SPEICHER: Das Kafi 97 steht vor dem Aus

2000 Unterschriften wurden gegen die geplante Schliessung des Bahnschalters den Appenzeller Bahnen übergeben. Ohne Erfolg. Der Billettverkauf soll neu in einer Metzgerei und einer Bäckerei erfolgen.

Astrid Zysset
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Schon im kommenden Sommer soll das Kafi 97 einer neuen Lösung weichen. (Bild: Astrid Zysset)

Schon im kommenden Sommer soll das Kafi 97 einer neuen Lösung weichen. (Bild: Astrid Zysset)

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

Das Erdgeschoss des Bahnhofgebäudes würde neu gestaltet. Alles käme raus, dafür eine Filiale der Bäckerei Böhli AG wie auch eine der Metzgerei Fässler rein. Ein neues Café würde das Angebot vervollständigen. Und: Den Billettverkauf übernähmen die neuen Partner. Im Gegenzug würde das Kafi 97 verschwinden. Diese Lösung präsentierten die Verantwortlichen der Appenzeller Bahnen (AB) am Dienstagabend im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Buchensaal. Und dass sie umgesetzt wird, ist wahrscheinlich. Sie würde aber auch bedeuten, dass der Verkaufsschalter definitiv schliesst. AB-Direktor Thomas Baumgartner: «Es ist keine schöne Aufgabe, die Schliessung zu verkünden. Es tut weh. Aber Alternativen gibt es nicht.» Etwas euphorischer gab sich da Gemeindepräsident Peter Langenauer: «Wir hätten mit den neuen Partnern eine vernünftige Lösung.» Für ihn sei vor allem entscheidend gewesen, keine «tote Situation» am Bahnhof zu wissen. Sprich: Nur einen Automaten. Langenauer bat die Anwesenden darum, die Schliessung der Bahnschalter nicht allzu emotional zu betrachten.

Umsatzrückgang um circa 60 Prozent

Eine Initiantengruppe hatte nach Bekanntwerden der möglichen Schliessung Unterschriften in Speicher und Trogen gesammelt. Über 2000 kamen zusammen. Diese wurden an der Informationsveranstaltung Thomas Baumgartner übergeben. Dieser zeigte sich beeindruckt, liess aber auch verlauten, dass diese nichts am Entscheid der AB ändern würden. «Ich bin aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, zu handeln. Ein anderes Geschäft müsste man unter den gleichen Voraussetzungen sofort dichtmachen.» Konnte der Bahnschalter in Speicher im Jahr 2014 noch zwei Millionen Franken Umsatz verbuchen, sind es 2017 lediglich zwischen 850 000 und 900 000 Franken. Internetlösungen sorgen dafür, dass der bediente Verkauf abnimmt.

Die Initiantengruppe zeigte sich nur mässig erfreut an der neuen Lösung. Ein Mitglied regte an, den Verkauf zwischen Teufen und Speicher aufzuteilen. An einem Ort am Vormittag, am anderen am Nachmittag. Baumgartner lehnte dies ab. Die Kosten seien zu hoch und die Öffnungszeiten für die Kundinnen und Kunden zu unattraktiv. Mit den neuen Partnern könne der Billettverkauf an 364 Tagen im Jahr erfolgen. Ein reduziertes Sortiment stehe zur Verfügung. Aber: «90 Prozent der heutigen Nachfrage könnten nach wie vor befriedigt werden», so der AB-Direktor weiter. Gruppenbillette oder Fahrausweise ins Ausland zu kaufen, wäre aber nicht mehr möglich. Diese müssten telefonisch oder am Schalter in St. Gallen geordert werden.

Entscheid der Genossenschaft steht aus

Der neu gestaltete Bahnhof könnte bereits im kommenden Sommer in Betrieb genommen werden. Vorausgesetzt die Gemeinde stellt bis dahin die notwendigen Betriebsbewilligungen aus und die Genossenschaft Kafi 97 würde das Projekt unterstützen respektive dem Aus des eigenen Cafés zustimmen. Eine ausserordentliche Generalversammlung ist auf den 5. Dezember angesetzt. Präsident Franz Knechtle zeigt sich zuversichtlich. Er erinnerte daran, dass die Genossenschaft bereits seit zwei Jahren auf der Suche nach einer Nachfolgelösung sei. Schon vor dem Publikwerden der Bahnschalterschliessung habe man Gespräche mit der Bäckerei Böhli und der Metzgerei Fässler geführt.«Als wir von der Lösung zusammen mit dem Billettverkauf hörten, war der Vorstand einstimmig dafür, die Verhandlungen weiter voranzutreiben.» Man schaue die neue Lösung in Speicher als Mehrwert für die Gemeinde an.