SPEICHER: Vier Verrückte an der nördlichsten Rallye der Welt

Bei der Baltic-Sea-Circle-Rallye wird Geld für einen guten Zweck gesammelt. Dieses Jahr ist der Speicherer Martin Bischof mit von der Partie.

Karin Erni
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Der Speicherer Martin Bischof fühlt sich im hohen Norden daheim. (Bild: Benjamin Manser)

Der Speicherer Martin Bischof fühlt sich im hohen Norden daheim. (Bild: Benjamin Manser)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Die Baltic Sea Circle ist die nördlichste Rallye der Welt. Sie startet dieses Jahr mit Appenzeller Beteiligung. Zusammen mit 250 anderen Teams absolvieren Martin Bischof aus Speicher und drei Kollegen während 16 Tagen eine 7500 Kilometer lange Autorallye von Hamburg durch Skandinavien, die nordwestlichen Gebiete Russlands und das Baltikum. Die Idee für die Teilnahme an dem Anlass kam Bischof auf einer der zahlreichen Norwegen-Reisen, die er mit seiner Frau unternahm. «Ich fühlte mich auf der Fjordfahrt ein bisschen wie ein Rallyepilot.» Von seiner Frau erhielt er später zum Geburtstag einen Gutschein für eine Rallyeteilnahme. Doch eine solche zu organisieren, erwies sich als nicht ganz einfach. «Man braucht entweder eine Rennlizenz oder einen Oldtimer, um an Veteranenrennen teilnehmen zu können.»

Keine technischen Hilfsmittel

Bei der Recherche im Internet stiess Martin Bischof auf die Baltic-Sea- ­Circle-Rallye. Dabei handelt sich nicht um eine eigentliche Rallye mit Rennboliden, sondern eher um eine Art Plauschrennen. Die Teilnehmer bilden keinen Konvoi, sondern können die Strecke individuell abfahren. Unterwegs müssen sie verschiedene Aufgaben lösen. Gewinner ist, wer dies am besten oder originellsten tut. Einzige Bedingung ist, keine Hilfsmittel wie GPS oder Navi zu benutzen. Die Benutzung der Autobahn ist ebenfalls nicht erlaubt. «Weniger Technik und mehr Abenteuer ist das Ziel der Reise», sagt Bischof. «Es ist ausdrücklich erwünscht, in Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung zu treten.»

Geschlafen wird im Zelt, gefahren mit einem VW-Bus mit Jahrgang 1996, der schon 260'000 Kilometer auf dem Buckel hat. «20 Jahre ist das Minimalalter des Fahrzeugs. Das Rennen soll nicht zuletzt auch technisch eine Herausforderung sein.» Martin Bischof hat dafür das Roaring-Rollo-Racing-Team gegründet. Um allfällige Pannen möglichst schnell und kostengünstig beheben zu können, hat er mit dem Aarauer Sandro Caluori einen Automechaniker ins Team genommen.

Stefan Widmer aus Speicher und Renato Caluori sind die weiteren Mitglieder des Racing-Teams. Ersterer verfügt erst seit einem Jahr über die Fahrprüfung. Weil alle immer mal wieder ans Steuer müssen, dürfte es ihm nach dem Rennen nicht mehr an Fahrpraxis mangeln. Martin Bischof wird als gelernter Koch für die Verpflegung der Mannschaft zuständig sein. Als Hobbyfotograf obliegt ihm ausserdem die Dokumentation der verschiedenen Challenges. Das können zum Teil ziemlich abstruse Herausforderungen sein. «Frühere Teilnehmer mussten mit einer offenen Dose Surströmming, einem übelriechenden Fisch, im Auto fahren.» Auch eine Aufgabe mit Legosteinen komme immer wieder vor. Die bestandenen Prüfungen werden in ein sogenanntes Roadbook eingetragen und am Ende der Rallye den Organisatoren zur Auswertung eingereicht.

Fahren für guten Zweck

Der Ansporn für die vier Schweizer ist es, auf der Reise möglichst viele Spenden für einen guten Zweck zu sammeln. Das Geld gehe vollumfänglich an wohltätige Organisationen, sagt Martin Bischof. «Wobei wir selber bestimmen können, was wir gerne unterstützen möchten.» Das Roaring-Rollo-Racing-Team möchte gerne an drei ausgewählte Charityprojekte (OhO, Be Aware and Share sowie an Hiki – Verein für hirnverletzte Kinder) in der Schweiz spenden. Dafür verkaufen sie im Vorfeld des Rennens und unterwegs Schoggitafeln mit einer individuell gestalteten Etikette. Auch Sponsoren für Ausrüstungsgegenstände wie beispielsweise eine zusätzliche Autobatterie sind noch herzlich willkommen.

Wer spendet, gewinnt

Geldspender in der Höhe bis 50 Franken erhalten eine Postkarte von unterwegs. Bis 200 Franken gibt es ein Souvenir. Wer mehr spendet, wird auf dem Rallyeauto verewigt. Auch die Umwelt soll bei diesem Abenteuer nicht vergessen gehen. Das Team will die verursachten CO2-Emissionen mit Geld aus der eigenen Tasche kompensieren. «Jedes Team löst das auf seine Weise. Es gibt solche, die pflanzen in jedem besuchten Land einen Baum.»

Am 16. Juni ist der Start zur Rallye, bis dahin gibt es noch einiges zu tun. «Ich freue mich extrem. Für mich als grossen Skandinavien-Fan ist das wie Heimkommen.»

Infos über das Projekt: https:// roaring-rollo-racing-team.jimdo.com