Spielraum für Hemberg ausnutzen

Die Findungskommission hatte in Hemberg die Aufgabe, Kandidaten für die verschiedenen Gremien – insbesondere für den Gemeindepräsidenten – zu finden. Am Donnerstag stellten sich drei von ihnen den Fragen von Urs M. Hemm.

Cecilia Hess-Lombriser
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Die Kandidaten stellten sich den Fragen (von links): Alexis Frischknecht (Gemeinderat), Christian Gertsch (Präsident) und Werner Frei (Schulrat). (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Die Kandidaten stellten sich den Fragen (von links): Alexis Frischknecht (Gemeinderat), Christian Gertsch (Präsident) und Werner Frei (Schulrat). (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

HEMBERG. Max Fent war ehrlich, als er am Donnerstagabend im evangelischen Kirchgemeindehaus rund 60 Personen begrüsste, die die neuen Kandidaten für die Gemeindewahlen kennenlernen wollten. Er habe sich zuerst gewunden, die Aufgabe zu übernehmen, eine parteiunabhängige Findungskommission zu bilden, und dann sei eine langwierige Suche erfolgt, die schlaflose Nächte und Bauchweh ausgelöst habe. Schliesslich sei ihm jedoch ein grosser Stein vom Herzen gefallen. Es konnten so viele Frauen und Männer gefunden werden, wie Mandate zu besetzen sind. Sämtliche Kandidierenden für den Gemeinderat, Schulrat und die beiden Geschäftsprüfungskommissionen – die bisherigen und die neuen – stellten sich kurz vor. Drei von ihnen mussten Farbe bekennen.

Fähigkeiten einsetzen

Der künftige Gemeinderat Hemberg wird nur noch aus vier statt wie bisher sechs Mitgliedern bestehen. Neu zu besetzen ist ein Sitz. Alexis Frischknecht, gelernter Automechaniker, Hausmann, Vater von vier Kindern, hat noch Kapazität, wie er bei seiner Vorstellung sagte, und er will seine Energie für Hemberg einsetzen. Werner Frei jun. stellt sich als Nachfolger von Patrick Rieben für den Schulrat zur Verfügung. Er ist ein junger Vater, gelernter Elektriker und jetzt MSR-Programmierer. «Die Schule wird mich in Zukunft persönlich betreffen und ich will nahe am Geschehen sein», begründete er seine Kandidatur. Nach 17 Jahren im Amt geht Walter Fischbacher als Gemeindepräsident in Pension. Etwas weniger lang könnte der einzige Kandidat das Amt als Nachfolger ausüben. Christian Gertsch, seit 28 Jahren Direktor der Einrichtung Landscheide in Wald-Schönengrund, ist 54 Jahre alt, hat drei erwachsene Kinder, ist gemäss seiner Aussage «eine treue Seele» und fühlt sich gerne verantwortlich. «Ich möchte der Gemeinde, die mir Heimat ist, etwas zurückgeben und meine Fähigkeiten für sie einsetzen. Ich organisiere gerne und arbeite gerne mit Menschen zusammen», fasste er seine Beweggründe für die Kandidatur zusammen.

Herausforderungen warten

Andere Findungskommissionen hätten davor gewarnt, mehr Kandidierende zu suchen, als Sitze zu besetzen sind, hatte Max Fent zu Beginn auch verraten. Und daran hätten sie sich gehalten. So ging er am Schluss des Podiums davon aus, dass alle Personen gewählt werden, die sich zur Verfügung stellen. Urs M. Hemm, stellvertretender Redaktionsleiter des Toggenburger Tagblatts, fühlte den drei genannten Herren auf den Zahn. Er liess sie Hemberg so beschreiben, wie sie es einem Aussenstehenden tun würden. Als Herausforderungen nannten sie die Finanzen, die Raumplanung und die Mehrzweckhalle. «Die Frage ist, wie viel Spielraum Hemberg hat, und dieser muss ausgeschöpft werden», sagte Christian Gertsch zu den Finanzen. Werner Frei befürwortet den Verbleib im HarmoS-Konkordat, sieht Fremdsprachen zwar als wichtig an, würde jedoch zugunsten von besserem Deutsch auf das Frühfranzösisch verzichten. Alexis Frischknecht sieht wenige Möglichkeiten für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben – wichtig sei in Hemberg die Wohnqualität. Wenn Hemberg trotz der Auszonung von Land wachse, müsse verdichtet gebaut werden. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr beurteilten alle als realistisch. Viele seien auf das Auto angewiesen, doch in einer Stunde könne man mit Postauto und Bahn auch in Zürich sein, vermerkte Christian Gertsch. Ob Hemberg als Gemeinde selbständig bleiben würde, mussten die Kandidaten offen lassen. «Grössere Probleme müssen mit anderen gelöst werden, Kooperationen seien nötig», meinte der eventuelle neue Gemeindepräsident im Nebenamt. Das Ziel für Werner Frei ist der Erhalt der Schule.

Aufgabe im Vordergrund

Aus dem Publikum kamen Fragen zum Tourismus, zum Lärm, den Töfffahrer verursachen, und zum Feuerwehrstandort Hemberg. Hier war vor allem Christian Gertsch angesprochen. Der Tourismus hat für ihn einen hohen Stellenwert, weil er die Gemeinde als Erholungsgebiet sieht. «Wir haben eine Qualität, die benutzt werden darf.» Der Lärm sei ein Dilemma. Für die Lärmverursacher bedeute ihr Sport Erholung. Bedürfnisse und Forderungen stünden einander gegenüber. Da könne nur gemeinsam eine Lösung gefunden werden. Alles, was einer lebendigen Gemeinde diene, müsse erhalten werden, meinte Gertsch. Sofern es finanzierbar und tragbar sei, solle nichts aufgegeben werden, auch ein Feuerwehrstandort nicht. Schliesslich wollte jemand wissen, wo er parteipolitisch stehe. Als Sozialpädagoge sei er ein Sozialpolitiker und auf der Linie der SP, ohne parteipolitisch aktiv werden zu wollen. «Ich sehe mich im öffentlichen Dienst und stelle die Aufgabe in den Vordergrund», sagte er.