SPEICHER: Sehnsucht nach Stille und nach Frieden

Das Konzert «Wort und Musik zum Karfreitag» in der katholischen Kirche sorgte mit gehaltvoll-besinnlichem Grundton für langanhaltenden Applaus.

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Pianist Fréderic Fischer, Sopranistin Hiroko Haag, Kammerchor coCoro und Rosmarie Wiesli, die das Musikalische mit ausgewählt-tiefsinnigen Texten aufs Trefflichste ergänzte, verleihen dem Karfreitagskonzert in Speicher in einer wunderbar stimmigen, einprägsamen Stunde Tiefgang. Zentraler Programmpunkt war das mit «Flug in die Ewigkeit» überschriebene und erstmals aufgeführte Kleine Requiem für Sopran, Chor und Klavier von Fréderic Fischer. Er hat darin den Versuch unternommen, dem letzten Flug von Antoine de St. Exupéry, der bei einer Aufklärungsoperation Ende Juli 1944 über dem Mittelmeer von einem deutschen Jagdflieger abgeschossen worden war, musikalische Gestalt zu geben. Ein Zitat eines Freundes von St. Exupéry, das den Abschuss als unumstössliches Faktum darlegt, geht über in zunächst sanfte, die Vorstellung von ruhigem Dahinschweben erweckende Töne – bis zum jähen Einbrechen der Einschüsse mit den fatalen Folgen. Vokalisen des Chors untermalen den Klavier- und den Sopranpart, den Hiroko Haag sehr delikat ausgestaltete. Im Kleinen Requiem klingt ganz stark die Sehnsucht nach Stille und nach Frieden an.

Mit Improvisationen über sein «Petit-Prince-Requiem», das Fréderic Fischer allen notleidenden Kindern dieser Welt zueignet, hatte davor Fréderic Fischer gewissermassen den Boden bereitet für das Kleine Requiem. Mit den drei Motetten «I’ll make music», «The Sheperd» und «Cantate Domino» des walisischen Komponisten Karl Jenkins bewies, der von Hiroko Haag geleitete und am Flügel ebenso diskret wie einfühlsam begleitete Kammerchor coCoro, dem ein paar zusätzliche Männerstimmen zum abgerundeteren Klang verhelfen würden, seine ausgezeichnete Schulung. Gerade die Klippen in «The Sheperd» meisterte er problemlos.

Mit zwei Kompositionen legte Fréderic Fischer Zeugnis seines pianistischen Könnens ab. Im zweiten Satz der 1905 entstandenen Sonatine liess er die Zuhörerschaft einem vergleichsweise fast sanft zu nennenden Maurice Ravel begegnen. Den spieltechnischen Anforderungen wurde er vollauf gerecht. Aus der Sonate in F-Dur, einem Werk des 18-jährigen Mozart, trug Fréderic Fischer den zweiten Satz vor. Dem in schwermütiger Grundstimmung gehaltenen Adagio war er ein gefühlvoller Interpret. In ihr Herkunftsland entführte Hiroko Haag die Zuhörerschaft solistisch mit «Sakura yokocho», einem japanischen Lied zur Kirschblüte, wobei es scheinen wollte, das Fernöstliche im Klang manifestiere sich erst gegen den Schluss hin so richtig. Der Bedeutungsschwere des Karfreitags angepasst war das «Pie Jesu» aus Gabriel Faurés Requiem. Hiroko Haag verlieh ihm mit glockenreinem Sopran den nötigen Wesensgehalt.

Martin Hüsler

redaktion@appenzellerzeitung.ch