Speerchütz taufen erste CD

Für Köbi Roth und seine Töchter Maja Roth und Marianne Tschumper-Roth gehört das Jodeln zum Leben. Jetzt bringen sie ihre erste CD heraus. Am 2. August taufen sie sie auf der Alp Oberbächen, Ebnat-Kappel.

Cecilia Hess-Lombriser
Drucken
Teilen
Das Jodlerterzett Speerchütz mit Marianne Tschumper-Roth, Köbi Roth und Maja Roth (von links) übt in der Küche auf dem Laad-Hof. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Das Jodlerterzett Speerchütz mit Marianne Tschumper-Roth, Köbi Roth und Maja Roth (von links) übt in der Küche auf dem Laad-Hof. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

EBNAT-KAPPEL. «Wenn eine will wybe» von Jakob Ummel erklingt in der Küche von Marianne Tschumper-Roth, auf dem letzten Hof der Gemeinde Wattwil auf 1000 Meter über Meer. Es ist Samstagabend, und die Probe findet hier statt, weil die dienstägliche Probe im «Löwen» in Hemberg ausgefallen ist. Eine Probe ausfallen lassen ist aber undenkbar. Bald ist die CD-Taufe und dann müssen alle Jodellieder und Naturjodel sitzen.

Überzeugend und herzhaft

Die Küche ist erfüllt von den drei Stimmen. Köbi Roth steht von seinen beiden Töchtern eingerahmt in der Mitte und schafft mit seiner, wie es 2014 im Festbericht des 27. Eidgenössischen Jodlerfestes in Davos hiess, «sehr beherrschten und tragenden dritte Stimme» den Boden. Maja Roth singt die erste, Marianne Tschumper die zweite Jodelstimme. Maja Roth gibt den Ton für den Einsatz an, sie schlägt das nächste Jodellied vor und sie erklärt später am Esszimmertisch, was das «Johlen» für sie alle bedeutet. Für den Vater und die Schwester ist diese tonangebende Rolle selbstverständlich. Sie sind sogar froh, dass Maja sie übernimmt. Die Proben dirigiert Guido Manser aus Bütschwil. Er ist nach Josef Zgraggen und Martin Hersche der dritte Dirigent, und von allen hätten sie etwas gelernt. Seit 2008 tritt das Jodlerterzett Speerchütz auf und nimmt auch an Jodlerfesten teil.

Das Johlen im Blut

«Bi üs isch immer gjohlet worde», erklärt der bärtige Köbi Roth, der seit 15 Jahren jeden Sommer mit seiner Frau Therese auf der Alp Oberbächen anzutreffen ist. Er johlt beim Arbeiten, er johlt beim Alpaufzug und bei der Alpabfahrt. Das Johlen gehört zu ihm wie das Atmen und der Herzschlag. «Wenn unser Dädi nicht johlt, dann fehlt ihm etwas», verrät Maja Roth. Heilsam ist das Jodeln für alle und auch das Reden. «Wir sind unseren Eltern dankbar, dass wir gelernt haben, immer über alles offen, ehrlich und geradeheraus zu reden», sagen die Töchter. «Nach dem Reden und nach dem Johlen fliessen unsere Energien wieder.» Sie sagen lieber «Johlen» als «Jodeln». Das gehöre zum Toggenburg und zu ihrer Sprache. Und so wundern sie sich auch ein wenig, dass sie den Begriff «Chütz» erklären müssen. «Chutz» ist eine verblühte Alpenanemone, eine Blume, die in ihrem Fall unter dem Speer verblüht ist. Und «Chütz» ist die Mehrzahl davon. Auch bei anderen Blumen, wie etwa beim Löwenzahn, rede man von «Chütz», erklären sie. Weil die «Chütz» ihre Samen vom Wind forttragen lassen, um sich zu vermehren, lassen auch die drei Jodler ihre Klänge forttragen, um im Herzen ihrer Zuhörenden auf dem Boden der Freude zu landen.

Energien fliessen

«Die Roth-Buben sind bekannt für ihren Naturjodel», berichtet Köbi Roth, und Tochter Maja nimmt ihr Handy hervor und spielt eine frühmorgendliche Alpaufzug-Aufnahme ab, bei dem alle fast Augenwasser bekommen. Nebst den Klängen der Kuhglocken ist der vierstimmige Jodel der Brüder zu hören, die einander jeweils auf die Alp begleiten. Und so ist das, was kaum Noten braucht und aus der Tiefe der Seele von Generation zu Generation weitergeschenkt wird, selbstverständlich auf die Töchter übergegangen. Diese Liebe zum Jodeln fliesst in ihrem Blut und kommt aus dem Herzen, wenn sie singen. Und dann ist da diese besondere volle Klangfarbe. «Das ist so, weil alle aus der gleichen Familie stammen», erklärt Guido Manser. Und immer, wenn es gemütlich wird – und das werde es oft, wo sie anzutreffen seien – werde gesungen. «Das gibt Hühnerhaut, geht tief ins Herz und ist das schönste Erlebnis», schwärmen die Roths. Sie singen überlieferte Lieder und Naturjodel; mehrheitlich nach Gehör. Und nach so einem Abend, der ihrer Meinung nie aufhören sollte, fühlen sie mehr Energie, als wenn sie eine Woche Ferien gemacht hätten.

Taufe bleibt Geheimnis

Köbi Roth bauert, wirtet und holzt. Seine vier Töchter haben ein Haushaltlehrjahr gemacht. Maja Roth, Jahrgang 1981, hat anschliessend die Lehre als Servicefachangestellte absolviert und arbeitet heute im Aussendienst für eine Glace-Marke. Marianne Tschumper, 29, sieht zum ersten Mal Mutterfreuden entgegen. Auch sie war im Service tätig, hat die Handelsschule absolviert und ist jetzt Bäuerin hoch über Wattwil. Ihr Mann Urs Tschumper spielt Bass und wird an der CD-Taufe mit dem Ländlertrio Chüeisgruess auftreten. Das Trio ist mit sieben Titeln auf der CD vertreten. Bis 25 Auftritte pro Jahr bewältigt das Jodlerterzett an den verschiedensten Anlässen.

Immer wieder sei nach einer CD von ihnen gefragt worden. Zwei Jahre sprachen sie davon und packten es Anfang Jahr schliesslich an. Sie schnupperten im Tonstudio, machten es so gut, dass gleich drei Titel aufgenommen werden konnten und nahmen später die restlichen sieben Titel auf. Wie die CD getauft wird, bleibt ein Geheimnis. Um 10.30 Uhr geht es in der Alpwirtschaft Oberbäch los. Der Jodlerklub Bärgfründe Linden BE mit dem Jodlerquartett Alperösli Heimenschwand und das Buebequartett Dibidäbi werden das Ereignis am 2. August mitgestalten.