Speerspitz

Medienhypes Die Schweiz, Deutschland und, seit dieser Woche, auch die katholische Welt sind in Aufruhr.

Drucken
Teilen

Medienhypes

Die Schweiz, Deutschland und, seit dieser Woche, auch die katholische Welt sind in Aufruhr. Während bei uns im Vorfeld der Abstimmung über die Abzocker-Initiative des Volkes Zorn den geldgierigen Managern gilt und sich unser nördliches Nachbarland über die vermeintlich sexistischen Bemerkungen des FDP-Fraktionschefs Rainer Brüderle empört, überraschte der Papst die Gläubigen mit seinem krankheitsbedingten Rücktritt. Alle drei Ereignisse sind für mich typische Beispiele von immer zahlreicher auftretenden Medienhypes. Bezeichnend ist, dass sie Elemente der Personalisierung, Emotionalisierung und Skandalisierung vereinen. Auswirkungen solcher Trends sind, dass ein vermeintlicher Showdown zwischen Christoph Blocher und Thomas Minder an der SVP-Versammlung viele Journalisten mehr interessiert, als die relevanten Inhalte der Vorlage.

Die Gratiszeitungen, die seit Jahren um die Aufmerksamkeit der Pendler kämpfen, und die Boulevardmedien präsentieren ihren Stoff schon immer auf diese Weise den Lesern: indem sie uns beispielsweise nach dem Abgang Benedikts XVI. an dessen privatem Fotoalbum teilhaben lassen. Besorgniserregend sind auch die Auswüchse, die in der Online-Gemeinschaft zu beobachten sind. Bei Twitter oder in Foren kann jeder User Halbwahrheiten oder sogar blanken Unsinn behaupten, die oder der sich dann rasend schnell verbreitet. Nicht selten springen die seriösen Medien auf den fahrenden Zug auf und schaukeln sich so gegenseitig hoch. Dabei verlieren sie ihren eigentlichen Auftrag, Ereignisse einzuordnen und zu hinterfragen, aus den Augen. Es ist jedoch eine Binsenwahrheit, dass mediale Hypes meistens von kurzlebiger Natur sind und genau so schnell wie sie auftreten, auch wieder verschwinden. Wer sich bei seinem täglichen Medienkonsum solcher Tatsachen bewusst ist, kann Ereignisse gelassener einordnen und ist nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Jesko Calderara

jesko.calderara@toggenburg- medien.ch