Spielerische Bewegungen zu Musik

Immer am Mittwochabend treffen sich Menschen mit geistiger Behinderung zu einer Turnstunde. Unter der Leitung von Lisa Hofstetter wird in der Halle des «Johanneum» gespielt, getanzt und Sport getrieben.

Adi Lippuner
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Lisa Hofstetter (links) und ihre Helferin Claire Stampfli.

Lisa Hofstetter (links) und ihre Helferin Claire Stampfli.

NEU ST. JOHANN. Aus dem Lautsprecher erklingt Musik von Trauffer, und in der Mitte der Halle steht die Gruppe im Kreis. Gestartet wird immer mit dem gewohnten Ritual. Es ist ein Klatschspiel, und damit ist für alle Anwesenden klar: Die Turnstunde beginnt. Lisa Hofstetter und ihre Helferin Claire Stampfli behalten alle Turnerinnen und Turner im Auge und motivieren diese zum aktiven Mittun.

Jede und jeder bewegt sich nach seinen Möglichkeiten, mal gelingt eine Übung besser, mal bereitet es etwas mehr Mühe. Doch die spielerischen Aktivitäten lassen die zehn anwesenden Frauen und Männer verschiedenen Alters vergessen, dass sie Leistung erbringen sollen. Es ist ein herrlicher Spass und schon fünf Minuten nach Beginn der Stunde fliegen die ersten Jacken weg. Die Freude über die Abwechslung ist den Turnenden ins Gesicht geschrieben, und es erschallt sogar ein fröhlicher Jauchzer.

Der Wille zählt

Bei der Übung, sitzend mit der rechten Hand den rechten Fuss und mit der linke Hand den linken Fuss zu berühren, turnen alle engagiert mit. Auch wenn es nicht allen nach Wunsch gelingt, sie zeigen ihren guten Willen. Das Gleiche gilt fürs Radfahren in der Luft – da hilft die Leiterin bei Bedarf beim Ablauf der Bewegungen mit. Inzwischen ist der Sänger Trauffer bei «Müeh mit de Chüeh» angelangt – ganz im Gegensatz dazu haben die Turnenden überhaupt keine Mühe mit dem, was von ihnen verlangt wird.

Nun geht's zu den Unihockeyschlägern. Zuerst gibt es Kraft- und Koordinationsübungen. Strecken, dann den Stock auf den Boden legen, wieder hoch, strecken und dann den Stock aufheben. Das Ganze mit mehrmaligen Wiederholungen. Von Lisa Hofstetter ist zu erfahren, dass die Turngruppe der ProCap Toggenburg am kantonalen Turnfest vom Samstag, 13. Juni, in Mels teilnehmen wird. «Dort haben wir einen Unihockeyparcours zu bewältigen und wollen deshalb die Bewegungsabläufe mit Ball und Stock üben.»

Mit der Verteilung der Softbälle und der Aufgabe, sich zwischen den anderen Turnenden wie bei einem Slalom zu bewegen – und dies mit Ball und Stock – folgt eine weitere anspruchsvolle Übung. Mit Hilfe der Leiterinnen wird auch diese Hürde genommen. Einige brauchen Hilfe oder genauere Anleitungen, aber auch da: Alle sind mit Freude dabei.

Grosser Spass

Was nun kommt, macht allen Beteiligten offensichtlich Spass. Lisa Hofstetter holt ein Unihockeytor und betätigt sich als Torwart. Die Turnerinnen und Turner dürfen, alle der Reihe nach, aufs Goal schiessen. Was für eine Freude, wenn der Ball zwischen den Pfosten landet. Aber auch, wenn der Softball von der geschickt agierenden Torwartin abgewehrt wird, ist niemand beleidigt. Es geht darum, hinter dem Ball herzurennen und diesen dann mit Hilfe des Stocks wieder in die Abschussposition zu bringen. Dabei werden alle gefordert, die ersten Schweissperlen machen sich bemerkbar, und trotzdem bleiben alle motiviert am Ball.

Der Zeiger der Uhr rückt gegen 19 Uhr, es ist Zeit, die Unihockeystöcke und Softbälle an ihren Platz zurückzulegen. Dann folgt noch das Schlussritual, der Trauffer hat sein letztes Lied gesungen, und die Frauen und Männer verabschieden sich. Auf den Gesichtern liegt ein unbeschreibliches Strahlen, und alle scheinen sich schon heute auf den nächsten Mittwochabend zu freuen.

Für die Leiterinnen geht es nahtlos weiter. Die zweite Gruppe Menschen mit geistiger Behinderung ist bereit für die Turnstunde, diesmal wird eine CD von Mani Matter eingelegt. Und schon beginnt das gewohnte Ritual, eine Runde klatschen, aufwärmen und dann wieder die Übungen mit Unihockeyschlägern, Softbällen und den Schüssen aufs Tor.

Aufwärmritual bei der Turnstunde für Menschen mit geistiger Behinderung in der «Johanneum»-Turnhalle.

Aufwärmritual bei der Turnstunde für Menschen mit geistiger Behinderung in der «Johanneum»-Turnhalle.

Herausforderung mit dem Unihockeyschläger und dem Softball. (Bilder: Adi Lippuner)

Herausforderung mit dem Unihockeyschläger und dem Softball. (Bilder: Adi Lippuner)

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