Speerspitz

Zu wissen was kommt, macht auch keinen Spass Wir fluchen oft und gerne über die Meteorologinnen und Meteorologen, weil sie wieder daneben gelegen haben.

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Zu wissen was kommt, macht auch keinen Spass

Wir fluchen oft und gerne über die Meteorologinnen und Meteorologen, weil sie wieder daneben gelegen haben. Zum Beispiel, wenn draussen statt der angekündigten 35 Grad im Schatten gerade ein Schneesturm tobt und man deshalb in den kurzen Hosen und den Flip-Flops etwas underdressed da steht, wie man neudeutsch sagt. Im umgekehrten Fall, also bei Sonnenschein anstatt des angekündigten Hudelwetters, fluchen die Touristikerinnen und Touristiker am lautesten während sie ihre Sonnenbrille hoch schieben, um sich die Nase mit Sonnencrème einzusalben. Eigentlich sind Meteorologen arme Typen. Obwohl ihren Prognosen immense Aufmerksamkeit geschenkt wird. Obwohl die Wettervorhersagen die Horoskope der Massen sind. Obwohl die Leute nichts mehr interessiert, als wie das Wetter wird.

Ich will kein Miesepeter sein, aber mir macht es keinen Spass, wenn die Wetterprognose einmal genau stimmt. Dann ist doch die ganze Spannung weg! Vor allem will ich es dann nicht wissen, wenn es gegen Feierabend schlecht wird. So wie das in der Vorhersage von vorgestern für gestern der Fall war: Am morgen kühl, dann sonnig, dann bewölkt, dann Hudelwetter. So kann man sich doch gar nicht mehr über die Sonne freuen! Das ist, wie wenn einem ein Wahrsager prophezeit: «Du wirst die Frau deines Lebens kennen lernen. Aber nach fünf Jahren verlässt sie dich für einen Jüngeren.» Oder: «Du wirst es zu grossem Reichtum bringen. Aber durch einen schweren Schicksalsschlag verlierst du dein gesamtes Vermögen.»

Also, an all die jungen Leute, die es allen recht machen wollen und noch nicht im achten Semester Meteorologie stecken: Sucht euch einen anderen Beruf! Werdet Bäcker, Mathematikerin, Historiker oder, noch besser, Bestattungsunternehmer. Denn nichts ist so sicher wie der Tod. Gestorben wird das ganze Jahr hindurch. Und wer tot ist, flucht nicht. In die Versuchung, genaue Vorhersagen zu machen, kommt ihr dabei bestimmt nicht. Wer will schon den präzisen Zeitpunkt seines Ablebens kennen.

Matthias Giger

matthias.giger@ toggenburgmedien.ch