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Und täglich kreischt der Zug in Speicher: Wie Anwohner unter dem Lärm der neuen Tango-Züge leiden

Der Lärm durch die Tango-Züge der Appenzeller Bahnen ist für Anwohnerinnen und Anwohner belastend. Besonders seit das Kurvenkreischen aufgetaucht ist. Seitens Bahn sind Optimierungen im Gange.
Astrid Zysset
Das Kurvenkreischen ist in Speicher besonders im Bereich der Vögelinsegg ausgeprägt. (Bild: Alessia Pagani)

Das Kurvenkreischen ist in Speicher besonders im Bereich der Vögelinsegg ausgeprägt. (Bild: Alessia Pagani)

Um fünf Uhr morgens geht es los. Die erste Fahrt des Tages des Tango-Zugs der Appenzeller Bahnen beginnt. Und mit ihm auch das Kurvenkreischen. Im Bereich der Vögelinsegg ist dieses besonders ausgeprägt.

Christian Oehlschlegel wohnt in der Hohrüti und ist unmittelbar vom Lärm betroffen. Er fühle sich «stark belästigt», wie er sagt. Seine Nachtruhe werde gestört.

«Frühmorgens, wenn ich im Bett liege, höre ich das Kreischen bereits. Es ist wirklich schrill.»

Allerdings ist es nicht immer gleich ausgeprägt. Je nach Wetter oder Zugführer variiert es. Oehlschlegel erinnert sich an die früheren Zugskompositionen. Auch damals gab es das Kurvenkreischen. Allerdings nur in der Anfangsphase. «Dieses Mal scheinen die Appenzeller Bahnen das Problem aber nicht in den Griff zu bekommen. Und uns Anwohner bleibt wohl nichts anderes übrig, als das Kreischen zu ertragen.»

Fenster rasch schliessen

Ein paar Häuser weiter klingt es dramatischer. Dort spricht das Ehepaar, das anonym bleiben möchte, von einem «Heulen der Gleise», das zu vernehmen ist, seit die neuen Tango-Züge in Betrieb genommen wurden. Mit erheblichen Folgen: Der Mann fürchtet bereits um gesundheitliche Einbussen, da er regelmässig ab fünf Uhr morgens um den Schlaf gebracht wird.

Im Kleintheater «Kul-tour auf Vögelinsegg» sitzt bei kulturellen Veranstaltungen immer jemand nahe am Fenster, damit dieses beim Kurvenkreischen schnellstmöglich geschlossen werden kann. Alles in allem: Die Anwohnerinnen und Anwohner in der Vögelinsegg sind die Lärmbelästigung durch die Bahn leid. Aber nicht nur dort.

Viele Anwohner sind betroffen

Weiter unten entlang der Hauptstrasse wohnt Stephan Egger. Er war es, der sich bereits wegen des Kurvenkreischens des Vorgängerzugmodells zur Wehr setzte und eine IG gründete. Die Notwendigkeit, diesen Schritt erneut zu gehen, sieht er aktuell nicht.

«Als die Tango-Züge vor einem halben Jahr in Betrieb genommen wurden, war die Lärmbelastung sehr schlimm. Mittlerweile hat sie sich etwas gelegt.»

Dennoch sei der Lärm störend, findet Egger. Und er kann nicht nachvollziehen, warum sich das Problem nicht beheben lässt. 170 Jahre, seit der Inbetriebnahme der Spanischen Brötlibahn, kenne man die Schwierigkeiten im Traktionsbereich der Bahn, sagt er. «Und in unserer heutigen, hoch technisierten Zeit schafft man es nach wie vor nicht, die Lärmbelastung nachhaltig zu reduzieren? Das kann ich kaum glauben.» Egger schrieb einen Brief an die Appenzeller Bahnen, um auf die Lärmbelastung aufmerksam zu machen.

Paul König, Gemeindepräsident Speicher. (Bild: pd)

Paul König, Gemeindepräsident Speicher. (Bild: pd)

Reklamationen wegen des Kreischens gab es in den vergangenen Monaten einige. Auch auf der Gemeinde. Wie Gemeindepräsident Paul König ausführt, sei der Lärm, den die Tangos verursachen, seines Erachtens nach zwischen Januar und April weniger geworden. In den letzten Wochen hätte sich die Situation aber wieder verschlimmert. Bereits vergangenen Winter ging die Gemeinde auf die Appenzeller Bahnen zu und hoffte auf eine Lösung des Problems. Seitens Bahn gelobte man Besserung. Nächste Woche treffe man sich zum Gespräch, so König. Dann werde Bilanz gezogen.

Optimierungen sind im Gange

Die Belastung durch das Kreischen ist nicht im ganzen Dorf gleich ausgeprägt. Und sie schwankt von Tag zu Tag. Je nach Witterungsbedingungen.

Sabrina Huber, Mediensprecherin der Appenzeller Bahnen, bestätigt, dass in der Vögelinsegg das Kreischen markant sei. Temperatur und Luftfeuchtigkeit haben einen direkten Einfluss darauf, wie schrill der Ton ist, der abgegeben wird.

«Bei Trockenheit und Kälte ist das Kurvenkreischen am stärksten ausgeprägt. Ausserdem während der Übergänge von feucht zu trocken wie beispielsweise am Morgen.»

Sabrina Huber, Mediensprecherin Appenzeller Bahnen. (Bild: pd)

Sabrina Huber, Mediensprecherin Appenzeller Bahnen. (Bild: pd)

Mit den Anwohnern auf der Vögelinsegg stehe man in Kontakt, Optimierungen seien seit Anfang des Jahres im Gange. «Wir machen alles dafür, die Situation zu entspannen. Dennoch braucht dies Geduld und Erfahrungswerte», so Huber. «Nach jeder Optimierung werden die Resultate beobachtet und ausgewertet.» Die Optimierungen betreffen die sogenannte Schienenkopfkonditionierung. Die Lokführer geben im entscheidenden Moment ein Konditionierungsmittel auf die Schienen ab. Dies muss an der richtigen Stelle, in der richtigen Menge und zum richtigen Zeitpunkt geschehen. «Die Fachleute seitens Rollmaterial stehen dazu im engen Austausch mit den Lokführern», so Huber.

Bei den Vorgängermodellen habe man das Kurvenkreischen tatsächlich schneller in den Griff bekommen. «Mit den Tangos sind aber neue Fahrzeuge mit einem neuen Aufbau im Einsatz. Das sind neue Voraussetzungen», so Huber. «Auf die früheren Erfahrungswerte können wir nur beschränkt zurückgreifen.»

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