Speerspitz

Mäuschen bei Berlusconi und Bruni Wer hat sich nicht schon gewünscht, irgendwo Mäuschen zu spielen. Gerade für uns Journalisten – von Berufs wegen neugierige Menschen – wäre es toll, ganz unbemerkt eine Situation zu verfolgen.

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Mäuschen bei Berlusconi und Bruni

Wer hat sich nicht schon gewünscht, irgendwo Mäuschen zu spielen. Gerade für uns Journalisten – von Berufs wegen neugierige Menschen – wäre es toll, ganz unbemerkt eine Situation zu verfolgen. Ich stelle es mir interessant vor, die Bundesräte bei einer Sitzung zu beobachten. Ob Didier Burkhalter wohl seine Krawatte lockert? Rührt Micheline Calmy-Rey Zucker oder Süssstoff in ihren Kaffee? Bohrt Ueli Maurer in der Nase? Spannend wäre hie und da auch ein unbemerkter Einblick in die privaten vier Wände von Prominenten. Liegt in der Wohnung von Roger Federer Spielzeug der Kinder herum? Wie sieht die Miss Schweiz am Sonntagmorgen am Zmorgentisch aus? Wechselt Carla Bruni ihrer Tochter die Windeln selbst und wie viele verschiedene Produkte gegen Falten stehen im Bad von Silvio Berlusconi? Allen Paparazzi und Twitter zum Trotz, das werde ich wohl nie erfahren.

Dennoch finden Journalisten die unmöglichsten Dinge über Prominente heraus und bringen sie an die Öffentlichkeit. So war über eine Indiskretion zu erfahren, dass der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu nicht mehr sehen kann und findet, dieser sei ein Lügner. Andernorts habe ich gelesen, dass der amerikanische Präsident Barack Obama sich «exzellenter Gesundheit» erfreue und fit sei für die Erfüllung seiner Pflichten. Wer hätte etwas anderes erwartet? Dass Barack Obama «rauchfrei» durchs Leben geht, ist nebenbei auch noch zu erfahren. Ah, da hat die amerikanische Tabaklobby wohl keine Freude. Unzählige Geschichten könnte ich zitieren – von der Schwangerschaft der Herzogin Catherine (ob das stimmt, werden wir allerdings erst in einigen Monaten erfahren) über die eventuelle Magersucht der Prinzessin Letizia bis zur Trennung von Komiker Otto und seiner Frau.

Während ich das lese, überlege ich, warum die Journalisten-Kollegen diese intimen Details der Prominenten kennen, während ich nicht einmal weiss, wo unsere Gemeindepräsidenten wohnen. Habe ich genügend Anstand? Oder bin ich nicht als Mäuschen geeignet? Sabine Schmid

sabine.schmid@ toggenburgmedien.ch