SPEERSPITZ: Mein Nebenjob als Blitzkasten

Ausgerüstet mit der Kamera begab ich mich eines Januarabends nach Bütschwil. Ich hatte die Aufgabe gefasst, für einen Zeitungsbericht ein Foto von den neuen Leuchten an der Grämigerstrasse zu machen.

Anina Rütsche
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Redaktorin Toggenburger Tagblatt (Bild: Urs Bucher)

Redaktorin Toggenburger Tagblatt (Bild: Urs Bucher)

Vom Bahnhof aus stapfte ich durch den Schnee und die Dunkelheit, die Wollmütze tief ins Gesicht gezogen. Am Ziel angekommen, bezog ich Stellung auf dem Trottoir. Mit zitternden Händen nahm ich den Deckel vom Objektiv und drückte ab. Ein Blick aufs Display zeigte, dass das Bild zu düster geworden war. Auch das zweite Foto vermasselte ich – es war unscharf. Wieder und wieder versuchte ich, das Beste aus der schlechten Ausgangslage herauszuholen, während der Feierabendverkehr an mir vorbeirauschte. Nach dem hundertsiebzehnten Klick kam ich auf die Idee, den Blitz einzuschalten. Und siehe da: Endlich entstanden brauchbare Bilder!

Nicht gerechnet hatte ich damit, dass die Autofahrer mich und meine blitzende Kamera mit einer Radarfalle verwechseln könnten. Dies wurde mir erst bewusst, als eines der Fahrzeuge auf meiner Höhe am Strassenrand anhielt. «Oh nein, jetzt gibt es Schimpfis», dachte ich, als der Lenker das Fenster hinunterliess. Ich war auf vieles gefasst, aber nicht darauf, ins lachende Gesicht des Gemeindepräsidenten zu blicken. Was ich denn hier mache, fragte Karl Brändle, und ich erzählte ihm zähneklappernd meine tragische Geschichte. Diese bekam ein Happy End, denn der Präsident höchstpersönlich chauffierte mich im wohlig warm geheizten Auto zurück zum Bahnhof, und der Auftrag war erledigt.