Speerspitz

«Ich bin im Fall auch ein Schlitten» Täglich verdrehe ich ob den Nachrichten über winterbedingte Verkehrsunfälle die Augen. Die sollen doch einfach im angemessenen Tempo fahren, denke ich mir.

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«Ich bin im Fall auch ein Schlitten»

Täglich verdrehe ich ob den Nachrichten über winterbedingte Verkehrsunfälle die Augen. Die sollen doch einfach im angemessenen Tempo fahren, denke ich mir. Dass es aber nicht immer an mangelnder Vernunft in der Verkehrsteilnahme – sprich Raserei oder fahrlässiger bis gar nicht vorhandener Installation der notwendigen Winterausrüstung – liegt, dass ein Fahrzeug von der Fahrbahn abkommt, weiss ich mittlerweile aus eigener Erfahrung. Manche Autos sind schlicht nicht für den Verkehr auf Schnee und Eis gedacht.

In den Sommermonaten habe ich zu unserem Redaktions-Autöli noch ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt. Was habe ich nicht für eine Freiheit genossen: Keine Suche nach verfügbaren Parkplätzen, kein mühsames Kolonnenfahren hinter gemütlich radelnden Verkehrsteilnehmern, kein lästiges Warten auf Mitreisende, die partout die Party nicht verlassen wollen. Die Freundschaft zwischen Smart und mir zerbarst jedoch mit Eintreffen des Winters. Dann wird die Smartfahrt nämlich zur Gratfahrt.

Nicht selten bin ich plötzlich quer inmitten der Fahrbahn gestanden; nicht selten war ich auf verständnisvolle entgegenkommende und geduldige hinter mir fahrende Verkehrsteilnehmer angewiesen; nicht selten bin ich von wenig hilfsbereiten Bürgern im Stich gelassen und nicht selten bin ich von sehr hilfsbereiten Mitmenschen aus der Sch.., äh, aus dem Schnee gezogen respektive gestossen worden.

Und überhaupt nicht selten habe ich mich auf schlittelnder Fahrt auf ungepflügten, schmalen und steilen Toggenburger Strassen gefragt: Warum eigentlich ein Smart? Noch immer suche ich Antworten. Vielleicht sollte ich auf den Rat eines werten Kollegen hören und statt alles schwarz zu malen doch einfach die positiven Aspekte sehen.

Erstens werde ich mit einer gefahrenen Geschwindigkeit von durchschnittlich 25 km/h nie andere Verkehrsteilnehmer oder mich selbst durch Raserei gefährden. Zweitens fördert es die kollegialen Beziehungen ungeheuerlich, vom Chefredaktor auf dem hauseigenen Parkplatz angeschoben zu werden. Auch wenn hierarchische Verhältnisse dadurch etwas gestört anmuten.

Olivia Hug

volontaertt@toggenburgmedien.ch

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