SPEICHER: Zweifel an der Finanzierbarkeit

Die Überbauung Unterdorf soll mit einer Baugenossenschaft realisiert werden. Zu deren Gründung fehlt noch über eine Million Franken. Es gibt Stimmen im Dorf, welche vor der risikobehafteten Anlage warnen.

Jesko Calderara
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Auf dem Areal Unterdorf in Speicher sind 60 bis 70 Wohnungen geplant. (Bild: Visualisierung: PD)

Auf dem Areal Unterdorf in Speicher sind 60 bis 70 Wohnungen geplant. (Bild: Visualisierung: PD)

Jesko Calderara

jesko.calderara

@appenzellerzeitung.ch

Das Ziel ist ambitioniert. Ursprünglich war von bis zu zehn Millionen Franken Eigenkapital für die geplante Wohnbaugenossenschaft in Speicher die Rede. Vorgesehen ist, dass diese als Bauherrin der Überbauung Unterdorf auftreten wird. Auf dem Grundstück sollen zwischen 60 und 70 Wohnungen entstehen. In der Mittelländer Gemeinde gibt es jedoch Zweifel, ob sich das anvisierte Genossenschaftskapital auftreiben lässt. «Es müsste ein grosser Kapitalgeber ein­steigen, ansonsten ist die Summe unrealistisch hoch», sagt Jürg Zürcher. Der pensionierte Bankfachmann ergriff letztes Jahr das Referendum gegen den Verkauf der Liegenschaft «Linde» zum Bau eines Ärztehauses.

Um die Finanzbeschaffung für das Bauprojekt Unterdorf kümmert sich eine Arbeitsgruppe. Für die Gründung der Genossenschaft sind zwei bis drei Millionen Franken notwendig. Zugesagt sind aber erst rund 745 000 Franken. Diese Summe betrage etwas mehr als 2,2 Prozent der Baukosten, sagt Zürcher. Unter den jetzigen Umständen sei eine Investition in diese Baugenossenschaft eine ­risikobehaftete Anlage. Beim ersten Problem wäre eine so knapp finanzierte Gesellschaft pleite, warnt Zürcher. Er spricht sich gegen eine Beteiligung der Gemeinde am Genossenschafts­kapital aus. Es habe Tradition, dass sich die Gemeindebehörde erfolglos in Immobiliengeschäfte einmische, sagt Zürcher. In Speicher gebe es durchaus ältere, bezahlbare Wohnungen. «Solche Objekte sind schwierig zu vermieten, weil viele zu hohe Ansprüche haben.»

Beteiligung der Gemeinde ist kein Thema

Für Zürcher gibt es beim Unterdorf nur eine Lösung: «Übung ­abbrechen und den Schlittelweg in eine eigene Parzelle überführen.» Das Land könnte einem Investor verkauft werden. Zürcher schwebt als Käufer eine bereits besehende Baugenossenschaft oder ein privates Unternehmen vor.

Gemeindepräsident Peter Langen­auer wehrt sich gegen die Vorwürfe von Jürg Zürcher. «Die Gemeinde tritt nicht als Investorin auf», sagt er. Eine allfällige Beteiligung der öffentlichen Hand an der Genossenschaft sei noch nicht diskutiert worden. Langen­auer betont die Bedeutung des Projekts Unterdorf für Speicher. «Wir wollen günstigeren Wohnraum schaffen.» Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Überbauungen, welche in letzter Zeit realisiert wurden. Diese Wohnungen lägen eher im oberen Preissegment, sagt Langen­auer. Der Anstoss zur Entwicklung des Areals Unterdorf kam vom Gemeinderat. «Wir wollen selbst aktiv werden, damit eine gezielte Gemeindeentwicklung möglich wird», sagt Langenauer. Als Beispiel nennt er das Ärztehaus und die Berit-Klinik.

Franz Knechtle leitet die Arbeits­gruppe «Finanzen». Er ist zuversichtlich, dass die Wohnbaugenossenschaft zu Stande kommen wird. Am Anfang seien die Leute immer etwas skeptisch. Sobald eine gewisse Summe zusammen sei, werde das Ganze zum Selbstläufer, sagt Knechtle. Auch hätten Handwerker signalisiert, bei einer Arbeitsvergabe Genossenschaftsanteile zu zeichnen. In persönlichen Gesprächen will Knechtle weitere potenzielle Genossenschafter gewinnen. Die Mindestzeichnungssumme liegt aus administrativen Gründen bei 25 000 Franken. Ob der Betrag gesenkt wird, ist noch offen. Das Genossenschaftskapital wird dereinst mit einem Prozent verzinst. Als weitere Möglichkeit nennt Knechtle zinsgünstige Darlehen aus speziellen Fonds zur Förderung von Wohnbaugenossenschaften. Bereits zugesagt hat eine lokale Bank die Hypothek für das rund 32 Millionen Franken teure Bauprojekt. Sollte die Bauträgerschaft in der vorgesehenen Form scheitern, haben zwei auswärtige Wohnbaugenossenschaften ihr Inte­resse angemeldet. Kein Thema sei hingegen der Verkauf an einen Investor, sagt Knechtle.