Spektakuläre Baumfällaktion beim Bahnhof Herisau: Kranke Eschen müssen gefällt und mit dem Helikopter ausgeflogen werden

Oberhalb des Bahnhofs Herisau mussten 30 kranke Bäume entfernt werden. Sie waren ein Sicherheitsrisiko. Weil die Platzverhältnisse auf dem Ebnet sehr eng sind, hat man sich für die Fällung mit einem Helikopter entschieden.

Karin Erni
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Der Helikopter fliegt einen gefällten Baum vom Ebnet weg.

Der Helikopter fliegt einen gefällten Baum vom Ebnet weg.

Bild: Karin Erni

Rotorenlärm und fliegende Bäume zogen am Montag zahlreiche Schaulustige zum Bahnhof Herisau. Der Grund für das Spektakel am Himmel: Viele der Bäume oberhalb der Gleisanlagen der Appenzeller Bahnen sind von der Krankheit Eschenwelke befallen und müssen aus Sicherheitsgründen gefällt werden. «Wenn der Wurzelbereich des Baumes erkrankt ist, kann er plötzlich umfallen», erklärt Gemeindeförster Stefan Holenstein.

«Ausserdem erodiert der Nagelfluhfels ständig. Das legt die Wurzelteller der Bäume frei, was sie zusätzlich instabil macht.»

Für die Fällung mit dem Helikopter habe man sich entschieden, weil die Platzverhältnisse auf dem Ebnet sehr eng sind. Letzte Woche war man noch von 25 zu fällenden Bäumen ausgegangen. «Es macht keinen Sinn, einzelne Exemplare stehen zu lassen, auch wenn sie vielleicht jetzt noch gesund sind. Sie bieten dem Wind zu viel Angriffsfläche und würden über kurz oder lang von diesem gefällt.»

Eingespielte Teamarbeit und höchste Präzision

Zehn Männer sind an diesen Arbeiten beteiligt. Die Flughelfer, alles ausgebildete Forstleute, klettern in den Bäumen herum und transportieren rund 1200 Kilo Material in die Höhe. An einigen Stellen befestigen sie Drahtseile, sogenannte Struppen an den Stämmen. «An diesen wird der Haken des Helikopters befestigt», sagt Renato Giezendanner, Projektleiter bei der ausführenden Firma Rotex Helicopter AG aus Balzers. «Wenn der Heli kommt, muss es schnell gehen. Wir wollen alle zwei bis drei Minuten einen Flug machen.»

Als das Geräusch des herannahenden Helikopters zu hören ist, sind alle Arbeiter auf ihren Plätzen und warten auf den Einsatz. Sobald das rund 50 Meter lange Seil der Helikopterwinde eingehängt ist, trennt der Flughelfer den Stamm mit der Motorsäge durch. Das Timing ist hierbei wichtig, damit nicht zuviel oder zuwenig Zug auf dem Seil ist. Per Funk tauschen sich die Männer aus.

Der Pilot des extrem schmalen, einplätzigen Helikopters der Marke Kaman hat eine besonders gute Übersicht aus seiner Kabine. Das 2,3 Tonnen schwere Gerät kann mehr als sein eigenes Gewicht tragen. Einige der Bäume wiegen mehr als die 2,7 Tonnen, die der Helikopter transportieren kann. Sie werden daher in zwei oder drei Stücke zersägt und so weggeflogen. Was für den Laien ziemlich gefährlich aussieht, ist für Renato Giezendanner Alltag: «Wir machen mit unseren Maschinen pro Jahr 50'000 Flugstunden und solche Einsätze sind für uns Routine.»

Der Vorplatz des Baudienstgebäudes der Appenzeller Bahnen dient als Abladeplatz. Hier sind die Mitarbeiter des Forstbetriebs am Säntis damit beschäftigt, die angelieferten Bäume aufzurüsten. Stefan Holenstein schaut sich das Holz an. «Das kann man nur als Brennholz brauchen.»