«Spannend, realistisch, lustig»

Seit zwei Jahren gibt es den Verein Gofechössi. Dessen Ziel: Kindertheater in allen Facetten fördern. Am Mittwoch fanden zum Abschluss drei Aufführungen von erarbeiteten Theaterszenen von Schulklassen statt.

Hansruedi Kugler
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LICHTENSTEIG. «Hat wie richtig gewirkt», «spannend», «sehr gut gespielt» – die Kommentare der jungen Zuschauer gelten ihren Schulkollegen auf der Bühne. Aufgetreten ist die 4. Klasse aus dem Ebnat-Kappler Schulhaus Gill. Gesprochen, gespielt und getanzt haben die Schülerinnen und Schüler unter der Anleitung der Theater- und Tanzpädagogin Susanne Roth einen ziemlich alten Stoff: Goethes «Zauberlehrling» aus dem Jahr 1797, eine der bekanntesten Balladen der Literaturgeschichte: «Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben», frohlockt da der junge Zauberlehrling, schickt den Besen zum Wassereimer schleppen und verwirft kurz darauf die Hände. Denn die Geister, die er rief, kann er nicht mehr stoppen.

Die Überschwemmung droht, sein Übermut kippt in Angst und Verzweiflung. Goethes Zauberlehrling als Stoff für ein Schultheater der 4. Klasse? Klassenlehrerin Andrea Brutschin, die den Text ausgewählt hat, lacht: «Die Schüler waren erstaunt, dass der Text schon so alt ist. Sie nahmen den Inhalt sehr gut auf, weil sie sich von der Geschichte angesprochen fühlten.»

«Würde es allen empfehlen»

Andrea Brutschin ist eine von drei Lehrpersonen, deren Klassen am Mittwochvormittag auf der Bühne des Chössi-Theaters einen Auftritt hatten. Sie habe zwar auch schon mehrere Male zum Schulabschluss ein Theater aufgeführt: «Aber mit Theaterprofis zu arbeiten, ist einfach super. Ich würde das allen empfehlen.» Zehn Lektionen, fünf Mal eine Doppelstunde, hat sie über die Schulgemeinde beim Verein Gofechössi buchen können, der seit zwei Jahren besteht. Die Lektionen bei der Theater- und Tanzpädagogin Susanne Roth fanden im Rahmen des Impulsprogramms des Vereins statt. Daneben organisieren Susanne Roth und Stephan K. Haller Schulvorstellungen mit für Kinder geeigneten Theaterproduktionen, zeigen im Chössi Kinder- und Jugendstücke und leiten diese jeweils mit einer Gofestund ein, in welcher die Kinder eine Einführung in die folgenden Stücke bekommen. Im Theaterimpuls vermitteln sie Theaterpädagogen an Schulklassen.

Mehr als Text aufsagen

Das praktische Ergebnis der professionellen Betreuung liess sich am Mittwoch durchaus sehen. Andrea Brutschin fasste es so zusammen: «Wenn wir in den Schulen Theater aufführen, kommt man oft nicht viel weiter als bis zum richtigen Sprechen des Textes.» Theaterprofis hingegen bringen die Arbeit an der Körpersprache, improvisierendes Entwickeln von Figuren oder das Experimentieren mit verschiedenen Theaterformen wie Tanz oder Pantomime mit. Ihre Klasse zeigte am Mittwoch von allem einiges: Pantomimisch und tanzend umgesetzt war die Verzweiflung des Zauberlehrlings angesichts der bedrohlichen Besen, die ebenfalls von Schülern gespielt wurden. Einige Szenen, in denen der Lehrling Mutproben wagt und Blödsinn macht, haben die Schüler selbst erfunden.

Rund um Elmar

Das Schwergewicht auf die Körpersprache und die Verwandlung legte Sandra Aschwandens Unterstufenklasse aus dem Schmidberg, die das Kinderbuch um den Elefanten Elmar auf die Bühne brachte.

Dort schlüpften die Kinder in die Rolle von Schlangen, Tigern, Elefanten und anderen Dschungeltieren. Fast völlig improvisierend gearbeitet haben die Schüler der 5. und 6. Klasse von Lehrer Marc Fässler aus Mogelsberg. Gecoacht wurden sie dabei von der Puppenspielerin und Theaterpädagogin Nicole Langenegger. Ihr Input bestand vor allem in der Vorgabe: Jede und jeder setzt sich einen Hut auf und sucht sich dazu eine passende Rolle an verschiedenen Schauplätzen. Wie alt ist die Person? Wie verhält sie sich, und was fühlt sie dabei? So entspinnt sich ein munterer Reigen an Geschehnissen und Figuren: Da fällt eine alte Frau an der Bushaltestelle auf die Knie, einer anderen Frau kommt der Hund abhanden, am Konzert von DJ Bobo hat es keine einzige freie Toilette, aber dafür eine Prinzessin mit Bodyguards. Dann trifft sich im Zug eine bunte Schar von Hutträgern, von denen einer dann in der Zugtoilette ohnmächtig wird. Was dann von den Zuschauern prompt gelobt wurde: «Ihr konntet Euch gut in die Rollen versetzen», hiess es da zustimmend.

Und Stephan K. Haller, Co-Leiter Gofechössi, ergänzte: «Geniesst den Applaus, der tut Euren Herzen gut.»