Speerspitz

Die Leiden der jungen Jägerin Wie ich ihn beneide, meinen Redaktionskollegen, der seit dem 16. März wieder seiner grössten Leidenschaft nachgehen kann – dem Fischen.

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Die Leiden der jungen Jägerin

Wie ich ihn beneide, meinen Redaktionskollegen, der seit dem 16. März wieder seiner grössten Leidenschaft nachgehen kann – dem Fischen. Hinzu kommt, dass der Petrijünger wohlweislich Ferien eingeplant hat und mich mit der ganzen Redaktionsarbeit für unser gemeinsames Gebiet alleine lässt. Ich hingegen muss noch bis zum Mai warten, bevor auch ich mich wieder ins Weidwerk stürzen kann. Das sind noch genau sechs Wochen und ein Tag. Zu allem Übel fällt der erste Mai auf einen Sonntag, ich muss also sogar noch einen weiteren Tag warten.

Geduld war noch nie meine Stärke und dieses Jahr wird sie besonders auf die Probe gestellt. Nicht nur, dass mein Bruder mit der Jagdprüfung begonnen hat und sich wöchentlich im jagdlichen Schiessen übt – und mir natürlich jedes Detail davon berichtet. Nein, ich habe mich auch noch für einen Kurs in Wildbret-Hygiene angemeldet, wo einem vor Augen geführt wird, was später in der Pfanne doch so ausgezeichnet schmeckt.

Selbstverständlich erzählen alle Freunde, Verwandte und Bekannte jede Begegnung mit einem Wildtier haargenau und wissen nicht, dass sie dabei in meiner Magengegend ein Kribbeln auslösen und mein Herz zum Klopfen bringen.

So beobachte ich jeden Tag die Schneegrenze in unserem Jagdrevier von meinem Balkon aus. In meiner Freizeit wandere ich auf Beobachtungsgängen meinen bevorzugten Jagdplätzen entlang und hoffe nach dem einigermassen milden Winter auf einen trockenen und warmen Frühling, damit es für den Luchs und für mich genügend Rehe zu jagen gibt.

Um mich nun vollends in die Vorfreude zu stürzen, könnte ich heute abend die Hegeschau in Walenstadt besuchen und dort all die Hirsch-Trophäen des vergangenen Jagdjahres bestaunen. Oder werde ich es dann vor lauter Ungeduld gar nicht mehr aushalten?

Wenigstens ist es trüb und regnerisch – soll sich doch mein Kollege am Bach eine deftige Erkältung einfangen. Doch halt: Beissen die Forellen bei trübem Wasser nicht noch besser? Seis drum, lieber mgi – ein kräftiges Petri Heil!

Katharina Rutz

k.rutz@toggenburgmedien.ch