Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Sonnenblumen fürs urbane Wattwil

WATTWIL. Zürich plant auf seinen Verkehrsinseln den Gemüseanbau. Wattwil soll da nicht zurückstehen, finden die Kunstveranstalter der Kunsthallen Toggenburg und laden zum Sonnenblumen-Setzen ein: «Urban gardening» als Start für die Herbst-Kunstaktion «arthur visiert». Mitmachen kann jeder.
Hansruedi Kugler
So wie auf dieser Bildmontage könnte das Sonnenblumenfeld im Sommer dieses Jahres auf dem Rietwis-Areal blühen. (Bild: Bildmontage: pd/Herbert Weber)

So wie auf dieser Bildmontage könnte das Sonnenblumenfeld im Sommer dieses Jahres auf dem Rietwis-Areal blühen. (Bild: Bildmontage: pd/Herbert Weber)

Sonnenblumen sind mehr als bloss Sonnenblumen: Vor allem wenn Kunstveranstalter ihre Jahresaktion mit dem Einpflanzen von Sonnenblumen-Setzlingen beginnen. Mit «arthur visiert» reagiert der Verein Kunsthallen Toggenburg nämlich auf die aktuelle Entwicklung Wattwils. «Wattwil träumt ja davon, eine Stadt zu werden», sagt Kunsthallen-Präsident Roland Rüegg. Die Kunstveranstalter, die mit ihren Arthur-Ausstellungen in den letzten Jahren Aufsehen erregt haben, wollen diesen Traum weiter spinnen. Die Toggenburger Zentrumsgemeinde positioniert sich seit Jahren als «Stadt für Ländler und Land für Städter». Im Zentrum und an den Rändern wird viel gebaut. «Was aber macht eine Stadt aus? Urbanität zeigt sich vor allem im öffentlichen Raum», meint Roland Rüegg. Dort herrscht in Wattwil oft genug Leere. Im Herbst will die Kunst-Aktion «arthur visiert» deshalb den öffentlichen Raum im Zentrum Wattwils mit künstlerischen Aktionen beleben. Besonders wichtig: «Für einmal präsentieren wir nicht einfach Kunstwerke und Performances. Wir planen ein soziales Kunstwerk, das Impulse aus der Bevölkerung aufnimmt und diese stark mit einbezieht», sagt Roland Rüegg. «Denn in unserer Kunst-Aktion sollen nicht Städteplaner referieren, sondern die Bevölkerung soll sagen, was zu einer lebenswerten Gemeinde gehört.»

Jeder wird zum Stadt-Gärtner

Vom 1. bis 3. August findet zu diesem Zweck auf dem Bräkerplatz eine Bevölkerungsumfrage statt und im September sind Aktionen mit Visualisierungen dieser Wünsche und Ideen, mit Freilicht-Theateraufführungen und Installationen geplant. Die Mitwirkung der Bevölkerung beginnt schon am 14. Mai auf dem Rietwis-Areal. Um 19 Uhr erwarten die Veranstalter die urbanen Gärtner mit ihren Setzlingen. Humus und Gartengeräte stehen zur Verfügung. Die Vereinsmitglieder der Kunsthallen Toggenburg bekamen per Post schon Sonnenblumen-Samen zugeschickt. Mitmachen bei der Pflanzaktion können auch alle anderen Toggenburger. Bedingung: «Jeder muss sich bis in den Sommer selbst um seine Sonnenblume kümmern», sagt Roland Rüegg. «Das Sonnenblumenfeld schiesst in die Höhe und wird zum Treffpunkt.» Für die schönste Sonnenblume winkt auch eine Belohnung: Die Veranstalter bekochen die Gewinner am 22. September auf dem Bräkerplatz.

Zürich, Joseph Beuys, Wattwil

Inspiriert ist diese Aktion durch die «urban gardening»-Bewegung, die von New York aus in viele Grossstädte ausgestrahlt hat. So hat der Zürcher Gemeinderat im letzten Dezember beschlossen, Verkehrsinseln nicht mehr mit Blumen, sondern mit Gemüsebeeten zu bepflanzen und dadurch den Gemeinsinn der Bevölkerung zu fördern. Der Verein Kunsthallen Toggenburg hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht mit Kunstausstellungen an ungewöhnlichen Orten: Iburg, SOB-Wartesäle, Brauerei, Alp Sellamatt waren Schauplätze zeitgenössischer Kunst-Inszenierungen. Mit der «urban gardening»-Aktion als Teil des sozialen Kunstwerks «arthur visiert» setzen die Kunstveranstalter ihre unkonventionelle Arbeitsweise fort: Sie hätten auch einen Malwettbewerb im Stil von: «Wer malt so schöne Sonnenblumen wie Van Gogh?» organisieren können. Sie setzen aber eher bei Joseph Beuys an. Der bedeutende Kunst-Erneuerer hat ab den 1960er-Jahren den Begriff der Sozialen Plastik geschaffen, in dem er die Aufgabe der Kunst als kreatives Mitgestalten an der Gesellschaft und in der Politik forderte. Immer unter dem Motto: «Jeder ist ein Künstler.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.