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Planungszone Speicherschwendi: Trotz laufendem Rechtsverfahren wird an der Vision eines neuen Dorfzentrums gearbeitet

Obwohl bereits ein Baugesuch eingegangen war, hat der Speicherer Gemeinderat vor knapp einem Jahr eine Planungszone über das Dorfzentrum von Speicherschwendi verhängt. Stand heute: Die Planungsarbeiten für ein belebtes Zentrum laufen auf Hochtouren. Der Rechtsstreit ist jedoch ebenfalls noch nicht abgeschlossen.

Astrid Zysset
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Die Umnutzung des «Bären» (links im Bild) war ausschlaggebend dafür, dass der Gemeinderat eine Planungszone verhängte. Sein Ziel: Eine Wiederbelebung des Dorfzentrums.

Die Umnutzung des «Bären» (links im Bild) war ausschlaggebend dafür, dass der Gemeinderat eine Planungszone verhängte. Sein Ziel: Eine Wiederbelebung des Dorfzentrums.

Bild: APZ

Es war ein Entscheid, der für Furore sorgte: Der Speicherer Gemeinderat hat über das Zentrum von Speicherschwendi eine Planungszone verhängt, obwohl bereits ein Baugesuch eingegangen war. Das kantonale Baugesetz schützt dieses Vorgehen zwar ausdrücklich. Doch in der Praxis achten viele Gemeinden darauf, dass Planungszonen noch vor Eingang eines Baugesuches ausgesprochen werden. Heute, rund ein Jahr nach dem politischen Entscheid in Speicher, haben sich die Wogen kaum geglättet. Ein Rekurs beim kantonalen Baudepartement wurde seitens des privaten Bauherrn eingereicht. Über den Stand des Verfahrens möchte Gemeindepräsident Paul König keine Auskunft geben. Aber darüber, wie Speicherschwendi einmal aussehen könnte, hingegen schon.

Paul König ist Gemeindepräsident von Speicher.

Paul König ist Gemeindepräsident von Speicher.

Bild: PD

Der Ortsteil umfasst rund 700 Einwohnerinnen und Einwohner. Es ist ein ruhiges Dorf, das Restaurant Bären wie auch ein Einkaufsladen sind die einzigen Punkte, die von regem Leben zeugen. Der geltende Richtplan der Gemeinde sieht vor, Bestrebungen zum Erhalt oder zur Schaffung von Zentrumsfunktionen in der Speicherschwendi aktiv zu unterstützen. Passiert ist lange nichts. Doch als das Baugesuch zur Umnutzung des «Bären» gestellt wurde, sah sich der Gemeinderat zum Handeln gezwungen.

Erster Workshop fand statt

Seitdem ist die Planung in vollem Gange. Ende November war die Bürgerschaft – coronabedingt – zu einem virtuellen Workshop geladen. Rund 40 Personen nahmen daran teil. Sie alle waren dazu aufgerufen, ihre Wunschvorstellungen von Speicherschwendi zu skizzieren. Die drei wichtigsten Anliegen liessen sich am Ende mit der Realisierung einer Begegnungsstätte wie auch besseren ÖV-Verbindungen nach Speicher zusammenfassen. Zudem soll es möglich sein, in der Ortschaft die Grundbedürfnisse abzudecken. Ob zur gewünschten Begegnungsstätte der «Bären», Ladenflächen oder Begegnungszonen im Freien gehören, ist ebenso noch offen, wie, ob zu den Grundbedürfnissen ein Coiffeur- oder Postbesuch zählen. Auch am Workshop geladen waren zwei Architekten. Sie werden nun von den Visionen ein konzeptionelles Bild zeichnen. Die konkrete Interpretation der Ideen wird somit ihnen überlassen. Einzige Bedingung: Ersichtlich sein müssen immer beide Varianten – eine mit dem «Bären» und eine ohne. Im Februar werden die Visualisierungen dann den Teilnehmern präsentiert. Paul König zeigt sich mit dem Ablauf des ersten Workshops zufrieden:

«Der partizipative Prozess, den wir hier anbieten, wird von den Leuten sehr geschätzt.»

Die Planungszone dauert noch zwei Jahre. Die Zeit drängt. Darum wollte der Gemeinderat mit der konzeptionellen Weiterentwicklung Speicherschwendis auch nicht warten, bis das Rechtsverfahren rund um den «Bären» abgeschlossen ist. «Den Zeitplan gilt es, einzuhalten», so König. Und so wie es derzeit aussieht, werde man dies schaffen und just in zwei Jahren an dem Punkt angelangt sein, wo die rechtlichen Verfahren um Richtplan, Zonenplan oder Baureglement beginnen. «Eine Planungszone ist eine einschneidende Massnahme. Die darf nicht länger als unbedingt notwendig aufrechterhalten werden», so König weiter. Den Entscheid, eine solche zu verhängen, obwohl ein Baugesuch bereits eingegangen war, erachtet der Gemeindepräsident rückblickend als gerechtfertigt. Es sei die letzte Chance gewesen, um Speicherschwendi doch noch ein funktionierendes Dorfleben zu ermöglichen.

Ein Generationen-Projekt

Wann die im Workshop erarbeiteten Vorstellungen Wirklichkeit werden, ist noch ungewiss. «Wir werden nicht in den nächsten Tagen mit den Baggern auffahren», sagt König und lacht. Erst sind Visionen und Konzepte zu Papier gebracht worden. Wann und ob diese umgesetzt werden, hängt von den privaten Bauvorhaben ab, die in den kommenden Jahrzehnten im Zentrum von Speicherschwendi umgesetzt werden. «Wir legen nur die Regeln für die Erneuerung fest. Auf alles andere haben wir keinen Einfluss.» So gesehen, kann es Generationen überdauern, bis das Dorfzentrum den im Workshop erarbeiteten Visionen entspricht. Auch hofft der Gemeinderat noch auf eine gütliche Einigung mit den Besitzern des «Bären». Rechtlich stehen ihnen Einsprachen gegen die Planungszone wie auch gegen Richt- und Zonenplan offen. Sind die Fronten verhärtet und alle Rechtsmittel würden ergriffen, könnte die Entwicklung der Speicherschwendi auf mehrere Jahre hin blockiert werden.