SPEICHER: Viel Frauenpower versammelt

Bereits zum zwölften Mal trafen sich die Ausserrhoder Kantons- und Gemeinderätinnen auf Einladung der Frauenzentrale zu einem Netzwerkanlass. Dieses Jahr gab es einen Abschied zu feiern.

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Knapp 20 Ausserrhoder Politikerinnen haben sich am Montagabend auf Einladung der Frauenzentrale in Speicher getroffen. (Bild: Karin Erni)

Knapp 20 Ausserrhoder Politikerinnen haben sich am Montagabend auf Einladung der Frauenzentrale in Speicher getroffen. (Bild: Karin Erni)

Alle zwei Jahre lädt die Ausserrhoder Frauenzentrale zum Treffen der Politikerinnen. Knapp 20 waren am Montagabend im Kirchgemeindehaus Speicher erschienen, um sich gegenseitig kennen zu lernen und auszutauschen.

Null Prozent beträgt der Frauenanteil in der Ausserrhoder Regierung. Im Kantonsrat sitzen immerhin 23 Prozent Frauen und auf Gemeindeebene sind 35 Prozent der Exekutivämter in Frauenhand. Diese Zahlen nannte Isabelle Dubois, die seit sechs Jahren die Abteilung Chancengleichheit Frau und Mann beim Kanton Appenzell Ausserrhoden leitet. Sie vermittelte den Anwesenden in einem Kurzreferat Einblick in die praktische Tätigkeit der Amtsstelle, die sich mit der Förderung der Integration von Migrantinnen und Migranten, der Familien- und Jugendförderung sowie der Chancengleichheit von Frau und Mann befasst. Die Arbeit ginge ihnen nicht aus. Als Beispiel nannte Isabelle Dubois eine neue Lohnstudie. Gemäss dieser betrage der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in der Schweiz immer noch 18 Prozent.

Alt Regierungsrätin Marianne Koller wurde von Präsidentin Ariane Brunner geehrt und mit Blumen verabschiedet. «Wo sind die Frauen in der Politik?», fragte Koller in ihrem anschliessenden Referat. Der Rückgang der Frauenquote im Kantonsrat müsse zu denken geben. Die Frauen sollten die Errungenschaften nicht aufgeben, so die ehemalige Magistratin. Sie machte einen Rückblick in ihre eigene politische Karriere. Sie sei eine Quereinsteigerin ohne politische Erfahrung gewesen. Hätte sie gewusst, was auf sie zukommt, sie hätte die Anfrage, für den Kantonsrat zu kandidieren, wohl abgelehnt, so Koller. Die Zeit im Parlament beurteilt sie als spannend und wertvoll. «Doch es war nicht meine Welt.» Sie sei eher der Führungstyp. Obwohl es ihr schwer gefallen sei, den angestammten Beruf aufzugeben, sei der Wechsel in die Regierung die richtige Entscheidung gewesen. «Ich habe sie keinen Moment bereut.» In der Harmoniebedürftigkeit ortet Koller den Grund für die Zurückhaltung der Frauen beim politischen Engagement. Dabei sei Uneinigkeit nichts Schlimmes. Es gelte, Konflikte im positiven Sinne auszutragen. «Man darf stolz sein, wenn man aneckt.»

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch