SP-Erfolg in Herisau
Über 200 Wähler wechselten ins Max-Eugster-Lager: Wie sich der neue Herisauer Gemeindepräsident seine erfolgreiche Aufholjagd erklärt

Als erster SP-Politiker erobert Max Eugster das Gemeindepräsidium von Herisau. Der bisherige Vize distanziert Sandra Nater im zweiten Wahlgang überraschend deutlich. Die als Favoritin gehandelte FDP-Politikerin büsst im Vergleich zum ersten Durchgang gar über 200 Stimmen ein.

David Scarano
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Ein glücklicher Sieger: Max Eugster mit Lebenspartnerin.

Ein glücklicher Sieger: Max Eugster mit Lebenspartnerin.

Bild: David Scarano

Beim Herisauer Wahlkrimi war die Spannung bis zum Schluss gross. Kurz nach 13 Uhr gab die Gemeinde schliesslich das offizielle Resultat bekannt: Max Eugster ist neuer Gemeindepräsident von Herisau. Der aktuelle Vize schaffte damit Historisches. Er ist der erste SP-Politiker an der Spitze Herisaus.

Der Entscheid fiel überraschend deutlich aus. Eugster distanzierte seine Kontrahentin und Gemeinderatskollegin Sandra Nater von der FDP im zweiten Wahlgang um satte 727 Stimmen. Er erhielt 2279 Stimmen, Nater 1552. Eher tief war die Wahlbeteiligung. Sie lag am Sonntag bei 38,8 Prozent, damit nur leicht höher als beim ersten Wahlgang (36,7 Prozent). Damals hatte Nater noch die Nase vorn gehabt. Der Vorsprung betrug 32 Stimmen, sie verpasste das absolute Mehr um lediglich 13 Stimmen.

Wähler ausserhalb der SP angesprochen

Eine offizielle Wahlfeier gab es wegen der Coronamassnahmen des Bundes am Sonntag nicht. Vor und im Alten Zeughaus in unmittelbarer Nähe zum Gemeindehaus stellten sich der siegreiche Max Eugster und die unterlegene Sandra Nater den Fragen der Medien.

Gross war natürlich die Freude beim SP-Politiker, der seine Gemeinderatskollegin im Endspurt nicht nur überholte, sondern auch deutlich distanzierte, zur Überraschung von Max Eugster selbst. Er sagte:

«Wir wussten, dass ein Sieg möglich ist. Mit einem solch deutlichen Resultat habe ich aber nicht gerechnet.»

Der erste Wahlgang hatte bereits gezeigt, dass der Vorsteher des Ressorts Hochbau auf eine breite Unterstützung im Dorf zählen konnte. Der auch im Gewerbe und in der Industrie geschätzte SP-Politiker legte im zweiten Wahlgang noch zu. Die Strategie seines Wahlkampfteams ging dabei auf. «Wir wollten uns noch breiter aufstellen und noch mehr Menschen über die Parteigrenzen hinaus ansprechen. Wir hatten viele Testi­monials, die nicht in der SP waren. Das hat geholfen», sagte er. Als weiteren Grund für den Sieg nannte er die Nähe zur Bevölkerung. Er sagt:

«Ich bin ein Sohn von Herisau.»

Und nicht nur im Rahmen der Bahnhofsabstimmung habe er gemerkt, wie wichtig es sei, die Bürger ins Boot zu holen.

FDP enttäuscht: Resultat nur «schwer nachvollziehbar»

Auf ein anderes Resultat gehofft hatte die FDP Herisau. Sie schreibt in ihrer Mitteilung von einem «enttäuschenden Wahlausgang». Nach dem guten Abschneiden im ersten Wahlgang sei dieser «schwer nachvollziehbar». Die als Favoritin gehandelte Sandra Nater gab sich gefasst: «Das ist ein demokratischer Entscheid der Bevölkerung, den es zu respektieren und akzeptieren gilt.» Das klare Verdikt überraschte aber auch sie. Nater sagt:

Sandra Nater (FDP

Sandra Nater (FDP

Bild: PD
«Die Chancen standen von Anfang an 50:50. Dass der Rückstand aber so deutlich ausgefallen ist, damit haben wir nicht gerechnet.».

Während Max Eugster zulegen konnte, büsste Nater im zweiten Wahlgang Stimmen ein. 200 Wähler dürften das Lager gewechselt haben. Gründe dafür konnte Nater keine nennen. Man müsse dies zunächst analysieren.

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Nach der sonntäglichen Entscheidung ist die Verschnaufpause für die Parteien nur kurz. Sie sind bereits wieder gefordert. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Mit dem Ausscheiden von Kurt Geser und der Beförderung von Max Eugster ins Präsidium entsteht im Gemeinderat eine Vakanz, die auch zu Beginn der neuen Amtsperiode bestehen bleibt. Diese startet am 1.Juni. Gemäss Johannes Wey, Kommunikationsverantwortlicher der Gemeinde, findet der erste Durchgang der Ersatzwahl am 22. August statt.