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Spielhölle für Heiden

Auch 1962 und damit vor 50 Jahren war die Tourismusförderung ein grosses Thema. Die Idee «Spielsalon im neuen Kursaal Heiden» liess sich aber nicht verwirklichen.
Peter Eggenberger

HEIDEN. Das 72 Seiten starke Heft «Appenzellerland» pro 1962 gewährt interessante Einblicke in die seinerzeitige touristische Vielfalt in Ausser- und Innerrhoden. An prominenter Stelle wird der neue Kursaal von Heiden stolz als «Attraktion der Ostschweiz» aufgeführt, und der damals lebhafte Bar-, Musik-, Tanz- und Restaurantbetrieb brachte denn auch Nachtschwärmer und Tagesausflügler aus dem In- und Ausland ins Appenzellerland. Schon damals aber war klar, dass jedes Ausruhen auf den Lorbeeren Stillstand und gar Rückschritt bedeutet. Mit der Einrichtung eines Spielsalons sollte deshalb die Attraktivität des Kursaals gehalten und gesteigert und der Konkurrenz erfolgreich die Stirn geboten werden.

Heftiger Widerstand

Die Realisierung der Idee scheiterte am Widerstand breiter Kreise, die in Heiden keine «Spielhölle» dulden wollten. Die vehemente Opposition rief den nur wenige Schritte vom Kursaal entfernt wohnhaften Karikaturisten, Texter und Nebelspalter-Redaktor Carl Böckli alias «Bö» auf den Plan. Im Heft «Appenzellerland» glossierte er die Ablehnung des Spielbetriebs. Seine Zeichnung zeigt ein biederes Schweizer Mannli mit Sennenkäppli, das samt dem gewonnenen Geldsack hilflos in den Fängen des Teufels zappelt. Der Text zur Karikatur lautet: «Der Plan, in Heiden Kursaalspiele mit maximal zwei Franken Einsatz einzuführen, stiess auf derart heftige Opposition, dass er nicht verwirklicht werden konnte. Recht so! Damit ist die ortsansässige Moral gerettet! Und für die Kurgäste ist ja das grosszügigere deutsche Ufer nicht fern!»

Zentralheizung und Fernsicht

Zusätzliche Attraktionen und Investitionen aber wären schon damals bitter nötig gewesen, bedeuteten doch die ab 1950 rasch zunehmende Mobilität, Billigferien in südlichen Gefilden und erschwingliche Flugreisen auch für Familie Normalverbraucher eine immer stärkere Konkurrenz für die einheimische Hotellerie. Im Heft «Appenzellerland» pro 1962 führten viele Hoteliers und Wirte Zentralheizung, fliessendes Warmwasser in den Gästezimmern, feine Butterküche, reelle Getränke und schöne Fernsicht als vermeintlich starke Trümpfe auf und glaubten, damit für alle Zukunft gewappnet zu sein. Die Entwicklung beweist, dass dem nicht so war, ist doch ein Grossteil der vor 50 Jahren aufgelisteten Hotels, Pensionen, Gasthäuser und Restaurants sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden.

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