden. Bei der Hauswirtschaft hatte die Spitex auf 2011 eine leichte Tarif-Erhöhung vorgenommen. Die gesamthaft budgetierten Beiträge der drei Vertragsgemeinden belaufen sich für das Jahr 2011 gemäss Hochrechnung auf 335 000 Franken. Für 2012 rechnet Hélène Spielhofer mit einem Betrag im gleichen Rahmen, «da einerseits neu der Patientenbeitrag den Gemeinden zugute kommt, anderseits aber die Beiträge für Akut- und Übergangspflege nur grob budgetiert werden können», sagt Hélène Spielhofer. Die Leistungsvereinbarung liegt derzeit unterschriftsbereit beim Gemeinderat Wattwil und beim Gemeinderat Krinau, die aber beide schon länger das Einverständnis signalisiert haben, wie bei den jeweiligen Gemeinderatsschreibern Pascal Sidler und Edith Baur-Meyer zu erfahren ist.