Speerspitz

Oder die Unfähigkeit zu kommunizieren... iPhones sind wohl praktisch.

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Oder die Unfähigkeit zu kommunizieren...

iPhones sind wohl praktisch. «Treffen mit Schatz» braucht man nur einmal in die Digital-Agenda einzutragen und schon kann man mittels Synchronisierung auf dem Computer daheim, im Büro oder auf dem iPad überall und immer daran erinnert werden, dass man den «Schatz» bald trifft. Uh gäbig! Und uh unromantisch. In meiner papierformatigen Gemeinde-Jahresagenda nämlich kann ich rote Herzchen und Kringelchen oder ein gelbes Sönnlein um den «Schatz» malen. So ich denn will. Denn eigentlich braucht man sich ja nicht aufzuschreiben, wann man gedenkt, den Liebsten zu treffen. Das hat man im Kopf. Oder? Denn eigentlich braucht man gar nichts im Kopf zu haben, im Zeitalter von Doodle und Microsoft Outlook und digitalen Notizzettelchen und Facebook-Geburtstagserinnerungen. Szenario: Meine Mitbewohner haben urplötzlich Lust, wieder gemeinsam zu «jammen», einer mit Gitarre, der andere mit dem Schwyzerörgeli. Sollte kein Problem sein, sich spontan zu treffen – in Anbetracht der Tatsache, dass man sich eine Stube teilt! Sollte man meinen. «Wann passt's dir?» «Moment, ich seh mal nach.» Und so sitzen die beiden fünf Minuten einander gegenüber und scrollen auf ihrem iPhone... Zum Glück gibt's noch Doodle, denn wenn mehr als zwei Personen ein geeignetes Datum finden wollen, ist das dringend vonnöten. Da kann jeder, wenn er mal freie Zeit hat, eintragen, wann er mal freie Zeit hat! Uh gäbig! Und uh unpersönlich. «Du hast dich im Fall noch nicht im Doodle eingetragen.» «Ach ja, das mach ich noch.» Ja, Kommunikation ist heute nicht mehr einfach, bei all den Möglichkeiten, die einem offenstehen. Da hat man vor lauter Eintragereien gar keine Zeit mehr für anderes.

Dafür hat man Ordnung, vergisst nichts und verpasst keinen Termin. Hätte ich mit meiner schwangeren Freundin nämlich vorab über ihre «Niederkunft» gedoodelt und wir hätten einen gemeinsamen Termin gefunden, wäre ich nicht so überrumpelt gewesen und hätte mit dem beruhigenden Wissen ins Spital fahren können, dass ich all das, was ich hätte tun wollen, getrost zu einem anderen Zeitpunkt machen kann.

Olivia Hug

olivia.hug@toggenburgmedien.ch