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Spital Heiden – die Zeit läuft ab

Leserbrief

1969 machte ich als Unterassistent mein erstes Praktikum im damals neuen Spital Heiden. Nebst zwei Assistenten war da vor allem Dr. Niederer als alleiniger Chefarzt verantwortlich für die Chirurgie, Anästhesie, Geburtshilfe und Gynäkologie, die Innere Medizin und das Röntgen. Das Spital, getragen vom Bezirk Vorderland plus Oberegg, kannte keine Existenzsorgen. Das Vertrauen der Bevölkerung war selbstverständlich, auch wenn medizinisch gesehen nicht immer alles so herauskam, wie es schon damals möglich gewesen wäre. Heute, fast 50 Jahre später, hat sich vieles radikal geändert: Das Spital Heiden ist Teil des kantonalen Spitalverbunds und dort Hauptursache für die massiven Betriebsdefizite. Es beschreibt sein Leistungsangebot wie folgt («Appenzeller Zeitung» 2. Juni): «Zeitgemässe, medizinische Grundversorgung mit hochqualifizierten Ärzten. Sie umfasst eine moderne Notfallstation, Innere Medizin mit den Fächern Diabetologie, Gastroenterologie, Kardiologie, Pneumologie, Onkologie, Urologie, eine Anästhesieabteilung mit interdisziplinärer Überwachungsstation, Chirurgie mit den Fächern Traumatologie und Unfallchirurgie, Gefäss- und Thoraxchirurgie, Handchirurgie, Koloproktologie, ORL, Hals- und Gesichtschirurgie, Orthopädie, Viszeralchirurgie, Wundambulatorium sowie Frauenheilkunde mit Gynäkologie, Geburtshilfe und Urogynäkologie.» Das tönt eher nach verzweifelter Übertreibung angesichts sinkender Patientenzahlen als nach einem überzeugenden Konzept. Das Kantonsspital St. Gallen hat über 20 (!) verschiedene Kliniken und Abteilungen, um dieses Spektrum abzudecken. Der gute Wille des Spitalpersonals in Heiden steht ausser Frage. Trotzdem ist ein Akutspital für Heiden unter den heutigen Rahmenbedingungen ein unerfüllbarer Wunschtraum. Ursachen dafür sind: 1. Das viel zu kleine Einzugsgebiet mit einer Bevölkerung von rund 20 000 und mehreren, konkurrierenden Spitälern. 2. Die Aufsplitterung der Medizin in immer mehr Spezialgebiete, die es für kleine Spitäler schwierig macht, jene Fallzahlen zu erreichen, die für gute Qualität nötig sind. 3. Dies vermindert ihre Attraktivität für hochqualifizierte Spezialärzte. Zudem scheuen sie die langen Präsenzzeiten in kleinen Teams, um die durchgehende (und sehr teure) Verfügbarkeit der Angebote zu gewährleisten. 4. Qualitätsansprüche und Mobilität der Patienten wachsen. Entscheidend für ihre Spitalwahl sind Vertrauen und renommierte Spezialärzte. Solidaritätskundgebungen und Petitionen der Bevölkerung sind dagegen unverbindlich. Wenn es im Krankheitsfall um die eigene Haut geht, sind sie rasch vergessen. 5. Der Druck zu Erfüllung der unrealistischen, finanziellen Vorgaben macht das Spital für Ärzte und Pflegende zusätzlich unattraktiv. Die zwingende Schlussfolgerung lautet: Unter den gegebenen Umständen ist die medizinisch und finanziell erfolgreiche Führung eines Akutspitals in Heiden nicht mehr möglich. Die regelmässig revidierten und scheiternden «Strategien» des Spitals, die Brüchigkeit des Ärzteteams und die grossen Defizite bestätigen diese Tatsache. Das Versagen der Spitalleitung und des Regierungsrates liegt nicht darin, dass sie für ein unerreichbares Ziel keine erfolgreiche Strategie finden, die es gar nicht gibt . Es liegt darin, nicht zu sehen, dass sie das Ziel ändern müssen. Es geht darum, eine realistische Alternative zum Akutspital zu finden, die der Bevölkerung dient und finanzierbar ist. Dies ist eine unpopuläre Wahrheit. Sie der Bevölkerung zu erklären, erfordert Mut. Regierung und Svar haben ihn bisher nicht gefunden. Eher verschleudern sie Steuermillionen für die unzweckmässigste und teuerste aller Varianten: Die Finanzierung eines halbleeren Spitals plus die Kosten für Hospitalisationen in anderen Spitälern. Immerhin gibt es jetzt auch Parteien die es wagen, das Spital Heiden offen in Frage zu stellen (z. B. «SVP stellt Spital Heiden in Frage». App. Zeitung 14. 10.) und es ist zu hoffen, dass der Kantonsrat am 30. 10. die Weichen in diese Richtung stellt. Es wäre dann endlich eine offene Diskussion über zukunftsfähige Alternativen zum Akutspital möglich. Sie ist dringend nötig, und sie wird schwierig. Eine gute Lösung erfordert unsere ganze Unbefangenheit, Realitätssinn und Kraft.

Dr.med. Hansueli Schläpfer, Herisau

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