Sozialhilfe Herisau braucht Unterstützung – Aufgaben können mit jetzigem Stellenpensum nicht mehr erfüllt werden

Die Sozialhilfe Herisau stösst an ihre Grenzen. Wegen steigender Fallzahlen und zunehmender Komplexität können die anfallenden Aufgaben nicht mehr bewältigt werden. Der Gemeinderat hat eine Stellenaufstockung von 40 Prozent genehmigt.

Alessia Pagani
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Die Anzahl der pro Jahr bearbeiteten Fälle in der Sozialhilfe Herisau hat sich seit 2013 von 341 auf 414 erhöht.

Die Anzahl der pro Jahr bearbeiteten Fälle in der Sozialhilfe Herisau hat sich seit 2013 von 341 auf 414 erhöht.

Christian Beutler / KEYSTONE

Die Gemeinde Herisau muss das Stellenpensum bei der Sozialhilfe aufstocken. Wie aus einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung hervorgeht, sind die Aufgaben mit dem bisherigen Personaletat nicht mehr zu bewältigen. Gemäss der zuständigen Gemeinderätin Sandra Nater gibt es dafür mehrere Gründe. Einerseits hat die Zahl der pro Jahr bearbeiteten Fälle, mit wenigen Ausnahmen, in den vergangenen zehn Jahren stetig zugenommen. Betrug die Anzahl der Fälle bei der Sozialhilfe Herisau 2013 noch 341, stieg sie bis ins Jahr 2016 auf 367. Im vergangenen Jahr lag die Zahl bei 414. Wie Sandra Nater sagt, sind die Gründe für die Fallzunahme vielschichtig. Zahlreiche Faktoren spielen mit, etwa die strukturellen Bedingungen am Arbeitsmarkt, die Wirtschaftlichkeit, Sparmassnahmen bei den Sozialversicherungen oder Kostenentwicklungen.

Anforderungen an Sozialhilfe stetig gestiegen

Andererseits seien die Anforderungen an die Sozialhilfe sowie die Komplexität der Fälle im Laufe der Jahre gestiegen, wie Nater weiter ausführt. Die Vorsteherin des Ressorts Soziales sagt:

Sandra Nater, Gemeinderätin und Vorsteherin des Ressorts Soziales in Herisau.

Sandra Nater, Gemeinderätin und Vorsteherin des Ressorts Soziales in Herisau.

PD
«Klienten bringen heute häufig Mehrfachproblematiken mit. Oft auch komplexe psychische Belastungsstörungen.»

Zudem sei der Zugang zu Sozialversicherungen mit diversen Gesetzesrevisionen erschwert worden und die Verfahren seien teilweise sehr umfangreich und kompliziert. Vor Herausforderungen stellen die Sozialhilfe unter anderem auch der kostenbewusste Umgang mit den öffentlichen Geldern, der Einsatz der zeitlichen Ressourcen für eine enge und professionelle Begleitung der Klienten, die Zusammenarbeit mit den verschiedensten Fachstellen und nicht zuletzt die Bedürfnisse und Ansprüche der hilfesuchenden Personen. Nater dazu:

«Es ist für uns eine Knacknuss, dem hohen Druck der verschiedenen Ansprüche gerecht zu werden. Die Anforderungen an das Fachwissen und die Fähigkeiten der Mitarbeitenden sind stetig gestiegen.»

50 Prozent der Fälle innert Jahresfrist erledigt

Wie Sandra Nater ausführt, können zwischen 40 bis 50 Prozent der Sozialhilfefälle in Herisau innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden. Weitere 15 bis 20 Prozent zwischen dem ersten und dem zweiten Jahr. Wie die Sozialvorsteherin ausführt, sind allerdings bei einem Viertel bis einem Drittel der abgeschlossenen Fälle der Grund ein Wegzug aus der Gemeinde, so Nater:

«Die momentane Zunahme an Entlassungen, allenfalls auch Konkursen, könnte die Bilanz klar verschärfen.»

Zwar habe die Coronakrise bis anhin noch keine Auswirkungen auf die Anzahl der Sozialhilfebezüger beziehungsweise der bearbeiteten Fälle. Nater rechnet allerdings auch auf Grundlage der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) damit, dass sich die Situation verschärfen wird. «Die SKOS prognostiziert bis 2022 einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen.»

440 Stellenprozent für reine Fallführung

Heute stehen dem Bereich insgesamt 920 Stellenprozent zur Verfügung. Inbegriffen sind darin auch die Alimentenhilfe, die Rückerstattung Sozialhilfe sowie die Bereichsleitung. 440 Prozent werden aktuell zur reinen Fallführung durch die Sozialhilfeberatenden eingesetzt. Unterstützt werden sie dabei von administrativen Mitarbeiterinnen und seit Anfang Juli 2019 von einem Jobcoach.

Die Problematik hatte sich bereits abgezeichnet. Die nun definitiv genehmigte 40-Prozent-Stelle hatte die Gemeinde per Anfang Dezember 2019 als befristete Stelle geschaffen. «Damit konnten wir praktisch kostenneutral den Nachholbedarf aus diversen Vakanzen decken und den Ressourcenbedarf in Ruhe verifizieren», so Nater.