SPITAL APPENZELL: Lange Wunschliste des Appenzeller Spitalpersonals

Bei einem Rundgang durch das Spital Appenzell dringen mehrere Hoffnungen durch— die Hoffnungen, dass ein Neubau Abläufe vereinfacht, mehr Platz schafft, Doppelspurigkeiten ein Ende setzt. Für Operationen werden Patienten heute bei der Lifttüre umgebettet.

Roger Fuchs
Drucken
Teilen
Bei der Lifttüre, in einem Raum zwischen Materiallager und OP-Säälen, werden Patienten heute auf das OP-Bett umgelagert. Dorothee Takkal-Tschannen und Karl Heinzle von der OP-Pflege erläutern die schwierigen Platzverhältnisse und sprechen angesichts dessen über verbesserungswürdige Abläufe. (Bild: Roger Fuchs)

Bei der Lifttüre, in einem Raum zwischen Materiallager und OP-Säälen, werden Patienten heute auf das OP-Bett umgelagert. Dorothee Takkal-Tschannen und Karl Heinzle von der OP-Pflege erläutern die schwierigen Platzverhältnisse und sprechen angesichts dessen über verbesserungswürdige Abläufe. (Bild: Roger Fuchs)

Die Eindrücke vom Tag der offenen Tür vor zwei Jahren bei der Berit-Klinik in Speicher im Hinterkopf, sieht man sich am Spital Appenzell in eine andere Zeit versetzt — zurückversetzt. Zwar verfügt der Betrieb über zeitgemässe medizinische Apparaturen, doch die ganze Atmosphäre, die vielen gekachelten Wände, die Farbgebung, der Teppich, offene Heizungsschlaufen, die WC-Infrastrukturen und mehr erinnern an Grossmutters Zeiten. Wie es Angestellten geht, zeigt ein Rundgang. Die Angetroffenen setzen angesichts der politischen Debatte um ein neues Ambulantes Versorgungszentrum Plus viele Hoffnungen in einen Neubau.

Durch einstige Umkleidekabine in den OP-Bereich

Dorothee Takkal-Tschannen und Karl Heinzle von der Operationspflege sowie Anästhesiepflegerin Erika Budai-Lengyel haben gerade Dienst und öffnen die Türen zum Herz des Spitals, dem Operationsbereich. Erreichbar ist dieser für das Personal durch die ehemalige Umkleidekabine der Herren, die verlegt wurde. Gleich neben dem Durchgang die Umkleidekabine der Frauen. «Wenn sich am Morgen sechs Frauen umziehen müssen, kommt man kaum aneinander vorbei», so Dorothee Takkal-Tschannen. Und noch mehr macht ihr Sorgen. Dieser Tage hätten sie im OP-Saal ein Problem mit der Lüftung gehabt, was wohl durch das Alter der Anlage bedingt sei. Auch spricht sie von einem WC, dessen Röhre immer verstopft sei. Sorgen bereitet ihr ebenso der Materialraum. Alles sei sehr klein. Und Rollschränke oder Lifte, um die schweren Instrumentenkoffer rückenschonend vom Gestell zu holen, gebe es nicht. Dorothee Takkal-Tschannen, Karl Heinzle und Erika Budai-Lengyel zeigen, wie die Patienten im OP-Bereich per Lift ankommen. Die Umlagerung auf das OP-Bett muss direkt bei der Lifttüre stattfinden. Sollten jetzt noch etwelche Apparate herumgeschoben werden müssen, geht dies nicht. Enge zeigt sich auch im Anästhesieraum. Und damit der Operationssaal die gesetzlich geforderte Grösse hat, musste einst ein Anbau gemacht werden. In einem Zimmer gleich neben dem Operationsbereich werden die chirurgischen Instrumente gereinigt. Zur Sterilisation müssen diese mit dem Bettenlift in den oberen Stock transportiert werden und schliesslich wieder hinunter in den Materialraum. Definitiv keine optimalen Abläufe, wie von den Dreien zu erfahren ist.

Im Freien zeigt Markus Bittmann, Direktor des kantonalen Spitals und Pflegezentrums Appenzell, nochmals hinauf zum ersten Stock, wo der Anbau der Operationssääle hinaussteht. Überhaupt sei das ganze Spital ein Flickwerk, bilanziert er. Zwar stünden ihnen für die Operationen die modernsten Geräte zur Verfügung und auch die Spitalbetten seien zeitgemäss, doch die bauliche Infrastruktur des Hauses lasse zu wünschen übrig. Beim Rundgang macht er im Sekretariat auf Wasserschäden in der Decke aufmerksam, spricht davon, dass der Durchgang zwischen dem Empfangsgebäude und dem eigentlichen Spitaltrakt rinne und in seinem Büro löst sich die Decke. Für Markus Bittmann steht fest: Selbst bei einer Ablehnung des Ambulanten Versorgungszentrums Plus mache es keinen Sinn, in dieses Gebäude zu investieren. «Man müsste viel zu tief eingreifen.»

Vision: Zentrales Überwachungscockpit

Vorbei an Tagesklinik, stationärer Abteilung und Aufwachraum zeigt sich: Überall steht Personal bereit, um die Vitalfunktionen der Patienten zu überwachen. «Diese Organisation führt zu Doppelspurigkeiten», so Markus Bittmann. Zum Vergleich zieht er Münsterlingen herbei, ein Spital mit einer grossen Überwachungsstation, einer Art Cockpit. Von da aus könne alles zentral überwacht und organisiert werden. Solches sei nicht nur sicherer für die Patienten, sondern auch weniger personalintensiv, sagt Bittmann. Konkret spricht er in Bezug auf die Produktivität bei einer Neuorganisation von Einsparungen von schätzungsweise um die zwanzig Prozent. Umgekehrt erfordert dies erhöhte Qualifikationen. Doch gemäss Spitaldirektor ist Appenzell in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Viele Mitarbeitende würden nach einigen Jahren in einem Zentrumsspital auch gerne wieder nach Appenzell zurückkehren.

Postoperativen Betreuung gerechter werden

Auf dem Rundgang weiter anzutreffen ist Narkosearzt Kurt Frank. Er wünscht sich ein Spital, das einer intensiven postoperativen Betreuung mit entsprechenden Zimmern und Installationen mehr Rechnung tragen kann. Konkret spricht er davon, das sich heute beispielsweise die Herzbelastung gut über einen ins Herz führenden Katheter messen liesse. In Appenzell hat man diese Apparatur nicht. Deshalb schaue man den Patienten an und beobachte, ob die Halsvenen dicker herausstehen. Wobei Markus Bittmann an dieser Stelle ergänzt. «Wir machen nichts, das gefährlich ist, doch wir könnten uns weiter professionalisieren.» Und sei der Zustand bei einer Patientin oder einem Patient schon vor einer Operation kritisch, würde diese Person nach Herisau oder St. Gallen verlegt.

Der Rundgang endet, wo er begonnen hat: Beim Eingang, wo sich das Sekretariat befindet. Von der Empfangsdame Anny Fuchs ist zu hören, dass sie dauerndem Luftzug ausgesetzt seien. Ein Satz, fast schon symbolisch für die aktuelle Debatte ums «AVZ +». Wohin der Wind dieses Projekt an der Landsgemeinde trägt, bleibt abzuwarten.

Anbau, damit die Operationssääle die geforderte Grösse haben.

Anbau, damit die Operationssääle die geforderte Grösse haben.

Enge Verhältnisse im Anästhesieraum.

Enge Verhältnisse im Anästhesieraum.

In diesem Raum müssen sich am Morgen bis zu sechs Frauen umkleiden.

In diesem Raum müssen sich am Morgen bis zu sechs Frauen umkleiden.

Spitaldirektor Markus Bittmann beim Eingang zur heutigen Notfallstation.

Spitaldirektor Markus Bittmann beim Eingang zur heutigen Notfallstation.

Besprechung in einem der Personalzimmer. Der Spitaldirektor wünscht sich für die Zukunft ein zentrales Cockpit, von wo aus alles organisiert und die Patienten überwacht werden können.

Besprechung in einem der Personalzimmer. Der Spitaldirektor wünscht sich für die Zukunft ein zentrales Cockpit, von wo aus alles organisiert und die Patienten überwacht werden können.